Freiheit für Hernández Romero Nach der brachialen Abschiebung aus den USA saß der schwule Maskenbildner im Horrorgefängnis in El Salvador – und wurde jetzt freigelassen
Der Fall sorgte landesweit in den USA für Empörung und zu Protesten in New York: Rund 250 venezolanische Männer waren im Frühjahr dieses Jahres im Rahmen des wiederbelebten Alien Enemies Acts der US-Regierung ausgewiesen worden. Präsident Trump nutzte das Gesetz aus Kriegszeiten, um Menschen ohne Anhörung oder Asylprüfung abzuschieben, darunter auch der schwule Maskenbildner Andry Hernández Romero.
Folter und Tod im Horrorknast
Von den Vereinigten Staaten aus kamen die Männer nach El Salvador in das CECOT, ein dystopisches Foltergefängnis, das als moderner Gulag beschrieben wird. Romero verbrachte 125 Tage dort, bevor er jetzt unerwartet freigelassen und in seine Heimat Venezuela überführt wurde. Der 32-jährige erklärte, er sei in der Haft von den Wärtern gefoltert, sexuell missbraucht und ohne Essen ausgehungert worden.
„Es war eine Begegnung mit Folter und Tod. Viele unserer Kameraden haben Verletzungen durch Schlagstöcke; sie haben gebrochene Rippen, gebrochene Finger und Zehen, dazu überdies Spuren von Handschellen. Andere haben von den Projektilen von Gummigeschossen Spuren auf der Brust und im Gesicht. Die meiste Zeit waren wir dabei in dunklen Zellen eingesperrt“, so Romero gegenüber Reuters. Inzwischen ist der junge Mann bei seiner Familie im Dorf Capacho im Bundesstaat Táchira angekommen.
Abschiebung ohne fundierte Begründung
Der Fall hatte in den USA auch deswegen zu massiver Empörung geführt, weil Romero nicht illegal in den Vereinigten Staaten lebte. Er war Ende 2024 legal über die Grenze in San Diego eingereist, war zu allen Terminen der Behörden erschienen und hatte eine erste Anhörung bestanden, in der er glaubhaft über seine Furcht vor Gewalt aufgrund seiner Homosexualität berichtete.
Auf die Liste der auszuweisenden Personen geriet er einzig aufgrund seiner Tätowierungen, die die Bundesbeamten als Beweis für seine Mitgliedschaft in der kriminellen Tren de Aragua-Organisation auslegten. Einen tatsächlichen Beleg für diese Annahme gab es nicht. Auf den Tattoos sind größtenteils Tiermotive und die Aufschriften „Mom“ und „Dad“ zu sehen.
Düsterer Blick auf die USA
Der venezolanische Generalstaatsanwalt hat laut Reuters Ermittlungen gegen den Staat Salvador aufgrund der Folterungen angekündigt. Das US-Heimatschutzministerium wies indes die Missbrauchsvorwürfe zurück und bezeichnete die abgeschobenen Männer erneut als „kriminelle, illegale Bandenmitglieder”.
Melissa Shepherd, Anwältin beim Immigrant Defenders Law Center, erklärte gegenüber KGTV: „Wir sind zwar froh, dass Andry nicht mehr in diesem Foltergefängnis ist, aber wir machen uns große Sorgen um seine Zukunft.“ In Venezuela ist Homosexualität legal, weiterreichende Rechte haben Schwule und Lesben aber nicht. Zudem kommt es immer wieder zu Selbstjustiz und gewalttätigen Angriffen auf schwule Männer, auch seitens der Polizei. Lindsay Toczylowski, CEO des Immigrant Defenders Law Center, bestätigte ebenso, dass Romero in Venezuela weiterhin in Gefahr sei. Mit Blick auf die USA sagte sie überdies: „Der Fall Hernández Romero ist ein wirklich düsteres Vorzeichen dafür, wohin wir als Land steuern, wenn dies zugelassen wird.“