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Hass-Welle in Marokko Tanger empfängt schwule Touristen, online macht sich Hetze breit

Von ms - 14.08.2026 - 11:30 Uhr
Hass-Welle wegen Gay-Kreuzfahrt
Foto: IMAGO / SOPA Images
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Erneut gibt es Ärger mit einer schwulen Kreuzfahrt im Mittelmeer. Die Celebrity Equinox hat in diesen Tagen im marokkanischen Tanger Station gemacht. Glücklicherweise kam es weder vorab noch während dem Landgang der schwulen Passagiere zu bekannten Zwischenfälle, online allerdings sorgte der Besuch der schwulen Schiffsgäste für eine Welle an homophoben Hass-Kommentaren. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Celebrity Equinox hatte vor einigen Tagen mit Hunderten Passagieren im Rahmen einer Gay-Kreuzfahrt in Tanger angelegt.
  • Die schwulen Schiffsgäste konnten die Stadt ohne bekannte Zwischenfälle besichtigen.
  • In marokkanischen sozialen Netzwerken gab es allerdings heftige Kritik und homophobe Hetze.
  • Homosexualität ist in Marokko weiterhin strafbar, Einheimische forderten die Inhaftierung der Gäste.
  • Der Fall unterscheidet sich von Zwischenfällen in der Türkei und Ägypten, die eine andere Gay-Kreuzfahrt gar nicht erst anlegen ließen.

Friedlicher Landgang 

Die Kreuzfahrt startete letzte Woche in Barcelona und soll jetzt am Samstag enden. Auf der Route standen mehrere Ziele im Mittelmeer. Zum Programm gehören nebst Veranstaltungen und Shows auch das Finale des Wettbewerbs „Mr. Gay Europe“ sowie ein Gedenkkonzert für die britische Künstlerin Bonnie Tyler. Während des Aufenthalts in Tanger konnten die Passagiere nun die Stadt besichtigen. Sie konnten frei die Medina, die Kasbah, den Grand Socco und die traditionellen Märkte besuchen sowie in Restaurants und Cafés einkehren. Am Hafen selbst blieb der Aufenthalt nach den vorliegenden Informationen ruhig. Es gab demnach weder Proteste noch Auseinandersetzungen mit den schwulen Touristen. Inzwischen hat das Schiff den Hafen wieder verlassen. 

Hass-Welle bricht über Schiff hinweg

Das marokkanische Medium Raialyoum berichtete: „Bis zur Abfahrt des Schiffes hatten die örtlichen Behörden von Tanger keine offizielle Erklärung zu diesem Aufenthalt abgegeben. Nach den verfügbaren Informationen fand der Besuch auf marokkanischer Seite in einer Atmosphäre von Zurückhaltung und Beklommenheit statt, was bei den Organisatoren der Reise eine gewisse Besorgnis auslöste und jegliche festliche Veranstaltung verhinderte.“ Gleichzeitig wurde der Aufenthalt in den marokkanischen sozialen Netzwerken kontrovers diskutiert. Die Ankunft des Schiffes löste dort eine Welle der Hass-Kritik aus. Arabischsprachige Medien griffen Beiträge auf und berichteten, wie Hunderte Homosexuelle durch die Altstadt unterwegs gewesen seien. 

Forderung nach Inhaftierungen 

Die Diskussion nahm dabei immer schärfere Züge an. Zahlreiche Einheimische fragten online, warum Artikel 489 des marokkanischen Strafgesetzbuches nicht angewandt werde. Das Gesetz stellt homosexuelle Handlungen in Marokko unter Strafe, es sind bis zu drei Jahre Haft möglich, auch für Touristen. Auch die allgemeine gesellschaftliche Lage gegenüber Schwulen und Lesben radikalisiert sich seit Jahren immer weiter. International Schlagzeilen machte auch der Fall Ibtissame Lachgar – die marokkanische Aktivistin wurde wegen eines T-Shirts mit der Aufschrift „Allah ist eine Lesbe“ zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Amnesty International warnt aktuell vor willkürlichen Festnahmen, Schikanen und Strafverfahren, Human Rights Watch fordert seit Jahren erfolglos die Abschaffung des Artikels 489. In der Debatte wurde das Land zudem mit Ägypten und der Türkei verglichen. Beide Staaten hatten in den vergangenen Monaten ähnliche Gay-Kreuzfahrten gar nicht erst in ihre Häfen einlaufen lassen. Ein Kommentator betonte online, die schwulen Männer könnten von Glück reden, dass niemand von ihnen inhaftiert worden sei. Die Reaktionen auf die Gay-Kreuzfahrt waren allerdings nicht ausschließlich ablehnend. Einige marokkanische Medien berichteten auch über Toleranz und Offenheit gegenüber den touristischen Chancen, die mit den Besuchern nach Tanger gekommen seien.

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