Gefängnis dank Facebook-Profil 12 Jahre Haft für ein LGBTIQ+-Social-Media-Profil
Erst Anfang dieser Woche wurden in Indonesien zwei junge Studenten zu achtzig Stockschlägen verurteilt, weil sie sich geküsst hatten – nun präsentierte die Polizei drei weitere schwule Männer, die für Homosexualität geworben haben sollen. Ihr „Vergehen“: Sie sollen eine Facebook-Gruppe für die LGBTIQ+-Community online gestellt haben.
Homosexuelle Inhalte
Der tatsächliche Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen darf bezweifelt werden, denn nach Angaben der Polizei in Sidoarjo in Ostjava hätten die drei Männer im Alter von 22 und 32 Jahren „pornografische Inhalte“ online gestellt und weiterverbreitet – etwas, das bei Facebook streng verboten ist und in der Regel binnen sehr kurzer Zeit auch gelöscht wird. Bereits mehrfach in der Vergangenheit fielen die indonesischen Behörden und Gerichte allerdings damit auf, dass sie bereits sachliche Informationen über Homosexualität als Pornografie einstuften.
Entdeckt worden seien die drei jungen Männer durch eine Cyberpatrouille der Kriminalpolizei, die die Tatverdächtigen daraufhin in einem gemieteten Zimmer in Taman, Sidoarjo, festnahmen, so der Jakarta Globe. Nach Angaben von Polizeichef Christian Tobing beschlagnahmte die Polizei bei der Razzia auch Beweismaterial, darunter Verhütungsmittel, Duftöle, Gleitmittel, Sexspielzeug, Chat-Protokolle und pornografische Videos. Die drei Männer werden derzeit in der Polizeistation von Sidoarjo festgehalten, bis weitere Ermittlungen durchgeführt werden.
Haftstrafe bis zu 12 Jahre
Die Verbreitung von „obszönem Material“ über elektronische Medien ist in Indonesien verboten, den drei Männern droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 12 Jahren sowie eine Geldstrafe von bis zu umgerechnet rund 320.000 Euro. Bereits jetzt dürften die drei jungen Männer allerdings bestraft sein, da die Polizei Fotos mit ihren Gesichtern veröffentlichte und überdies erklärte, aus welcher Stadt oder Region sie kommen.
Homosexualität ist in Indonesien bisher nicht explizit verboten, wird aber trotzdem durch ein Gesetz gegen illegale Prostitution sowie durch das Anti-Pornografie-Gesetz geahndet. Ab 2026 wird gleichgeschlechtlicher Sex allerdings de facto illegal – jede Form von Sex ist dann nur noch innerhalb der Ehe erlaubt. Für Schwule und Lesben, die nicht heiraten dürfen, bedeutet das ein generelles Sexverbot. Die neuen Richtlinien haben dabei auch für Touristen Gültigkeit.