Japan sucht Arbeitskräfte – und lässt zugleich Potenzial liegen. Die Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen kostet das Land nach einer neuen Schätzung jährlich 6,04 bis 16,42 Billionen Yen. Das entspricht laut dem Wirtschaftsnetzwerk Open for Business 37,3 bis 101,5 Milliarden US-Dollar oder 0,87 bis 2,38 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Das Wichtigste im Überblick
- Der Bericht beziffert jährliche Verluste auf bis zu 16,42 Billionen Yen.
- In die Schätzung fließen gesundheitliche Belastungen und Lohneinbußen ein.
- Gleichgeschlechtliche Paare können in Japan weiterhin nicht heiraten.
- Aktivistinnen und Aktivisten fordern verbindliche rechtliche Absicherung.
Wenn Ausgrenzung krank macht
Den größten Anteil der im Bericht von Open for Business berechneten Verluste machen zusätzliche gesundheitliche Belastungen aus: etwa Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hinzu kommen entgangene Einkommen durch die Lohnlücke zwischen LGBTIQ+-Beschäftigten und anderen Erwerbstätigen. Gerade angesichts der schrumpfenden Bevölkerung wird verlorene Arbeitskraft zum Problem.
Regenbogen ohne Absicherung
Für schwule und lesbische Paare bleibt der Alltag auch dort unsicher, wo Kommunen Partnerschaftszertifikate ausstellen. Diese ersetzen keine Ehe. Fragen des Erbens, der sozialen Absicherung oder medizinischer Entscheidungen bleiben damit verbunden. Auch Unternehmen müssen klären, welche Leistungen sie Partnerinnen und Partnern gewähren, wenn das nationale Recht ihre Ehe nicht anerkennt.
Makiko Terahara von Marriage for All Japan sagte dem Washington Blade, diese Unsicherheit begünstige Verstecken, Stress und Einkommensunterschiede. Sie betont zugleich: Die Zahlen sind Schätzungen; eine Gesetzesreform allein würde die wirtschaftlichen Verluste nicht vollständig beseitigen. Der Kampf um die Ehe für alle vor Japans Oberstem Gericht hat damit auch eine wirtschaftliche Dimension.
Schutz mit Lücken
Akira Nishiyama von der Japan Alliance for LGBT Legislation verweist gegenüber dem Blade auf bestehende Regeln gegen Belästigung am Arbeitsplatz, darunter unfreiwilliges Outing. Gegen Benachteiligungen bei Einstellungen, Versetzungen oder erzwungenen Kündigungen reiche die Absicherung jedoch weiterhin nicht aus.
Dass queere Beschäftigte beim Gehalt Nachteile erleben können, ist auch international dokumentiert. In Japan fordern die Interessenvertretungen nun klarere Rechte – damit die Anerkennung von Vielfalt auch im Arbeitsleben und in der Familie ankommt.