Direkt zum Inhalt
Massen-Verhaftung in Nigeria

Massen-Verhaftung in Nigeria 76 Menschen bei angeblicher „Schwulenhochzeit“ festgenommen

ms - 24.10.2023 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Einmal mehr zeigt der jüngste Fall aus Nigeria, dass sich viele Länder in Afrika im Kampf gegen Homosexuelle immer weiter radikalisieren – paramilitärische Kräfte haben hier jetzt 76 Personen verhaftet, weil sie an einer Geburtstagsfeier eines schwulen Mannes teilgenommen hatten. Die Einsatzkräfte indes gingen davon aus, dass es sich um eine illegale schwule Hochzeit handeln würde.

Afrika radikalisiert sich im Kampf gegen Schwule

In diesem Jahr hat bereits Uganda eines der weltweit härtesten Gesetze gegen Homosexuelle umgesetzt, das nebst hohen Haftstrafen auch die Todesstrafe für Schwule vorsieht. Das Parlament in Kenia arbeitet aktuell gerade daran, seine bisherigen Strafgesetze für Homosexuelle ebenso zu radikalisieren.

In Nigeria werden nun immer rapider die bereits bestehenden Anti-Homosexuellen-Gesetze umgesetzt – schwule Männer erwarten dort Haftstrafen bis zu 14 Jahre. Nach dem Scharia-Recht im Norden Nigerias steht auf Homosexualität sogar ebenso die Todesstrafe, wenngleich ein solches Urteil bisher noch nicht vollstreckt worden ist.

Brutaler Einsatz gegen Schwulenparty

Buhari Saad vom nigerianischen Sicherheits- und Zivilschutzkorps (NSCDC) erklärte zu der jüngsten Massen-Verhaftung, die Behörde habe am vergangenen Wochenende einen Hinweis auf eine angebliche „Schwulenparty“ im nordnigerianischen Bundesstaat Gombe erhalten, an der „Homosexuelle und Zuhälter“ teilgenommen hätten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wurden 17 Frauen und 59 Männer verhaftet, von denen 21 inzwischen „gestanden“ hätten, schwul zu sein.

Saad erklärte weiter: „Wir haben 76 mutmaßliche Homosexuelle festgenommen während einer Geburtstagsfeier, die von einem von ihnen organisiert wurde, der auf der Veranstaltung seine männliche Braut heiraten wollte!“ Wahrscheinlich noch in dieser Woche soll der Fall bereits vor das Oberste Gericht des Bundesstaates Gombe kommen.

Amnesty kritisiert Verfolgung als Hexenjagd

Diese Massen-Verhaftung erfolgte kurz nach der Razzia der nigerianischen Polizei bei einer anderen angeblichen „Schwulenhochzeit“ im vergangenen Monat im Bundesstaat Delta, bei der mehr als 200 Personen verhaftet worden sind, 69 Verdächtige wurden schlussendlich vor Gericht gestellt. Gegen Kaution wurden die Menschen zwar wieder freigelassen, zuvor aber in Handschellen Zuschauern und Journalisten präsentiert, damit diese Fotos von den Beschuldigten machen konnten.

Der Polizeisprecher Bright Edafe erklärte damals gegenüber den lokalen Medien: „Wir zeigen dies der Welt, damit vor allem die Nigerianer wissen, dass wir in Afrika sind und die westliche Kultur nicht tolerieren können, weil wir nicht die gleiche Struktur und Tradition haben.“ Amnesty International hat beide Massen-Verhaftungen verurteilt und sie als Verletzung „einer Reihe von Menschenrechten“ und als „Hexenjagd“ bezeichnet.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry als Comic

Asiens große Boys Love Literatur

In Asien gibt es seit Jahrzehnten eine große Nachfrage nach schwulen Manga-Lovestorys. Aktuell heiß begehrt sind Zeichnungen zu "Heated Rivalry".
Grundrechtsrisiko steigt

Parlamentsabstimmung bleibt offen

Im Senegal werden nicht nur sexuelle Kontakte gleichgeschlechtlicher Paare, sondern nunauch der bloße Einsatz für LGBTIQ+-Rechte kriminalisiert.
Haft nach Cyberstalking

Schwule als Opfer ausgesucht

Ein 40-jähriger Mann wurde in den USA wegen Cyberstalking jetzt zu drei Jahren Haft verurteilt, seine Opfer waren alle schwule Männer.
Tödlicher BDSM-Sex

Emmerdale-Schauspieler getötet

Der britische Emmerdale-Schauspieler Michel Barron starb 2025 bei einem BDSM-Sextreffen, sein Sex-Partner wurde nun zu vier Jahren Haft verurteilt.
Zunahme der HIV-Stigmata

Schuldzuweisungen und Angst vor HIV

Stigmata gegenüber HIV-Positiven sind in den USA deutlich angestiegen. Jeder Vierte gibt zudem den betroffenen Personen die Schuld an ihrer Krankheit.
Britische Konversionstherapien

Kommt ein Verbot nach acht Jahren?

Kommt in Großbritannien endlich ein Verbot von Konversionstherapien? Die Gleichstellungsministerin versprach nun eine Umsetzung nach über 8 Jahren.
Hassgesetz in der Ukraine

EU reagiert auf Rückschritte

Die EU hat jetzt erstmals auf den Plan der Ukraine reagiert, mit einem neuen homophoben Familiengesetz alle Rechte für LGBTIQ+ zu streichen.
ILGA Europe schlägt Alarm

LGBTIQ+-Grundrechte verschwinden

LGBTIQ+-Rechte werden immer systematischer in Europa eingeschränkt, eine „zutiefst besorgniserregende“ Entwicklung, warnt jetzt die ILGA Europe.