Blamage für Deutschland! Amerikaner zeigen, dass ein Einsatz für Menschenrechte möglich ist
Es mag beinahe eine bittere satirische Note sein, dass ausgerechnet am kommenden Totensonntag die Fußballweltmeisterschaft in Katar beginnt – mit Absicht erfolgte diese Terminfestlegung seitens der FIFA mit Sicherheit nicht, die zuletzt ebenso wie der französische Präsident Emmanuel Macron forderte, man möge doch die Fußballspiele jetzt nicht mehr politisieren. Anders ausgedrückt: Die mutmaßlich vierstelligen Opferzahlen unter den Gastarbeitern sowie der offen gelebte Hass gegenüber Homosexuellen inklusive mehrjähriger Haftstrafen dürfe keine Rolle mehr spielen.
Medien-Hype über Katar?
In den letzten Tagen nun überschlugen sich einmal mehr all die Meldungen über Katar, jede kleinste Information bot Platz für neue Meldungen. Frankreichs Team-Kapitän Hugo Lloris erklärte, er wolle aus Respekt vor den Gastgebern auch die “One-Love“-Kapitänsbinde nicht tragen, wenngleich diese mit dem Symbol der LGBTI*-Community, dem Regenbogen, sowieso nichts mehr gemein hat. CSU-Chef Friedrich Merz ermahnte gegenüber der Funke Mediengruppe die Fußballfans, sie müssten sich an die Regeln des Gastgeberlandes Katar halten, denn: "Die WM ist ein Sportereignis und keine politische Demonstrations-Veranstaltung.“ Immer wieder ist auch die Frage nach einem Boykott im Spiel, viele Fußball-Kneipen erklärten die Tage, sie würden die Spiele nicht übertragen, andere wiederum sprechen von Deutschland als “Moral-Weltmeister“ und fragten durchaus berechtigt nach, wo denn der mediale Aufschrei bei den letzten Sportsuperevents in Russland oder China geblieben sei.
Deutschland übt sich in Gratis-Mut
Deutschland und die deutsche Nationalmannschaft übt sich indes einmal mehr in Gratis-Mut, zuletzt peinlich medial inszeniert, als das Team mit einem Lufthansa-Flugzeug von Deutschland aus startete, auf dem der Schriftzug “Diversity Wins“ zu lesen war – die Maschine landete allerdings im Nachbarland Oman, wo das Trainingslager des DFB ist. Nach Katar selbst folgen die Kicker inzwischen mit einer regionalen Airline. Dass Diversität gewinnt, können die Kataris also höchstens erfahren, wenn sie deutsche Medienberichte verfolgt haben.
USA setzt Statement für LGBTI*
Anders dagegen zeigt sich die US-Nationalmannschaft. Im Trainingszentrum des amerikanischen Teams in der Stadt Ar-Rayyan in Katar (!) prangt ein großes regenbogenfarbiges Mannschaftslogo. Der Sprecher der Nationalmannschaft Neil Buethe erklärte gegenüber Reuters, dass das Logo in den Regenbogenfarben an jedem Ort zu sehen sein wird, der vom US-Team direkt verwaltet wird – also auch bei allen Medienberichten, Events und im Teamhotel. Ob Katar oder die FIFA dagegen etwas haben, ist den Amerikanern offensichtlich schlicht egal. Torhüter Sean Johnson sagte gegenüber dem britischen Guardian: „Wir konzentrieren uns auf die Botschaft ´Be The Change‘. Darauf sind wir stolz und arbeiten weiter daran, mit uns, unserer Präsenz und unserer Plattform eine Wirkung zu erzielen, und wir werden das hier in Katar auch weiterhin tun.“ Es geht also doch anders jenseits einer peinlichen Möchtegern-Kapitänsbinde oder medialen Nullnummern wie eines Diversity-Statements, das niemand lesen wird.
Boykott? Olivia Jones macht sich stark dafür!
Die Berichte und Meldungen über Katar werden indes in den kommenden Tagen höchstwahrscheinlich weitergehen und es steht zu befürchten, dass viele Zuschauer der lebensbedrohlichen Lage von Homosexuellen in Katar nach und nach überdrüssig werden könnten. Dagegen wollen nicht nur vereinzelt Politiker mit Boykott-Aufrufen vorgehen, sondern auch Prominente wie Drag-Queen Olivia Jones, die jetzt zum Hashtag #PFUIFA aufrief, ein Wortspiel aus “Pfui“ und FIFA. Auf Social Media erklärte sie: „Schäm dich, FIFA! Die WM ist ein übles Foul an allen anständigen Fußballfans. Menschenrechte sind kein Spiel!“
Ob sich viele Fußballfans einem Boykott tatsächlich anschließen werden, ist fraglich, die Umfragen der letzten Tage widersprechen sich darin. Laut Infratest/dimap wollen 56 Prozent der Deutschen die WM nicht ansehen, die Hälfte davon allerdings deswegen nicht, weil sie grundsätzlich kein Interesse an Fußball haben. 41 Prozent der anderen Verweigerer gaben allerdings an, die WM aufgrund der Menschenrechtslage in Katar nicht sehen zu wollen.
Die Hoffnung am Boykott-Aufruf dahinter ist, dass schlechte Quoten für ein Umdenken bei der FIFA sorgen könnten – das indes darf bezweifelt werden, denn offenbar hat die FIFA noch nie so viel Geld mit einer WM verdient wie 2022 in Katar. Am Ende bleibt es wie es ist: Menschenrechte stehen nicht auf einer Stufe mit Milliarden US-Dollar.