Direkt zum Inhalt
Kampfansage an Kardinal

Kampfansage an Kardinal Priester Rothe aus München wendet sich direkt an Papst Leo XIV. und fordert Konsequenzen für Woelki

ms - 30.05.2025 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Anfang Mai wurde das Verfahren wegen Meineids gegen Kardinal Rainer Maria Woelki eingestellt – zwar habe der Geistliche aus Köln demnach mehrfach Falschaussagen darüber gemacht, ab wann er über sexuellen Missbrauch im Bistum informiert worden war, die Staatsanwaltschaft konnte Woelki aber nur Fahrlässigkeit und keinen Vorsatz nachweisen. So wurde der Prozess mit einer Geldauflage von 26.000 Euro eingestellt, die der Bischof an eine nicht-religiöse, gemeinnützige Organisation zahlen muss. Gegen diesen Vorgang regt sich nun massiver Widerstand.  

Petition an den neuen Papst

Der schwule katholische Pfarrer Wolfgang F. Rothe aus München wendete sich jetzt direkt in dieser Causa an den neuen Papst Leo XIV.: „Ich habe eine Petition an Papst Leo XIV. gestartet, weil ich nicht länger zusehen kann, wie Kardinal Rainer Maria Woelki sein Amt trotz schwerer Verfehlungen weiter ausübt.“ 

Dabei betonte Rothe weiter, dass Woelki keineswegs unschuldig sei, in zwei Fällen habe der Kardinal unter Eid die Unwahrheit gesagt: „Die Staatsanwaltschaft stellte fest: Seine Aussagen waren ´objektiv unzutreffend´. Trotzdem behauptet Woelki öffentlich, er sei ´unschuldig´ und habe ´nicht gelogen´. Das ist ein Schlag ins Gesicht der vielen Betroffenen sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche.“ Die Staatsanwaltschaft Köln erklärte: „Im Fall einer Anklage“ wäre es „überwiegend wahrscheinlich zu einer Verurteilung gekommen“, weil Kardinal Woelki „nachweislich unter Eid falsche Angaben gemacht hat“, betont Rothe im Schreiben an den Pontifex weiter. 

Jede Glaubwürdigkeit verloren 

Dazu komme, dass Woelki im Umgang mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs „die ihm obliegenden Sorgfaltspflichten in schwerwiegender Weise verletzt“ habe. Dies stelle laut Rothe auch nach kanonischem Recht eine Verletzung seiner Amtspflichten dar. „Kardinal Woelki ist vor diesem Hintergrund moralisch vollständig korrumpiert. Er hat jede Glaubwürdigkeit verloren, und zwar in der Öffentlichkeit ebenso wie innerhalb der Erzdiözese Köln und der katholischen Kirche in Deutschland. Verantwortliche in Politik und Gesellschaft wollen nicht mit ihm zusammen gesehen, Pfarrgemeinden nicht von ihm besucht, Firmbewerberinnen und -bewerber nicht von ihm gefirmt werden. Sein Verhalten ist ein schwerer Schlag ins Gesicht der vielen Opfer von sexuellem Missbrauch und macht die Bemühungen zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in den anderen deutschen Diözesen und in der Weltkirche zunichte. Kardinal Woelki ist sowohl innerhalb der Erzdiözese Köln als auch innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland weitestgehend isoliert. Er ist ein Hirt ohne Herde. Und das Erzbistum Köln ist eine Herde ohne Hirten.“

Im aktuellen Fall stehe dabei die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche insgesamt in Frage – Rothe fragt sich dabei, wie ernst es die römisch-katholische Kirche wirklich mit der Aufarbeitung und ihrer Verantwortung nimmt. Der Priester, Theologe und Kirchenrechtler aus München wird in seiner Petition von weiteren Persönlichkeiten aus der kirchlichen Reformbewegung unterstützt. Bis heute Morgen haben bereits rund 49.000 Menschen die Petition an den Pontifex unterzeichnet. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Wegen Hänseleien jetzt Hip-Hop

Lehrerin setzt sich für Schüler ein

Ein achtjähriger Junge verlässt in Italien seine Ballett- und Modern Dance-Kurse. Er wurde von Gleichaltrigen verspottet, weil er tanzt.
Landesweite Debatte in den USA

Donald Trump ordnete Entfernung an

Die Forderung nach der Rückkehr der Pride-Flagge am Stonewall-Denkmal entfacht eine US-Debatte über Sichtbarkeit und politische Einflussnahme.
Budapester Bürgermeister

Zeichen gegen queerfeindliche Politik

Der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat den Budapester Amtskollegen Gergely Karácsony zum diesjährigen Christopher Street Day in Berlin eingeladen.
Hasskriminalität gegen LGBTIQ+

Stagnation 2025 auf hohem Niveau

Nach den vorläufigen Zahlen kam es 2025 zu über 2.000 Angriffen auf LGBTIQ+-Menschen, die Dunkelziffer dürfte um 90 Prozent höher liegen.
Erfolge bei Olympia

Gute Woche für LGBTIQ+-Athleten

Die erste Woche bei den Olympischen Winterspielen war für LGBTIQ+-Athleten sehr erfolgreich, bisher gab es fünf Medaillen, darunter vier Mal Gold.
Starker Anstieg von Homophobie

Viel Hass britischer Fußballfans

In Großbritannien haben die homophoben Übergriffe im Umfeld des Fußballs zuletzt massiv zugenommen, eine neue Kampagne soll jetzt Abhilfe schaffen.
Trauriges Jubiläum in Kamerun

10 Jahre homophobes Hass-Gesetz

Der verschärfte Strafartikel Artikel 347-1 schafft in Kamerun seit nunmehr zehn Jahren ein Klima der Angst vor Gewalt unter Schwulen und Lesben.
Überraschung bei Disney

Erster Film mit trans* Charakter

Der Disney Konzern hat seinen ersten Film mit einem trans* Charakter angekündigt und vollzieht damit eine Kehrtwende zu jüngsten Entwicklungen.