Direkt zum Inhalt

Jugendschutz online Oftmals im Zentrum der Angriffe: LGBTI*-Jugendliche

Von ms - 28.08.2024 - 15:50 Uhr
Jugendschutz online
Foto: iStock / Jatuporn Tansirimas
ANZEIGE
Loading audio player...

Das Gefährdungspotenzial für Kinder und Jugendliche im Netz nimmt zu. Dabei macht aktuell der Einsatz von künstlicher Intelligenz immer schwerer, Realität von Fälschung zu unterscheiden und verstärkt so auch die Risiken wie sexualisierte Gewalt, Mobbing und Extremismus. Dies ist der zentrale Befund des Jahresberichts von jugendschutz.net, dem gemeinsamen Projekt von Bund und Ländern für den Jugendschutz im Internet, gegründet 1997. 

Besonders betroffen: LGBTI*-Menschen

Mit stetig steigenden Fallzahlen sind dabei vor allem LGBTI*-Menschen betroffen – erst vor kurzem zeigten Studienergebnisse auf, dass mehr als die Hälfte der Internetnutzer in Deutschland bereits digitale Angriffe von Homosexuellen erlebt hat. Jeder dritte junge LGBTI*-Mensch ist direkt davon betroffen, weitere 63 Prozent erleben digitale Gewalt indirekt. 

Die neusten Daten von jugendschutz.net sprechen dabei ebenso eine deutliche Sprache: 2023 bearbeitete der Verband fast 7.700 Verstoßfälle, davon sind zwei Drittel sexualisierte Gewalt. Bei zwölf Prozent handelt es sich direkt um Sex sowie Pornografie, bei elf Prozent um politischen Extremismus. Fünf Prozent gingen auf selbstgefährdende Inhalte zurück und zwei Prozent auf Cybermobbing.

Selbstkontrolle und Strafverfahren

Insgesamt 3.210 Verstöße meldete jugendschutz.net an Anbieter und Selbstkontrolleinrichtungen mit dem Ziel der schnellen Abhilfe. 3.582 Fälle sendete jugendschutz.net an die Strafverfolgungsbehörden weiter, da kinder- und jugendpornografische Inhalte verbreitet wurden oder Gefahr für Leib und Leben bestand. Am Jahresende waren bei 6.902 Fällen, als etwa 90 Prozent, die Verstöße beseitigt.

 Stefan Glaser, Leiter von jugendschutz.net, betont dabei: „Online-Trends werden schnelllebiger und riskanter, Deepfakes sind inzwischen täuschend echt und einfach zu erstellen. Die Hemmschwellen für Übergriffe im digitalen Raum sinken (…) Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern werden ohne Skrupel verbreitet. Und wir nehmen vermehrt Beiträge in Social Media wahr, die junge Menschen zu gesundheitsgefährdendem Verhalten anstiften. Bei all dem kommen auch KI-generierte Inhalte zum Einsatz. Gleichzeitig muss leider konstatiert werden: Betreiber von Angeboten tun zu wenig, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Sie reagieren unzureichend, wenn ihnen Verstöße gemeldet werden.“ 

Schwachstelle Alterskontrollen

Dazu komme, dass Altersangaben nicht angemessen kontrolliert werden, sodass viele Sicherheitsvorkehrungen kaum Wirkung zeigen würden. Das sieht auch Dr. Marc Jan Eumann, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), ähnlich: „Eins ist klar: Altersprüfung ist der Schlüssel zum sicheren Surfen für Kinder und Jugendliche. Die Technologie ist vorhanden, nun sind die Plattformen gefordert, Verantwortung zu übernehmen.“

Bundesjugendministerin Lisa Paus resümierte dabei schlussendlich: „Der Jahresbericht von jugendschutz.net zeigt, dass Kinder und Jugendliche im Netz immer mehr mit Hass, Hetze und Desinformation konfrontiert sind. Dazu kommt eine Debattenkultur, die nicht durchgehend sozialen Regeln folgt. Junge Menschen haben jedoch ein Recht auf sichere und unbeschwerte Teilhabe an der digitalen Welt! Davon sind wir noch weit entfernt. Hier sind besonders die Plattform-Anbieter in der Pflicht.“ Paus setzt dabei vor allem auf den Digital Services Act, der europaweit online vor Diskriminierung und Hetze schützen soll.  

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtndIslamismus und Rechtsextremismus | Incels mit und ohne GottSüddeutsche ZeitungInterview: „Wer keinen Ärger kriegt, hat auch keinen Ärger gemacht“Frankfurter Allgemeine ZeitungPressefreiheit: Nachrichtenseite „T24“ in der Türkei wegen „LGBT-Propaganda“ gesperrtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

LGBTIQ+-Krisenhilfe ist zurück

Hilfe für queere US-Jugendliche

Nach mehr als einem Jahr Unterbrechung gibt es über die US-Krisenhotline 988 wieder spezielle Hilfe für junge LGBTIQ+-Menschen.
Klage gegen US-Regierung

Familie von Renee Good vor Gericht

Nach den tödlichen ICE-Schüssen auf die lesbische US-Bürgerin Renee Good fordert ihre Familie jetzt Schadenersatz von Regierung und Verantwortlichen.
Kevin Williams ist tot

Abschied von frühen Adultstar

Kevin Williams, einer der bekanntesten schwulen Pornodarsteller der 1980er- und 1990er-Jahre, ist Ende September mit 60 Jahren gestorben.
Dame Esther Rantzen ist tot

Viele Jahre Einsatz für LGBTIQ+

Dame Esther Rantzen ist mit 86 Jahren gestorben. Die britische Moderatorin und Aktivistin setzte sich über Jahrzehnte für LGBTIQ+-Menschen ein.
Cooper Kim holt Gold

Gold beim internationalen Debüt

Der schwule Turner Cooper Kim gewinnt bei seinem internationalen Debüt Gold am Reck – und setzt damit sein erfolgreiches Jahr nach dem Coming-Out fort.
Frankreich spricht über Gewalt

Männer brechen ihr Schweigen

In Frankreich rückt sexuelle Gewalt gegen Männer stärker in den Fokus – besonders schwule und bisexuelle Männer sind betroffen.
Zweites Coming-Out In Japan

Volleyball-Profi Reon Arao ist out

Japans Volleyball-Profi Reon Arao spricht öffentlich über Identität, Geschlechterrollen und die schwierige Entscheidung zum Coming-Out.
Streitfall trans* Athletinnen

Klage gegen Sportverein gescheitert

Streitfall trans* Athletinnen: Eine Klage gegen den Sportbund NCAA wurde abgewiesen, ohne Klärung des Klagegrundes. Klägerin Gaines geht in Berufung.
Doppelmord in Arizona

Polizei nennt neue Details

Nach zwei Morden vor einer schwulen Bar in Tucson Arizona haben Ermittler jetzt Hinweise auf ein mögliches schwulenfeindliches Motiv gefunden.