Direkt zum Inhalt
Angriffe auf Chick-fil-A
Foto: IMAGO / Levine-Roberts
ANZEIGE

Angriffe auf Chick-fil-A Kreuzfeuer der Kritik nach schwuler Hochzeitsfeier

ms - 16.12.2025 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Ein einzelner Facebook-Post einer Filiale der amerikanischen Hähnchen-Fastfood-Kette Chick-fil-A in Orem, Utah, hat jetzt für große Aufregung gesorgt. In dem Beitrag  beglückwünschte das betreffende Schnellrestaurant ein schwules Paar zu seiner Hochzeit. Das Bild des Paares vor dem Restaurant war mit den Worten versehen: „Herzlichen Glückwunsch an das schwule Paar! Dougie & Toby haben kürzlich geheiratet und wir sind so unglaublich glücklich für sie!“

Biblische Werte und „LGBT-Extremisten“

Während viele Kommentatoren die Botschaft der Liebe und Inklusion unterstützten, stießen der Post und die Botschaft der Filiale bei konservativen christlichen Gruppen auf heftige Kritik. Die Family Research Council (FRC), eine prominente konservative Organisation, bezeichnete den Beitrag als „woke“ und wendete sich gegen die Veröffentlichung. Die Gruppe, die vom Southern Poverty Law Center als Hassgruppe eingestuft wird, kritisierte, dass der Post gegen die „biblischen Werte“ verstoße, die Chick-fil-A ihrer Ansicht nach vertreten sollte.

Die FRC erklärte weiter, dass der Akt der öffentlichen Feier einer gleichgeschlechtlichen Ehe ein „moralisches Versagen“ darstelle, insbesondere für ein Unternehmen, das in der Vergangenheit stark mit konservativen christlichen Überzeugungen verbunden war. „Während die meisten Chick-fil-A-Filialen von lokalen Betreibern geführt werden, zeigt die Tatsache, dass eine Filiale eine so umstrittene Nachricht postete, dass das Unternehmen die LGBT-Extremisten, die vor nur wenigen Jahren noch so viel Kritik auf sich zogen, nicht ausgemerzt hat.“

Unternehmensleitung bestärkt Filiale in Utah

Einige konservative Christen reagierten, indem sie sich an die Unternehmenszentrale von Chick-fil-A wandten und eine Distanzierung von der Utah-Filiale forderten. Die Antwort des Unternehmens verstärkte jedoch nur die Enttäuschung: „Chick-fil-A heißt alle Menschen willkommen, unabhängig von Rasse, Geschlecht, Ethnizität, sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität“, erklärte die Kette in einer Stellungnahme. Die Firma betonte zudem ihre Bemühungen um Diversität, Chancengleichheit und Inklusion in ihren Geschäftspraktiken.

Diese Position stieß erneut auf Kritik seitens der FRC. David Closson, Direktor des „Center for Biblical Worldview“ der Organisation, argumentierte, dass die Unterstützung von LGBTIQ+-Identitäten eine theologische Grenze überschreite. „Ein Unternehmen, das auf christlicher Überzeugung basiert, sollte in der Lage sein, jeden Menschen zu lieben und zu bedienen, ohne Kategorien zu unterstützen, die der biblischen Wahrheit widersprechen“, sagte Closson. Auch andere konservative Kommentatoren schlossen sich dieser Kritik an und betrachteten die Reaktion als Teil eines größeren kulturellen Wandels. Der Blogger Steve Soukup betonte Chick-fil-A’s „Versagen“, gegen die zunehmenden progressiven Werte Widerstand zu leisten, während Stefan Padfield vom Free Enterprise Project den Konsumenten riet, bei Missfallen das Unternehmen zu boykottieren.

Kontroversen um Restaurant-Kette

Die jüngste Kontroverse fällt in eine Zeit, in der Chick-fil-A immer wieder für seine vergangenen Verbindungen zu Anti-LGBTIQ+-Organisationen kritisiert wird. Im Jahr 2011 wurde bekannt, dass das Unternehmen Millionenbeträge an Gruppen gespendet hatte, die sich gegen die Rechte von queeren Personen aussprachen, darunter das FRC und die inzwischen aufgelöste Konversionstherapie-Organisation Exodus International. Der damalige CEO von Chick-fil-A, Dan Cathy, bekannte sich damals offen zu seiner Haltung und sagte, das Unternehmen sei „schuldig im Sinne der Anklage“. Obwohl das Unternehmen 2017 seine Spenden an solche Organisationen weitgehend reduzierte und versuchte, sich als inklusiver darzustellen, stoßen seine Bemühungen zur Förderung von Diversität und Inklusion auf zunehmende Kritik von konservativen Kreisen. 

Für viele LGBTIQ+-Beobachter ist die Situation ein weiterer Beweis für die kulturellen Spannungen, die weiterhin bestehen. Ein einzelner Facebook-Post einer Filiale, die eine gleichgeschlechtliche Ehe feiert, hat eine solche Welle der Empörung ausgelöst – und zeigt damit, wie selbst kleine Gesten der Inklusion in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte zu einem bedeutenden Thema werden können. Während die Debatte weitergeht, bleibt das Bild von Dougie und Toby auf der Facebook-Seite der Filiale als ein stiller Ausdruck von Liebe. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

News zu Heated Rivalry 2

Hudson Williams verrät Details

„Heated Rivalry 2“ wird derzeit gedreht und soll 2027 mit neuen Konflikten und mehr Emotionalität starten, verriet jetzt Schauspieler Hudson Williams.
Schwule Juden

Mehr Sichtbarkeit in der Community

Eine LGBTIQ+-Tora-Gruppe in Oregon liest jüdische Texte neu und will LGBTIQ+-Menschen darin als Teil der jüdischen Geschichte sichtbar machen.
Streisand greift Trump an

Streit um das Kennedy Center

Barbra Streisand kritisiert Präsident Trumps Vorgehen beim Kennedy Center, dessen Umbenennung juristisch und politisch umstritten ist.
Zehn Jahre Projekt „WiR*“

Aufklärung gerät unter Druck

Das Kölner Projekt „WiR*“ feiert zehn Jahre Aufklärungsarbeit – und warnt vor zunehmender Queerfeindlichkeit an Schulen.
Kolumbien sagt Nein zu LGBTIQ+

Kritik an neuem Regierungskurs

Kolumbien verlässt eine wichtige internationale LGBTIQ+-Koalition, während Menschenrechtsvereine vor anhaltender Gewalt gegen die Community warnen.
Vapen bei LGBTIQ+-Jugendlichen

Mobbing verstärkt den Trend

Eine neue Untersuchung sieht einen Zusammenhang zwischen der Ausgrenzung und Mobbing von LGBTIQ+-Jugendlichen und ihrem erhöhten Vape-Konsum.
ESC-Krise in Großbritannien

Prüfung des Auswahlverfahrens

Nach dem letzten Platz 2026 beim ESC soll das britische Eurovision-Auswahlverfahren jetzt im Parlament genauer untersucht werden.
Volkszählung in den USA

Neue Regeln sorgen für Kritik

Geplante Regeln für die US-Volkszählung 2030 könnten trans* Menschen zur Offenlegung ihrer Geschlechtsidentität gegenüber dem Staat zwingen.