Homosexualität im Senegal Neue hohe Haftstrafen, Schwule werden stigmatisiert
Im Senegal werden künftig homosexuelle Beziehungen tatsächlich deutlich härter bestraft: Wer gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen eingeht, muss mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Bisher lagen die Strafen zwischen ein und fünf Jahren. Der Schritt folgt auf die Festnahme mehrerer prominenter Männer und zeichnete sich bereits in den letzten Wochen ab.
„Förderung“ von Homosexualität strafbar
Das Parlament in Dakar stimmte dem entsprechenden Gesetzesentwurf der Regierung mit 135 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen zu. Neben längeren Gefängnisstrafen sieht das Gesetz auch höhere Geldbußen vor. Zudem kann künftig die „Förderung“ oder finanzielle Unterstützung solcher Handlungen – beispielsweise durch Organisationen oder Medien – strafrechtlich verfolgt werden. Ein Abgeordneter erklärte vor der Abstimmung: "Homosexuelle werden in diesem Land nicht mehr atmen können. Homosexuelle werden in diesem Land keine Meinungsfreiheit mehr haben!"
Kritiker warnen, dass dadurch Präventionsprogramme und die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen, etwa zur HIV-Bekämpfung bei Risikogruppen, behindert oder ganz eingeschränkt werden könnten. Verbände wie die Association Prudence (AP) befürchten jetzt auch eine neue Welle von Gewalt und Stigmatisierung gegenüber Schwulen und Lesben im Land. Bereits jetzt leben viele von ihnen in „ständiger Angst“. Präsident Bassirou Diomaye Faye muss das Gesetz noch unterzeichnen, seine Bestätigung gilt als gesichert.
Hetze gegen Homosexuelle
Homosexualität sind im überwiegend muslimischen Senegal stark stigmatisiert, über 95 Prozent der Einwohner sind Muslime. Umfragen der letzten Jahre zeigten so auch immer wieder auf, dass regelmäßig mehr als 90 Prozent der Bevölkerung gleichgeschlechtlichen Beziehungen ablehnend gegenüberstehen.
Das Thema rückte zuletzt erneut in den Fokus der Öffentlichkeit, nachdem Anfang Februar Sicherheitskräfte mehrere teils prominente Männer wegen angeblicher homosexueller Kontakte festgenommen hatten. Kurz darauf meldete die Polizei die Aufdeckung eines angeblichen internationalen Kindesmissbrauchs-Netzwerks in Dakar. In Teilen der Bevölkerung und in den sozialen Medien wurden beide Fälle oft miteinander in Verbindung gebracht, dabei besteht bis heute keine nachweisbare Verbindung zu Homosexuellen und dem kriminellen Netzwerk.
Schwule und Lesben als Sündenböcke
Der Senegal, ein westafrikanischer Küstenstaat mit rund 18 Millionen Einwohnern, gilt als eine der stabilsten Demokratien Afrikas. Präsident Bassirou Diomaye Faye und Premierminister Ousmane Sonko waren vor zwei Jahren mit großer Mehrheit gewählt worden und hatten politische Reformen sowie wirtschaftliche Neuerungen angekündigt. Inzwischen wächst jedoch der Druck auf die Regierung, unter anderem wegen hoher Staatsverschuldung und Studentenprotesten, bei denen ein Student ums Leben kam. Queere Aktivisten gehen daher davon aus, dass Schwule und Lesben wie anderenorts nun auch im Senegal als Sündenböcke aufgebaut und damit von anderweitigen Problemen abgelenkt werden soll. Weltweit sind gleichgeschlechtliche Beziehungen noch immer in rund 65 Ländern strafbar, mehr als die Hälfte davon in Afrika.