Freilassung in Kamerun Druck von queerem Verein rettete vier Schwulen das Leben
Besondere Rettung zum Jahresende: Seit Anfang 2025 saßen vier junge Männer im Alter zwischen 23 und 25 Jahren in Kamerun unter menschenunwürdigen Bedingungen in Haft. Ein Imam hatte ihnen vorgeworfen, sie hätten sich einen „Film mit schwulen Inhalten“ angesehen. Das reichte als Begründung für eine Festnahme ohne weitere Beweise aus. Seitdem saßen die vier Afrikaner im Gefängnis und waren dort vorerst ohne Rechtsbeistand Folter und Gewalt durch Mitinsassen und Wärter ausgesetzt. Auf internationalen Druck hin wurden die Männer jetzt freigelassen.
Tief verwurzelte Homophobie
Maßgeblich an der Rettungsaktion beteiligt war die queere Initiative „Project Not Alone“, die zur willkürlichen Inhaftierung der vier Männer betonte: „Ihr Fall steht symbolisch für die tief verwurzelte Homophobie und die systematischen Diskriminierungen, denen homosexuelle Personen in vielen afrikanischen Ländern ausgesetzt sind. Obwohl Kameruns Anti-Homosexuellen-Gesetz offiziell nur gleichgeschlechtlichen Sex unter Strafe stellt, werden solche Verdächtigungen häufig zur Grundlage für Verhaftungen, Verurteilungen und Misshandlungen, ohne dass es zu einem fairen Prozess kommt.“ Homosexuelle Handlungen werden Artikel 347 des Strafgesetzbuches mit fünf Jahren Haft geahndet.
Nachdem der Imam die ersten Anschuldigungen Anfang Januar gegenüber den Behörden geäußert hatte, meldeten sich auf Druck des Geistlichen weitere Moscheebesucher, die sich als Zeugen bereitstellten – ohne die vier Männer namens Sabir (24), Dom (23), Yabby (25) und Sol (23) überhaupt zu kennen. Die Polizei brachte alle vier in das Maroua Zentralgefängnis. Sie verbrachten die Monate ihrer Haft unter extrem schwierigen Bedingungen, ihr Leben im Gefängnis war von Angst, Isolation und Mangel geprägt – sie lebten dabei in ständiger Furcht vor weiterer Gewalt und Stigmatisierung. Ihre Familien, die aufgrund religiöser und sozialer Ausgrenzung Gefahr liefen, ebenfalls gesellschaftlich geächtet zu werden, hielten sich von ihnen fern.
Sabir, der während seiner Haftzeit besonders mit Scham und Demütigung kämpfte, sagte später: „Wir wurden wie Tiere eingesperrt. Ich konnte gar nicht verstehen, warum wir wie Verbrecher behandelt wurden.“ Dom, der sich als einstmals besonders gesellig beschreibt, versuchte trotz der hygienischen Missstände und der ständigen Beschimpfungen die Stimmung in der Gruppe zu heben, während Yabby oft als Mediator fungierte, um die Gruppe zusammenzuhalten. Musikliebhaber Sol verlor durch die Haftzeit fast seine Begeisterung für das Leben.
Rettung nach fast einem Jahr
Das spendenfinanzierte Project Not Alone stellte den Inhaftierten schlussendlich einen Anwalt zur Verfügung, nach monatelangen Bemühungen konnte dieser schlussendlich die Freilassung der jungen Männer erreichen. „Ihre Freilassung markiert einen bedeutenden Schritt im Kampf gegen die Kriminalisierung von Homosexualität und ist ein Zeichen des Widerstands gegen die kulturelle und gesellschaftliche Unterdrückung von LGBTIQ+-Personen in Kamerun“ so Anwalt Roger Galima. Und Sabir erklärte: „Ohne Project Not Alone wären wir immer noch dort. Sie haben uns nicht wie Menschen behandelt, sondern wie Monster! Wir dachten, niemand würde kommen, aber sie kamen. Sie hörten uns zu und befreiten uns.“
Mit Beratung und Hilfe der Organisation fernab ihrer bisherigen Heimat Maroua bauen sich die vier Männer jetzt ein neues Leben auf. Sabir hat eine Ausbildung in Computer-Grafik begonnen, Dom arbeitet als Mechaniker, Sol will als Tänzer erfolgreich werden und Yabby lässt sich als Mediator ausbilden, um anderen beizustehen: „Wenn ich anderen helfen kann, nicht das durchzumachen, was wir durchgemacht haben, dann will ich das tun.“ Die Hetzjagden und willkürlichen Verhaftungen von vornehmlich schwulen Männern gehen indes ungebremst weiter im zentralafrikanischen Land.