Direkt zum Inhalt
Anschluss an England
ANZEIGE

Anschluss an England Nordirlands Gesundheitsminister erlässt Verbot von Pubertätsblockern für Minderjährige, um „Schlupflöcher“ zu schließen

ms - 26.08.2024 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Seit März dieses Jahres dürfen in England Pubertätsblocker nicht mehr an Jugendliche vergeben werden. Die britische Regierung reagierte damit auf einen Beschluss des Gesundheitsdienstes NHS sowie auf die Ergebnisse mehrerer Studien, die darlegten, dass Pubertätsblocker zu lebenslangen Schäden wie einem massiven Knochenschwund, einer verminderten Intelligenz oder auch psychischen langfristigen Beschwerden führen können. 

Untermauert wurde der Beschluss auch durch den Cass-Report, der ebenso vor der Vergabe bei Minderjährigen warnte. Jetzt hat sich auch Nordirland dieser Einschätzung im Eilverfahren angeschlossen, um „Schlupflöcher“ zu schließen – so war es Interessenten bisher möglich, von England nach Nordirland zu fahren und sich dort Pubertätsblocker weiter verschreiben zu lassen. 

Vorübergehendes Verbot

Mit sofortiger Wirkung tritt daher morgen ein vorübergehendes Verbot in Kraft, Pubertätsblocker dürfen von Dienstag an nicht mehr vergeben werden. Unklar ist noch, ob Kinder, die bereits Pubertätsblocker erhalten, diese weiter bekommen oder nicht. Bisher waren die Medikamente für Jugendliche unter 18 Jahren verschreibungspflichtig, durften aber verwendet werden. 

Das aktuelle Verbot wurde per Dringlichkeitsverfahren behandelt und vom Gesundheitsminister Mike Nesbitt unterzeichnet. Dieser erklärte via X: „Ich habe die Zustimmung der Exekutive eingeholt, das vorübergehende Verbot von Pubertätsblockern auf Nordirland auszuweiten, bis eine langfristige Lösung gefunden ist. Klinische Studien im Vereinigten Königreich werden in diese Entscheidung einfließen. In der Zwischenzeit wird Nordirland nicht länger eine potenzielle Hintertür für den Zugang sein.“ 

Nesbitt betonte dabei gegenüber der BBC auch noch einmal die Ergebnisse des Cass-Reports – nach vierjähriger Untersuchung wurde darin festgehalten, dass es keine ausreichende Grundlage für die Vergabe von Pubertätsblockern oder Hormonen an Kinder gibt. Die Richtlinien für die Behandlung von Kindern mit dem Wunsch eines Geschlechtswechsels seien nicht evidenzbasiert und stehen „auf einem wackeligen Fundament“, so Forschungsleiterin Dr. Hilary Cass in ihrem unabhängigen Bericht. 

Kritik von Grünen und Trans-Verein

Die Entscheidung wurde seitens der umstrittenen Trans-Organisation Mermaids scharf kritisiert, diese sei „sehr enttäuschend“ und stelle eine „gefühllose Missachtung“ von jungen Menschen dar. Der Verein Mermaids machte seit 2022 mehrfach Negativ-Schlagzeilen, verlor eine Klage gegen die schwul-lesbische Organisation LGB Alliance und steht in der Kritik, unreflektiert für Pubertätsblocker zu werben

Ash Jones von der Green Party betonte, die Ankündigung des Gesundheitsministers via X sei „besonders unsensibel“ gewesen. Dies sei „sehr enttäuschend“, der Minister habe dabei die Lage für Trans-Menschen noch schlimmer gemacht. 

Ein Vertreter der Sinn Féin Partei erklärte, die endgültige Entscheidung über die Gesundheitsversorgung von Jugendlichen müsse nun von Fachärzten getroffen werden. Dem schloss sich inhaltlich auch Alexa Moore von der LGBTI*-Organisation Rainbow Project an.  

Fehlende Langzeitnachweise 

Die Gesundheitssprecherin der Democratic Unionist Party (DUP) Diane Dodds indes erklärte, dass das jetzt ausgesprochene Verbot „eine vernünftige Entscheidung auf der Grundlage medizinischer Expertenmeinungen ist. Unsere Position zur Bereitstellung von Pubertätsblockern war klar, und angesichts der fehlenden Langzeitnachweise für die Sicherheit von Kindern, ist es richtig, dass der vorsichtigste Ansatz gewählt wird.“ 

Auch die stellvertretende Vorsitzende der nordirischen Partei Aontú, Gemma Brolly, begrüßte die Anordnung und betonte, die Verschreibung von Pubertätsblockern an Kinder sei „falsch und gefährlich“. Und weiter: „Es können irreversible Schäden bei Kindern entstehen, von denen viele in der Zukunft eine De-Transition anstreben könnten.“ Ein Sprecher der Alliance Partei ergänzte gegenüber der BBC: „Das Wohlergehen der jungen Menschen und ihrer Familien muss im Mittelpunkt unserer Entscheidungsfindung stehen, wenn wir dieses Thema diskutieren.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Fußballer oben ohne

Trikot aus, Freude an

Englands Ex-Fußballprofi Ian Wright will die Gelbe Karte für das Ausziehen des Trikots nach Toren abschaffen. Schwule Fans würde es sehr freuen.
Überraschung im Badehaus

92-Jähriger unter schwulen Jungs

Eine Story geht viral: Ein US-Badehaus-Mitarbeiter erzählte auf TikTok von einem 92-jährigen Gast, für den junge Twinks in der Sauna Schlange standen.
Streit um Altenarbeit

Mann-O-Meter reicht Klage ein

Der Berliner Schwulen-Verein Mann-O-Meter klagt gegen den Förderstopp für seine Altenarbeit und beantragt zugleich vorläufigen Rechtsschutz.
Hürdenläufer Seamus Derbyshire

Vorbild für junge schwule Sportler

Der schwule Hürdenläufer Seamus Derbyshire verbindet sportlichen Ehrgeiz mit besonderer Sichtbarkeit und gilt als Vorbild für junge schwule Sportler.
Kit Connor in den Bergen

Schwule Liebe im Schnee?

Kultregisseur Andrew Haigh verfilmt eine schwule Geschichte über Verlust und Überleben in den verschneiten Bergen Colorados. Mit dabei: Kit Connor.
Scharfe Kritik an Hegseth

Mitchell betont Männlichkeitsbild

Der schwule Regisseur John Cameron Mitchell attackiert US-Verteidigungsminister Pete Hegseth scharf und kritisiert dessen Verständnis von Männlichkeit
US-Meistertitel für Kim

Coming-Out und Gold-Medaille

Nach seinem Coming-Out im Frühjahr hat der Kunstturner Cooper Kim jetzt bei den US-Meisterschaften Gold gewonnen und betont sein neues freies Leben.
Kaltblütiger Killer

BBC-Doku über Schwulenmörder

Community unter Schock: Die Kaltblütigkeit des Mörders des schwulen Jamie Gawler verstört mittels einer BBC-Doku viele Zuschauer in Großbritannien.
Australien zählt genauer

Erstmals Fragen zur Identität

Australiens Volkszählung von dieser Woche erfasst erstmals die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität der Bevölkerung in Down Under.