Direkt zum Inhalt

Gay Cruise erneut abgewiesen Nach der Türkei verweigert auch Ägypten die Einreise

Von ms - 10.07.2026 - 07:30 Uhr
Gay Cruise erneut abgewiesen
Foto: IMAGO / SOPA Images
ANZEIGE
Loading audio player...

Nach der Türkei hat nun offenbar auch Ägypten einer US-amerikanischen Gay-Kreuzfahrt die Einfahrt verweigert haben. Bereits in der vergangenen Woche hatten türkische Behörden der Scarlet Lady von Virgin Voyages die planmäßigen Hafenanläufe in Kuşadası und Istanbul untersagt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Eine Gay Cruise mit Tausenden Passagieren durfte bereits in der Türkei nicht anlegen.
  • Berichten zufolge verweigerte nun auch Ägypten dem Schiff die Einfahrt.
  • Die Organisatoren sehen darin einen beispiellosen Vorgang.
  • Das US-Außenministerium und die ägyptischen Behörden äußerten sich bisher nicht.
  • Reiseveranstalter sprechen von einer besorgniserregenden Entwicklung für LGBTIQ+-Reisende.

Nach Türkei Einreiseverbot in Ägypten

Das Schiff war von Atlantis Events für eine zehntägige Mittelmeerreise mit Tausenden schwulen Männern von Athen nach Italien gechartert worden. Nach Angaben des Veranstalters begründeten die türkischen Behörden die Entscheidung mit „moralischen Standards“. Jetzt erhielten die Passagiere über die Bord-App die Mitteilung, dass der Scarlet Lady nun auch „die Einfahrt in ägyptische Gewässer“ verweigert worden sei. Der geplante Halt in Alexandria falle deshalb aus.

„Wir sind unglaublich enttäuscht, mitteilen zu müssen, dass der Scarlet Lady soeben die Einfahrt in ägyptische Gewässer verweigert wurde und sie Alexandria daher nicht anlaufen kann“, hieß es laut dem schiffseigenen Newsportal VV Insider in der Nachricht an die Passagiere. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, einen alternativen Hafen zu finden. Rich Campbell, der CEO von Atlantis Events, und Kapitän Bram werden im Laufe des Vormittags weitere Informationen bekannt geben. Wir wollten Sie jedoch informieren, sobald wir diese bedauerliche Nachricht erhalten haben.“ Atlantis Events bestätigte den Bericht zunächst nicht. Auch das US-Außenministerium gab dazu bisher keine Erklärung ab, kündigte aber eine Antwort an. Die zuletzt veröffentlichte Reiseroute von Atlantis Events führte Alexandria weiterhin als geplanten Zwischenstopp, bevor das Schiff Kurs auf Kreta nehmen sollte.

Türkei verweist auf „moralische Werte“

Die Behörden der türkischen Provinz Aydın, zu der Kuşadası gehört, begründeten die Absage laut Washington Post damit, dass die Reisegruppe nicht mit „der Struktur unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten“ vereinbar sei. Rich Campbell, Präsident und CEO von Atlantis Events, sagte gegenüber CNN, es sei das erste Mal in der 36-jährigen Geschichte des Unternehmens, dass einem Schiff wegen der Identität seiner Gäste der Zugang zu einem Hafen verweigert worden sei. Er betonte, bei der Reise handle es sich nicht um eine politische Veranstaltung, sondern um eine touristische Kreuzfahrt.

Auch der LGBTIQ+-Reiseanbieter VACAYA sprach von einem außergewöhnlichen Vorgang. Ein Unternehmenssprecher erklärte, VACAYA sei „noch nie von einem Hafen abgewiesen worden“ und habe sowohl die Türkei als auch Ägypten bereits erfolgreich angelaufen. Randle Roper, Mitgründer und Chief Experience Officer von VACAYA, erklärte: „Diese beiden Reiseziele haben schwule Reisende aus aller Welt jahrzehntelang willkommen geheißen. Deshalb sind diese unsinnigen Ablehnungen umso unverständlicher. Wir glauben, dass dies Teil einer weltweiten Entwicklung gegen unsere Community ist, die unter anderem durch den Wandel in Rhetorik und Politik unter der aktuellen US-Regierung begünstigt wurde.“

Broadway-Star reagiert empört

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Reise, weil Broadway-Legende Patti LuPone zu den angekündigten Künstlerinnen an Bord gehört. Sie schrieb auf Instagram, sie sei „wütend“, nachdem sie erfahren habe, dass der Türkei dem Schiff wegen seiner Passagiere das Anlegen verweigert habe.

Das US-Außenministerium weist LGBTIQ+-Reisende grundsätzlich darauf hin, dass Gesetze und gesellschaftliche Einstellungen im Ausland ihre Sicherheit und Reisefreiheit beeinträchtigen können. Reisende könnten aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen sexuellen Orientierung auf Schwierigkeiten stoßen. In einigen Ländern seien öffentliche Veranstaltungen zur Unterstützung homosexueller Menschen verboten oder entsprechende Darstellungen eingeschränkt.

Die Entscheidung der Türkei fällt in eine Zeit zunehmender staatlicher Einschränkungen für LGBTIQ+-Menschen unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Die Istanbul Pride ist seit Jahren verboten, Teilnehmer an nicht genehmigten Märschen wurden wiederholt festgenommen. Homosexualität ist in der Türkei zwar legal, LGBTIQ+-Menschen und entsprechende Veranstaltungen sehen sich jedoch wachsender staatlicher Ablehnung ausgesetzt. In Ägypten ist Homosexualität zwar ebenfalls nicht ausdrücklich strafbar. Nach Angaben von Human Rights Watch nutzen die Behörden jedoch Gesetze zu Moral, „Ausschweifung“ und öffentlicher Ordnung, um vor allem schwule Männer festzunehmen und strafrechtlich zu verfolgen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Justin Lui zieht Bilanz

Schwuler Olympionike hört auf

Der offen schwule Volleyball-Olympionike Justin Lui beendet seine Nationalmannschaftskarriere und blickt stolz auf sein Coming-Out zurück.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.