Direkt zum Inhalt
Anklage wegen Extremismus

Anklage wegen Extremismus Schwulenbar-Betreibern drohen in Russland zehn Jahre Haft

ms - 02.04.2024 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Unerbittlich folgt Russland seinem homophoben Kurs und hat jetzt zwei Betreiber einer Schwulenbar in Orenburg tatsächlich offiziell als „Extremisten und Terroristen“ eingestuft. Die beiden jungen Russen waren Mitte März festgenommen worden – zuvor hatte die Polizei bereits Anfang März eine Razzia vor Ort durchgeführt. 

Drakonische Haftstrafe 

Die Einschätzung als vermeintliche Terroristen nahmen die zuständigen Ermittler vor, nachdem ihre Untersuchungen ergeben hätten, dass die beiden Inhaftierten eine „nicht-traditionelle“ sexuelle Orientierung haben – das allein reicht nach dem neuen Extremismus-Gesetz aus, um sich strafbar zu machen.

Bei den beiden homosexuellen Menschen handelt es sich um die  28-jährige Diana Kamilianowa sowie den 21 Jahre alten Alexander Klimow, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Die Einstufung als Extremisten erfolgte damit bereits, bevor überhaupt ein Prozess begonnen worden ist. Kamilianowa ist die Verwalterin der Schwulenbar, Klimow der künstlerische Leiter. Beide sitzen seitdem in Untersuchungshaft – es ist dabei gängige Praxis, dass Angeklagte in Russland bis zur Urteilsverkündung in Verwahrung bleiben. Den beiden jungen Russen droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. 

Radikaler Kampf gegen Homosexuelle

Die Razzia am 09. März fand während einer Drag-Show statt. Die Polizei hatte alle Besucher dabei offenbar gezwungen, sich flach auf den Boden zu legen, bis einzeln ihre Personalien aufgenommen worden waren. Den beiden Betreibern wird vorgeworfen, durch ihre „Ansichten und Aktivitäten“ die, in Russland inzwischen verbotene internationale LGBT-Bewegung zu unterstützen.

Russland folgt damit strikt seinem Kampf gegen Homosexuelle. Bereits 2013 wurde ein gesetzliches Verbot von "Homosexuellen-Propaganda" eingeführt, welches Präsident Wladimir Putin 2022 noch einmal verschärfen ließ. Anfang dieses Jahres trat dann das neue Gesetz in Kraft, das zudem die LGBT-Bewegung insgesamt als extremistisch einstuft und unter Strafe stellt. 

In Kombination bieten die beiden Gesetze Behörden und Polizisten die Möglichkeit, willkürlich gegen homosexuelle Privatpersonen wie aber auch jedwede LGBTI*-Organisationen vorzugehen. International sorgte das jüngste Gesetz für viel Kritik, der europäische LGBTI*-Verein Forbidden Colours erklärte, die „Zeit des Schweigens und der diplomatischen Zurückhaltung“ sei vorbei.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ausschluss bei Miss America

Trans* Frauen sind nicht erwünscht

Die Veranstalter der Miss America-Wahl haben nun ihre Richtlinien geändert und erklärt, dass trans* Frauen nicht am Wettbewerb teilnehmen dürfen.
Krise im Senegal

Homophobie und HIV

Das schärfere Anti-Homosexuellen-Gesetz sowie eine Welle von Gewalt befeuern im Senegal jetzt auch eine Krise bei der Versorgung von Menschen mit HIV.
Verfassungsänderung in Litauen

Homosexuelle Ehe und Familie

Die Regierung in Litauen will die Ehe und die Familie so in der Verfassung verankern, dass Homosexuelle und Regenbogenfamilien ausgeschlossen sind.
Rauswurf aus US-Militär

Erste trans* Soldaten betroffen

Offenbar ist das US-Militär trotz laufender Gerichtsverfahren dabei, erste trans* Soldaten nach einem Dekret des US-Präsidenten zu entlassen.
Eklat um Coachella Festival

Spenden an Anti-LGBTIQ+-Gruppen

Die Veranstalter des eigentlich queer-positiven Coachella Festivals in den USA spendeten Hunderttausende Dollar teilweise an Anti-LGBTIQ+-Verbände.
Kirche von Wales

Segnung homosexueller Paare

Die Kirche von Wales wird dauerhaft Segnungen von homosexuellen Paaren durchführen. Ein deutliches Statement gegen die Kirche von England.
Rechte Gewalt in Brandenburg

Verstärkter Einsatz der Polizei

Rechte Hetze und Gewalt hat in Brandenburg 2025 zugenommen, die Täter hatten es dabei verstärkt auf homosexuelle Männer abgesehen.
Ex-Rugbystar Gareth Thomas

Kampagne gegen Drogenkonsum

Der schwule britische Ex-Rugby-Nationalspieler Gareth Thomas will mit einer neuen Kampagne vor Chemsex und Drogen in der Community warnen.
Charlie Kirk Act in Tennessee

Neues Gesetz nach Mordfall

Im US-Bundesstaat Tennessee könnte bald der Charlie Kirk Act in Kraft treten; das Gesetz verbietet Protest gegen Anti-LGBTIQ+-Redner an Schulen.