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Einsatz für die queere Community

Einsatz für die Community Zusammenhalt und mehr Sichtbarkeit für Hamburg wünscht sich SPD-Mann Kuchinke

ms - 14.02.2025 - 13:00 Uhr
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Simon Kuchinke ist seit fünf Jahren SPD-Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft – im März stellt er sich nun erneut zur Wahl. Vor seinem Einstieg in die Politik arbeitete er als Kellner – das hilft ihm bis heute, wenn er sich als schwuler Mann für die Belange der LGBTI*-Community in der Hansestadt einsetzt. 

Moin Simon! Was hat sich deiner Meinung nach in den letzten Jahren unter Rot-Grün für LGBTI*-Menschen verbessert?

Moin! Die letzten fünf Jahre waren für Hamburg und insbesondere für die LGBTI*-Community eine bewegte Zeit. Wir alle merken, dass die Zeiten stürmischer geworden sind. Es ist wichtiger denn je, sich einzumischen und stark zu machen. Und das machen wir! Wir haben es geschafft, queere Themen in die Mitte der Gesellschaft zu bringen – sei es durch Veranstaltungen, politische Maßnahmen oder einfach die Tatsache, dass queere Menschen sichtbarer geworden sind. Unsere größten Erfolge sind die Abschaffung des Blutspendeverbots und das neue Selbstbestimmungsgesetz. Beides ausgehend von einer Bundesratsinitiative aus der Hamburgischen Bürgerschaft. Aber wir sind noch längst nicht fertig. Hamburg hat noch so viel Potenzial, eine Stadt zu sein, die anderen zeigt, wie Vielfalt wirklich geht. 

Du betonst online, Du bist „100 Prozent schwul“ und willst dich für die ganze queere Community einsetzen. Du forderst mehr Sichtbarkeit für LGBTI*. Wie kann das gelingen?

Alle Personen aus unserer Community haben auf ihre eigene Weise Diskriminierung, Ablehnung und Hass erfahren – und genau das verbindet uns. Statt die Unterschiede zwischen uns zu betonen, möchte ich unsere Vielfalt als Stärke hervorheben. Es geht darum, zusammenzustehen und gemeinsam für die Rechte, Akzeptanz und Sichtbarkeit aller einzutreten. Dafür müssen wir gemeinsame Plattformen stärken – mit mehr Events, digitalen Angeboten und Netzwerktreffen, um die Community besser zu vernetzen. Queere Themen gehören das ganze Jahr über in Schulen, Medien und Arbeitswelt, und wichtige Projekte der Community müssen langfristig gefördert und gesichert werden.

Stichwort Hasskriminalität: Die Hansestadt hat zuletzt einen Anstieg um 75 Prozent binnen eines Jahres verzeichnet. Was lässt sich tun, damit die Sicherheit für queere Menschen wieder zunimmt?

Die Zahlen sind wirklich alarmierend – und die Dunkelziffer liegt vermutlich noch deutlich höher. Hasskriminalität gegen queere Menschen ist nicht nur ein Angriff auf Individuen, sondern auf die Grundwerte unserer Gesellschaft. Deswegen habe ich in den letzten Jahren eng mit der Hamburger Polizei und den Sicherheitsbehörden zusammengearbeitet. Die aktuelle Kampagne der Polizei Hamburg gegen Hasskriminalität zeigt: Wir nehmen das Problem ernst und gehen aktiv dagegen vor. Konkret müssen wir jetzt dafür sorgen, dass die Polizei weiterhin gezielt geschult wird, um Hasskriminalität frühzeitig zu erkennen und effektiv zu verfolgen. Die Meldemöglichkeiten müssen niedrigschwelliger werden, damit sich Betroffene sicher fühlen, Straftaten anzuzeigen. Außerdem muss der Opferschutz ausgebaut werden.

Im letzten Jahr machten mehrere Islamisten-Demos in Hamburg Schlagzeilen, bei denen tausende Teilnehmer die Einführung eines Kalifats forderten. Das sorgte für große Besorgnis gerade auch in der Community. Wie bewertest Du das?

Wer hier ein Kalifat fordert, greift nicht nur Homosexuelle oder die queere Community an – er greift uns alle an. Extremismus hat in unserer Stadt keinen Platz. Islamistisch motivierte Queerfeindlichkeit – wie jede Form von Queerfeindlichkeit – muss dort, wo sie entsteht, konsequent verfolgt und hart bestraft werden. Null-Toleranz-Politik gegenüber extremistischer Hetze und Gewalt. Wir dürfen dabei aber nicht nur reagieren, wenn etwas passiert – wir müssen auch präventiv arbeiten. Das bedeutet, radikale Strukturen früh zu erkennen und ihnen den Nährboden zu entziehen. Unsere Stadt bleibt ein Ort, an dem jeder Mensch frei und sicher leben kann – ohne Angst.

Bei der letzten Bürgerschaftswahl kam die Hamburger SPD auf rund 39 Prozent der Wählerstimmen. Die jüngsten Umfragen von Infratest-dimap sehen die SPD derzeit bei etwa 31 Prozent. Ein Ergebnis der Bundespolitik oder kann die SPD in der Hansestadt etwas besser machen?

Natürlich beeinflusst die Bundespolitik auch die Wahrnehmung vor Ort, doch Hamburg hat immer gezeigt, dass es eigene Akzente setzen kann. Und die Bilanz der SPD-geführten Regierung spricht für sich: Ein solider städtischer Haushalt, der keine Kürzungen enthält wie etwa in Berlin oder NRW, tausende neugebaute Wohnungen, der größte U- und S-Bahnausbau seit Jahrzehnten und das kostenlose Deutschlandticket für Schüler:innen, kostenlose Betreuung für alle Kitakinder, moderne Schulen, ein Spitzenplatz für Hamburgs Bildung sowie eine zunehmend barrierefreie und altersgerechte Stadt. 

Du bist als Kellner direkt in die Bürgerschaft gewählt worden, bringst also das mit, was vielen Politikern fehlt: Erfahrungen aus dem „echten Berufsleben“. Wie hilft dir das heute?

Meine Zeit als Kellner hat mich geprägt, pragmatisch, bodenständig und lösungsorientiert zu handeln. Ich kenne die Herausforderungen des Alltags – sei es das Leben mit Mindestlohn, Nachtschichten oder die Sorgen um steigende Mieten. Diese Erfahrungen helfen mir, Politik zu machen, die nah an den Menschen bleibt. Politik muss greifbar und authentisch sein, und das spiegelt sich in meiner Arbeit wider.

Simon, vielen Dank für das Gespräch.

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