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Festnahmen im Senegal

Festnahmen im Senegal Radikales Vorgehen gegen Schwule nimmt weiter zu

ms - 18.06.2026 - 09:30 Uhr
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Die Verhaftungswelle gegen mutmaßlich homosexuelle Männer im Senegal nimmt weiter zu. Nach Angaben des Journalisten und TV-Kommentators Pape Ndiaye wurden seit der Verschärfung der Strafgesetze gegen Homosexuelle im März dieses Jahres bereits 319 Personen innerhalb von weniger als drei Monaten festgenommen. Die Festnahmen dauern in dem westafrikanischen Land weiter an.

Das Wichtigste im Überblick

  • Im Senegal wurden seit dem verschärften Homosexuellen-Verbotsgesetz von März 2026 mindestens 319 mutmaßlich schwule Männer festgenommen.
  • Die Zahl der Festnahmen steigt weiter an, zuletzt wurden sechs weitere Personen verhaftet.
  • Beobachter sprechen von einer gezielten Kampagne gegen sexuelle Minderheiten.
  • Kritisiert werden dabei sowohl politische Akteure als auch bekannte öffentliche Persönlichkeiten.

„Widernatürlicher Handlungen“

Zuletzt wurden am 12. Juni in der zentralsenegalesischen Stadt Linguère sechs weitere Personen verhaftet. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit der Festnahme von Matar Ndiaga Seck am 15. Mai wegen angeblicher „widernatürlicher Handlungen“. Seck gilt als langjähriger Vertrauter des heutigen Parlamentspräsidenten Ousmane Sonko. Die sechs neu festgenommenen Personen werden ebenfalls wegen „widernatürlicher Handlungen“ verfolgt. Vier von ihnen müssen sich darüber hinaus laut der Zeitung Le Soleil wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Übertragung von HIV verantworten.

Seit März gelten im Senegal deutlich verschärfte Gesetze gegen homosexuelle Personen. Gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen, die als „unnatürliche Handlungen“ eingestuft werden, können mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren sowie Geldstrafen geahndet werden. Die im Gesetz vorgesehene Höchststrafe von zehn Millionen CFA-Franc entspricht umgerechnet rund 15.000 Euro – mehr als 80 durchschnittlichen Monatsgehältern im Senegal. Auch die Befürwortung oder Unterstützung homosexueller Handlungen steht nun unter Strafe und kann mit bis zu sieben Jahren Haft sowie Geldstrafen von fünf Millionen CFA-Franc geahndet werden.

Unschuldige im Gefängnis 

Beobachter sehen hinter den Festnahmen eine gezielte Kampagne. Mouhamadou, ein aus dem Senegal stammender Kenner der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes, erklärte gegenüber dem queeren Portal 76 Crimes: „Vor allem gibt es eine klare und offensichtliche Absicht, Schaden anzurichten. Und niemand ist sicher.“ Als Beispiel nennt er die Festnahme von Matar Ndiaga Seck kurz vor dessen Reise nach Mekka. „Er wurde auf Grundlage von Textnachrichten angeklagt, die er zwischen 2010 und 2013 mit einem Liebhaber ausgetauscht haben soll. Immer wieder werden alte Geschichten hervorgeholt, um daraus ein Strafverfahren gegen ihn zu konstruieren.“

Nach seiner Darstellung würden gezielt Menschen aus dem öffentlichen Leben ins Visier genommen. „Darunter sind mitunter brillante Menschen, die zerstört werden. So etwa der Arzt des Nationalen Bluttransfusionszentrums in Dakar, dem fälschlicherweise vorgeworfen wurde, Blutkonserven mit HIV kontaminiert zu haben. Seine Festnahme erhielt in diesem Frühjahr große mediale Aufmerksamkeit.“ Zugleich kritisierte er die Prioritäten der Justiz. „Im Gegensatz dazu werden jedes Jahr während des Eid-Festes Tausende Straftäter begnadigt und auf Anordnung des Präsidenten freigelassen.“ Weiter sagte er: „Mein Land erlebt eine Umkehrung der Werte. Gefängniszellen werden geleert, um unschuldige Menschen einzusperren, deren einziges ‚Verbrechen‘ darin besteht, jemanden des gleichen Geschlechts zu lieben oder einvernehmliche sexuelle Beziehungen mit einer Person desselben Geschlechts zu führen.“ Von der Verhaftungswelle sind bisher nur schwule Männer betroffen, wie die aus dem Senegal stammende lesbische Aktivistin Mya Wélé, die in Kanada Asyl erhalten hat, erklärte. Lesbische Frauen seien „nur“ indirekt betroffen von der Gesetzesverschärfung, da der gesellschaftliche Druck insgesamt sehr hoch sei. 

Schweres gesellschaftliches Klima

Während die Verhaftungen zunehmen, geraten auch Personen in den Fokus, denen Beobachter eine wichtige Rolle bei der aktuellen Entwicklung zuschreiben. Mouhamadou nennt unter anderem den Anwalt El Hadji Moustapha Diouf, eine bekannte Persönlichkeit der Anwaltschaft in Dakar. Dieser habe öffentlich erklärt, niemals die Verteidigung einer Person zu übernehmen, die der Homosexualität beschuldigt werde. Diouf begründe dies als „Frage des Gewissens“. Kritik richtet sich auch gegen Parlamentspräsident Ousmane Sonko. Dieser hatte im Mai erklärt: „Es gibt eine kleine Gruppe im Westen, die dem Rest der Welt ihre Vorstellungen aufzwingen will.“ Sonko wirft westlichen Staaten vor, gesellschaftliche Werte exportieren zu wollen, und betont regelmäßig den Schutz senegalesischer Traditionen und kultureller Normen.

Ebenfalls genannt wird Guy Marius Sagna von Sonkos Partei PASTEF. Er hatte im Mai auf Kritik der französischen Politikerin Manon Aubry an der Menschenrechtslage im Senegal geantwortet, europäische Politiker sollten „zunächst Europa von Imperialismus und Rassismus befreien“. Besonders häufig fällt in der Debatte zudem der Name von Mame Mactar Gueye, Vizepräsident der islamistischen Druckgruppe Jamra. Nach Angaben von Mouhamadou behauptet Gueye regelmäßig, den Behörden Listen mit mehr als 600 homosexuellen Personen übergeben zu haben. 

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