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Gewinnt der Hass? Kein Einsatz für LGBTI*-freundliche Moschee seitens Grüne und SPD?

Von ms - 25.10.2023 - 11:00 Uhr
Gewinnt der Hass?
Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler
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Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass Islamisten einen Terroranschlag auf die liberale schwulenfreundliche Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin geplant hatten und sich seitdem die Angriffe immer weiter radikalisiert haben. Die Mitglieder der Terrorzelle konnten im Juli dieses Jahres von der Polizei verhaftet werden. Nun steht offen die Frage im Raum, ob die aktuell geschlossene Einrichtung jemals wieder öffnen wird. Gründerin Seyran Ateş erklärte gegenüber t-online, sie sei mit ihren Kräften am Ende.

Drohungen von jungen Muslimen

Wie lange die Moschee noch bestehen wird, ist derzeit offen, bis Ende nächsten Jahres aber auf alle Fälle, so Ateş weiter. Erst im Sommer dieses Jahres machte die Einrichtung Schlagzeilen, als sie zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, zum CSD in der Stadt die Regenbogenflagge hisste. Aktuell ist die Moschee auch deswegen geschlossen, um die Mitarbeiter der Gemeinde zu schützen, die nicht wie Ateş selbst unter permanentem Personenschutz stehen. Gerade in der aktuellen Lage ist die Moschee auch deswegen das Ziel von Anfeindungen seitens Muslimen, weil sich die Einrichtung solidarisch mit Israel erklärt hat.

Ateş erklärt dazu gegenüber t-online: „Wir sind mit unserer Kraft in diesem Moment am Ende. Dieses Land hat versprochen, das Existenzrecht Israels und das jüdische Leben in Deutschland zu schützen. Trotzdem fühlen sich Juden hier nicht sicher, weil junge Muslime in einen regelrechten Blutrausch verfallen. Das macht mich sehr betroffen. Die gleichen Menschen bedrohen auch mich und unsere Gemeinde.“

Einsatz für Homosexuelle radikalisiert Gegner

Im weiteren Verlauf betont die Menschenrechtsaktivistin und Anwältin auch, wie wichtig eine solche liberale Moschee nach wie vor sei, man dürfe konservativen Verbänden nicht die Deutungshoheit über den Islam in Deutschland überlassen. Seit der Gründung 2017 sieht sich die Einrichtung dabei immer wieder massiven Angriffen ausgesetzt, unter anderem auch, weil sich das Team mehrfach für die Rechte von Homosexuellen ausgesprochen hat. „Mit Beleidigungen und Drohungen hatte ich in all den Jahren gelernt umzugehen, weil ich beschützt wurde. Mit der Moschee hat all das aber eine neue Dimension erreicht. Besonders schlimm wurde es, als wir als erste Moschee weltweit die Regenbogenfahne gehisst haben und eine Anlaufstelle für queere Muslime eingerichtet haben.“

Dabei erklärt Ateş weiter: „Ich hatte diese naive Vorstellung, dass Leute sich mit uns verbünden würden, die sich als Vermittler begreifen. Stattdessen zeigten sogenannte friedliche Konservative und Liberale mit dem Finger auf uns und markierten uns damit als Ziel für Gewalttäter.“ Konkret benennt die Anwältin dabei muslimische Politiker, den Liberal-Islamischen Bund oder auch die Deutsche Islam Akademie in Berlin.

Keine Unterstützung von Grüne und SPD

Tatkräftige Unterstützung seitens der Berliner Politik erfährt die Moschee dabei erst, seitdem Berlin von CDU-Bürgermeister Kai Wegner regiert wird: „Ich hätte nie gedacht, dass im liberalen und linken Berlin erst eine konservative Regierung kommen musste, damit eine liberale Moschee Anerkennung in der Landesregierung erfährt.“

Mit Blick auf die rot-grün-rote Vorgängerregierung sagt Ateş weiter: „Es ist unfassbar, wie aus der Politik gegen uns Stimmung gemacht wurde. Ich denke da an den SPD-Vorsitzenden Raed Saleh und an Sawsan Chebli. Auch die damalige Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat uns fallen lassen. Die Grünen-Abgeordnete Bettina Jarasch verbreitete, ich würde mit Rechten kooperieren, weil ich einen Vortrag bei der FPÖ-Akademie gehalten habe. Ich habe mein ganzes Leben lang versucht, mit Leuten anderer Ansichten in den Dialog zu treten. Ich habe mit erzkonservativen Muslimen gesprochen: mit Milli Görus, mit der Ditib, mit den Grauen Wölfen und vielen anderen. Kritisiert wurde nur mein Vortrag bei der FPÖ. Politiker sprachen uns ab, dass es uns um die Sache ging. Wir seien eine ´Provokation´ für Muslime. ´Islamhasser´ wurden wir genannt.“

Moschee ist Anlaufstelle für LGBTI*-Muslime

Abschließend betont Ateş dabei weiter, dass der Einsatz sich gerade mit Blick auf die LGBTI*-Community trotzdem gelohnt habe: „Viele haben sich zum Beispiel bei der Anlaufstelle für LGBTIQ+-Muslime gemeldet und waren dankbar, dass wir da sind. Unsere ´Liebe ist halal´-Kampagne hat Menschen Mut gemacht. Junge Menschen haben kurz vorm Suizid gestanden, weil sie muslimisch und schwul sind oder weil sie die Liebe ihres Lebens nicht heiraten konnten wegen unterschiedlicher Konfessionen. Es hat sich also aus unserer Sicht gelohnt, ein gewisses Risiko einzugehen.“

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