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Homophobie bei der WM Extreme Hasswelle gegen Frankreich

Von ms - 16.10.2026 - 15:10 Uhr
Homophobie bei der WM
Foto: IMAGO / Passion2Press
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Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat nicht nur auf dem Spielfeld für Schlagzeilen gesorgt. Abseits der Stadien waren Spieler einer massiven Welle von Hass und Diskriminierung in sozialen Netzwerken ausgesetzt. Besonders hart traf es die französische Nationalmannschaft. Das geht aus einer neuen Auswertung des Weltfußballverbands FIFA hervor.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die französische Nationalmannschaft erhielt während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 mehr als 18.000 beleidigende Nachrichten. Kein anderes Team war laut FIFA stärker von homophoben Anfeindungen betroffen.
  • Massiver Anstieg: Die FIFA registrierte insgesamt 240.000 als beleidigend bestätigte Nachrichten. Das entspricht nach Verbandsangaben elf Mal so viel wie bei der Männer-WM 2022 in Katar.
  • Mehr als 17,1 Millionen Social-Media-Beiträge rund um das Turnier wurden analysiert. Unter den erfassten Anfeindungen waren 20 Prozent rassistisch und sieben Prozent homophob.
  • Ein Spieler besonders im Visier: Ein namentlich nicht genannter Fußballer erhielt mehr als 10.000 Hassnachrichten. Er war zugleich am stärksten von homophoben und sexistischen Angriffen betroffen.
  • KI soll Spieler schützen: Die FIFA setzt eine Software namens „Threat Matrix“ ein, um diskriminierende Beiträge herauszufiltern. In mehr als 100 Fällen wurden zudem mögliche Grundlagen für juristische Schritte festgestellt.

Viel Hass für Frankreich

Demnach wurden gegen die französischen Spieler mehr als 18.000 beleidigende und diskriminierende Nachrichten registriert. Frankreich war damit über alle untersuchten Plattformen hinweg die am stärksten angefeindete Mannschaft des Turniers. Zugleich richteten sich gegen kein anderes Nationalteam so viele homophobe Angriffe. Die Ergebnisse stammen aus dem Social Media Protection Service (SMPS), mit dem die FIFA Fußballer vor Hass im Internet schützen will. In ihrem Bericht hält die FIFA fest: „Die französischen Spieler waren über alle Plattformen hinweg die am stärksten angefeindete Mannschaft, mit mehr als 18.000 Fällen von Beleidigungen und Anfeindungen.“ Dabei beschränkten sich die Angriffe keineswegs auf homophobe Äußerungen. Auch rassistische Beschimpfungen spielten eine zentrale Rolle. „Rassismus (33 Prozent) war gemeinsam mit allgemeinen Beleidigungen die größte Kategorie. Frankreich war außerdem die Nation, gegen die sich die meisten homophoben Anfeindungen richteten“, heißt es in der Auswertung.

240.000 Hassnachrichten 

Das Ausmaß der digitalen Anfeindungen zeigt sich vor allem beim Blick auf die Gesamtzahlen. Für die Untersuchung wertete der FIFA-Schutzdienst mehr als 17,1 Millionen Beiträge aus, die im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft veröffentlicht worden waren. Mithilfe technischer Systeme wurden auffällige Inhalte identifiziert und anschließend von menschlichen Prüfern bewertet. Insgesamt bestätigten die Analysten 240.000 Nachrichten als beleidigend oder diskriminierend. Nach Angaben der FIFA bedeutet dies einen Anstieg um das Elffache gegenüber der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2022 in Katar. Die Untersuchung zeigt zugleich, welche Formen von Diskriminierung besonders häufig vorkamen. 

Demnach enthielten 20 Prozent der erfassten beleidigenden Beiträge rassistische Inhalte. Sieben Prozent wurden als homophob eingestuft. Homophobe Angriffe bestanden dabei nicht ausschließlich aus direkten Beschimpfungen aufgrund einer tatsächlichen oder vermuteten sexuellen Orientierung. Die FIFA beschreibt die entsprechenden Inhalte als „homophobe Schimpfwörter und sexualisierte Sprache, die häufig verwendet werden, um Einzelpersonen zu beleidigen oder zu verspotten“. Damit wird deutlich, dass homosexuellenfeindliche Begriffe im Fußball weiterhin als Mittel eingesetzt werden, um Spieler herabzuwürdigen – unabhängig davon, ob die Betroffenen selbst homosexuell sind.

Spieler erhielt 10.000 Angriffe

Besonders erschreckend ist ein weiterer Befund des Berichts. Ein einzelner Fußballer wurde während des Turniers zum Ziel von mehr als 10.000 beleidigenden Nachrichten. Seinen Namen nennt die FIFA nicht. Der Spieler war laut der Auswertung zugleich am stärksten von homophoben und sexistischen Angriffen betroffen. Damit konzentrierte sich ein erheblicher Teil der digitalen Anfeindungen auf eine einzelne Person. Warum gerade dieser Fußballer besonders häufig angegriffen wurde, geht aus der veröffentlichten Zusammenfassung nicht hervor. Auch zu seiner Nationalität oder möglichen Auslösern der Hasswelle macht die FIFA keine näheren Angaben. Die Zahlen zeigen jedoch, wie stark sich diskriminierende Kommentare im Umfeld großer Sportereignisse gegen einzelne Spieler richten können.

KI soll Hasskommentare abfangen

Um Fußballer vor solchen Angriffen künftig verstärkt zu schützen, setzt die FIFA auf ihren Social Media Protection Service. Herzstück des Systems ist eine KI-gestützte Software mit dem Namen „Threat Matrix“. Sie durchsucht Beiträge in sozialen Netzwerken nach beleidigenden und diskriminierenden Inhalten. Auffällige Nachrichten sollen möglichst herausgefiltert werden, bevor sie die betroffenen Spieler erreichen. Der Schutzdienst dient allerdings nicht nur dazu, Hasskommentare zu erkennen und auszublenden. Die FIFA sammelt nach eigenen Angaben auch Beweismaterial, das bei möglichen strafrechtlichen Ermittlungen verwendet werden kann.

Dazu erklärte der Weltfußballverband: „Im Zuge der Weiterentwicklung des SMPS sammelt der Dienst auch Beweismaterial für Strafverfolgungsbehörden. Es wurden bereits mehr als 100 Fälle identifiziert, die die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen, um entsprechende Ermittlungsakten für mögliche juristische Schritte gegen die Verantwortlichen vorzubereiten.“ Damit könnten bestimmte Angriffe über das Löschen oder Verbergen einzelner Beiträge hinaus juristische Folgen haben. Ob und in welchem Umfang tatsächlich Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden, geht aus den veröffentlichten Angaben allerdings nicht hervor.

Anfeindungen bei Frauen-WM

Dass Hass im Internet für den internationalen Fußball ein ernstes Problem darstellt, ist nicht neu. Bereits nach der Frauen-Weltmeisterschaft 2023 hatte eine Untersuchung erhebliche Mengen diskriminierender Nachrichten dokumentiert. Damals waren knapp 22 Prozent der beobachteten Spielerinnen von Hasskommentaren betroffen. Besonders auffällig war die Zusammensetzung der Angriffe: Sexistische, sexualisierte und homophobe Äußerungen machten zusammen fast die Hälfte aller erkannten beleidigenden Beiträge aus. Die aktuellen Zahlen der Männer-Weltmeisterschaft 2026 zeigen nun eine weitere Verschärfung des Problems.

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