Bonnie Tyler ist tot Abschied von einer Rock-Ikone und LGBTIQ+-Heldin
Es war eine Zeit, in der harte Persönlichkeiten wie Ronald Reagan, Margaret Thatcher und der Marlboro-Mann den öffentlichen Ton bestimmten, Homosexuelle erlebten vielerorts noch Unterdrückung und Diskriminierung und Aids betrat die Weltbühne. Gleichzeitig eroberten Musikvideos mit wehenden weißen Tauben, brennenden Kerzen und dichtem Trockeneisnebel die Bildschirme. Ein Werk, das diese Ära besonders verkörperte, war „Total Eclipse of the Heart“ von Bonnie Tyler – eine Hymne, gerade auch für die schwule Community. Nun ist Tyler im Alter von 75 Jahren verstorben.
Das Wichtigste im Überblick
- Die britische Sängerin Bonnie Tyler ist im Alter von 75 Jahren gestorben.
- Mit „Total Eclipse of the Heart“ und „It’s a Heartache“ wurde sie weltweit bekannt.
- Ihre raue, unverwechselbare Stimme machte sie zu einer der prägendsten Poprock-Sängerinnen der 1980er-Jahre.
- Tyler hatte über Jahrzehnte eine enge Verbindung zur queeren Community und galt besonders bei vielen schwulen Männern als Kultfigur.
- Die Sängerin setzte sich wiederholt für Gleichberechtigung, Akzeptanz und die Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Menschen ein.
Jahrzehntelange Karriere
Die Sängerin, die am 8. Juni 1951 als Gaynor Hopkins in Wales geboren wurde, war eines von sechs Kindern eines walisischen Bergmanns. Ihren ersten internationalen Erfolg feierte sie 1978 mit „It’s a Heartache“. Anfang der 1980er-Jahre drängte sie ihre neue Plattenfirma CBS Records dazu, Kontakt zu Jim Steinman aufzunehmen, dem Produzenten und Songwriter hinter den Erfolgen von Meat Loaf. Die Zusammenarbeit zwischen dem US-Amerikaner und der Waliserin entwickelte sich zu einem künstlerischen Erfolg. Steinman schrieb „Total Eclipse of the Heart“ gezielt für Tylers markante, raue Stimme. Die Bombastrock-Nummer erreichte 1983 sowohl in den USA als auch in Großbritannien Platz eins der Charts. Bereits ein Jahr später folgte mit „Holding Out for a Hero“ ein weiterer international erfolgreicher Titel. Der von Steinman produzierte Song erschien auf dem Soundtrack des Tanzfilms „Footloose“.
Zwischen Kultstatus und Klischees
Zu ihrem Image als vermeintliches „Hausfrauenidol“ sagte Tyler: „Nichts gegen Hausfrauen, ja? Ist das klar? Die wollen gute Musik hören, wenn sie arbeiten. Und ich fühle mich geehrt, wenn sie mir dabei zuhören.“ Zu ihrer rauchig-heiseren Stimme schrieb die Frankfurter Rundschau einst, Tyler sei die „Janis Joplin der Waschmittelreklame“. Die markante „husky voice“ der Sängerin war allerdings nicht durch Rauchen oder besondere Lebensumstände entstanden. Ursache war eine Stimmbandoperation in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre. Tyler hatte sich nach dem Eingriff nicht an die ärztliche Anweisung gehalten, für eine bestimmte Zeit nicht zu sprechen. Die daraus entstandenen Veränderungen prägten ihren späteren Gesangsstil.
Nicht jede Entscheidung ihrer Karriere erwies sich als Erfolg. 1983 wurde Tyler angeboten, den Titelsong für den James-Bond-Film „Never Say Never Again“ einzusingen. Sie lehnte jedoch ab, weil sie die Nummer nicht überzeugend fand. Die Aufnahme von Lani Hall blieb später nur begrenzt erfolgreich. 1988 veröffentlichte Tyler den Song „The Best“, der in ihrer Version nur wenig Aufmerksamkeit erhielt. Ein Jahr später wurde das Lied durch Tina Turner weltweit bekannt.
Eine Karriere auf der Bühne
In der ersten Hälfte der 1990er-Jahre arbeitete Tyler mit Dieter Bohlen zusammen und veröffentlichte drei Alben, die zumindest beachtliche Verkaufserfolge erzielten. 2013 trat sie für Großbritannien beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Mit „Believe in Me“ erreichte sie den 19. Platz. Trotz zahlreicher Veröffentlichungen blieb Tyler im Kern eine Live-Künstlerin. Bei ihren Auftritten zeigte sie stets Freude an der Bühne und begeisterte ihr Publikum.
Immer wieder präsentierte sie bei Auftritten auch gerne ihren Ehemann Robert Sullivan, mit dem sie seit 1973 verheiratet war. Mit Sullivan lebte Tyler unter anderem in Portugal in einem Haus mit Meerblick und Swimmingpool. Während der Corona-Lockdowns lernte sie dort schließlich schwimmen. Anfang Mai 2026 musste Tyler in Portugal nach einer Notoperation am Darm in ein künstliches Koma versetzt werden, erwachte aber kurz darauf wieder – Fans hofften auf ein vollständiges Comeback, auch erste Tourpläne für den Herbst standen bereits im Raum.
Verbindung zur Community
Bonnie Tyler entwickelte über Jahrzehnte eine besondere Bedeutung für viele Menschen in der LGBTIQ+-Community, insbesondere für viele schwule Männer. Ihre dramatischen Balladen, ihre kraftvolle Bühnenpräsenz und ihr bewusst unangepasstes Image machten sie zu einer Kultfigur der Popkultur. Wie zahlreiche Künstlerinnen und Künstler ihrer Generation wurde Tyler von schwulen Fans besonders für ihre emotionalen Auftritte, ihre starke Stimme und ihre Botschaften über Liebe, Sehnsucht und Selbstbehauptung geschätzt. Ihre Musik wurde in vielen Gay-Clubs gespielt und war Teil der Popkultur, mit der sich viele LGBTIQ+-Menschen identifizierten.
Tyler zeigte sich über viele Jahre auch solidarisch mit der Community und trat wiederholt bei Veranstaltungen mit LGBTIQ+-Bezug auf. Sie unterstützte die Sichtbarkeit queerer Menschen und setzte sich öffentlich für Akzeptanz und Gleichberechtigung ein. Besonders ihre Haltung gegen Ausgrenzung und ihre Wertschätzung für ihre vielfältige Fangemeinde wurden von vielen queeren Menschen positiv aufgenommen.