Direkt zum Inhalt

LGBTI*-Klima weltweit Die meisten politischen LGBTI*-Rechte gibt es weltweit in Kanada

Von ms - 09.10.2023 - 10:00 Uhr
LGBTI*-Klima weltweit
Foto: iStock / D-Keine
ANZEIGE
Loading audio player...

Mittelmäßig – so lässt sich in einem Wort die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland benennen, wenigstens nach den Daten des Franklin & Marshall Global Barometers Reports. Weltweit werden dabei die diversen Entwicklungen rund um LGBTI*-Menschen in den einzelnen Ländern untersucht. Die jährliche Studie befasst sich dabei im Kern mit der Politik und dem Klima in einem Land.

Mehr als die Hälfte der Welt, rund 62 Prozent, erhielt die schlechteste Note 5 (F). Deutschland wurde mit Note 3 (C) bewertet, also frei übersetzt „befriedigend“. Für die Studie wurden insgesamt rund 167.000 LGBTI*-Menschen in 204 Ländern befragt, in der Bundesrepublik kam es zu rund 3.200 Interviews.

Rückgang bei den LGBTI*-Menschenrechten

Dabei zeigen sich im Detail spannende Entwicklungen, wobei das Ranking  generell von Null bis einhundert Prozent der zu erreichenden Ziele verankert wird. Bei den grundsätzlichen LGBTI*-Menschenrechten sank die Bundesrepublik dabei im Jahr 2022 auf 80 Prozent, die Jahre zuvor lag dieser Wert noch zehn Prozentpunkte höher.

Kernaspekte hierbei sind unter anderem die Frage nach der Kriminalisierung der sexuellen Ausrichtung im Land oder auch die bestehende Möglichkeit, sich friedlich zu Versammlungen und Prides zu treffen – gerade hier erlebt Deutschland in den letzten zwei Jahren und explizit noch einmal in diesem Sommer eine rapide Zunahme von Angriffen auf die LGBTI*-Community. Bei fast allen CSDs 2023 kam es zu verbalen und/oder physischen Attacken.

Zu wenig Einsatz bei Hassverbrechen

Genau hier im Bereich der Hassverbrechen versagt Deutschland aktuell am dramatischsten und holt gerade einmal noch 40 Prozent des Machbaren. Es geht darum, LGBTI*-Menschen in allen Lebensbereichen vor Gewalt zu bewahren – das findet aber in vielen Bereichen nach Angaben der Studie bis heute unzureichend statt und reicht von einem Verbot der Konversionstherapie im Wesentlichen nur für Minderjährige, nicht ausreichenden Gesetzen gegen Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder aber auch dem mangelhaften Umgang mit LGBTI*-Flüchtlingen innerhalb des Landes.

Akzeptanz und Sicherheit

Positiv hingegen sieht es bei den sozio-ökonomischen Rechten aus, hier konnte Deutschland sich weiter verbessern und im letzten Jahr tatsächlich die volle Punktzahl erreichen. Darunter verstanden werden Aspekte wie ein umfassendes Anti-Diskriminierungsgesetz, die Gleichstellung der Ehe oder auch die Einführung eines dritten Geschlechts (divers) in offiziellen Dokumenten. Rund Zwei-Drittel der LGBTI*-Menschen fühlen sich nach wie vor sicher in Deutschland, rund die Hälfte auch akzeptiert. Alles in allem erreicht Deutschland 73 Prozent – ein Rückgang um vier Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr davor.

Die meisten LGBTI*-Rechte gibt es in Kanada

So durchwachsen das Ranking für Deutschland allein ist, mit Blick auf die weltweiten Entwicklungen zeigt sich ein schlimmeres Bild – die Mehrheit der Länder versagt in Bezug auf die Menschenrechte von LGBTI* und bereits jetzt zeichnet sich in einstmals positiv geprägten Ländern ein Rollback ab, allen voran gerade auch in den USA, denen F&M Global Barometers in ihrem Bericht eine weitere Herabstufung in den kommenden Jahren prognostiziert. Am besten abgeschnitten weltweit haben Kanada (90%) und Uruguay (90%), gefolgt von Ländern wie Island, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Dänemark oder auch Schweden.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

WDRFast ausgestorben: Schwule Pinguine werden ElternDER STANDARDVerhetzungsprozess um "Dachau" und "Mauthausen" gegen lautstarken UneinsichtigenDie Presse„Vor Scham im Boden versinken“: Audi-Chef Döllner erntet harsche Kritik für Auftritt bei Trump-WahlkampfSüddeutsche ZeitungNews-Überblick: Das sind die Nachrichten des TagesAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Regenbogenbänke in ganz Berlin

Zeichen gegen Queerfeindlichkeit

Nach wiederholten Beschädigungen der Gedenkbank im Tiergarten wollen Berliner Kulturinstitutionen mit Regenbogenbänken Solidarität zeigen.
Viel Stoff, bequemer Halt

Schwule Jungs, lockere Hosen

Zum Tag der Boxershorts wird es luftig: Warum schwule Männer auf lockeren und besonders elastischen Stoff stehen und weshalb das mehr Erotik bedeutet.
Wünsche der Glee-Fans

Viel Liebe und neue Songs

Das „Glee“-Reboot sorgt für Vorfreude: Fans wünschen sich Hits von Chappell Roan, Troye Sivan und Sabrina Carpenter – samt chaotischer Geschichten.
Grusel trifft Glamour

Halloween wird schwul

Von Madonna bis „Heated Rivalry“: Diese Halloween-Kostüme bringen schwulen Glamour, viel nackte Haut und reichlich Selbstironie auf die Party.
Eine Frage der Größe

Doku sorgt für Debatten

Die Dokumentation „Manhood“ zeigt Männer, die für einen größeren Penis viel Geld ausgeben und sorgt damit aktuell für viele Debatten.
Abschied von Walter Koenig

Trauer um Star-Trek-Legende

Der „Star Trek“-Schauspieler Walter Koenig ist mit 90 Jahren gestorben. Für die Community bleibt seine Freundschaft mit George Takei in Erinnerung.
LGBTIQ+-Kino erobert Rom

Community-Filme feiern Erfolge

Das Filmfestival in Rom feiert einen starken Jahrgang des LGBTIQ+-Kinos. Gleich mehrere LGBTIQ-Filme sorgen international für Aufmerksamkeit.
Pflastersteine als Protest

25.000 Dollar für den Pride

Aus einem entfernten Regenbogen-Zebrastreifen in Miami Beach wird ein Zeichen des Widerstands: Eine Dragqueen sammelte damit Geld für Pride-Feste.
Mika Brunold auf Erfolgskurs

Coming-Out beflügelt Tennisprofi

Der Schweizer Tennisprofi Mika Brunold feiert mit 22 Jahren seinen Durchbruch. Sein Coming-Out hat ihm geholfen, selbstbewusster zu spielen.