Treffen der Generationen Zwei schwule Sportprofis sprachen im australischen Fernsehen über die Gay-Bewegung und über das Outing von Tom Daley
Es war ein besonderes Treffen der Generationen, als jetzt in der australischen ABC-TV-Show „OK Boomer, OK Zoomer“ der schwule Feldhockeyspieler Davis Atkin (23) auf den berühmten schwulen Rugbyspieler und Ruderer Andrew Purchas (59) traf – beide Männer setzen sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen im internationalen Sport ein.
Zwei Generationen, ein Ziel
Atkin war 2023 der erste offen schwule Feldhockeyspieler, der auf internationaler Ebene an Wettkämpfen teilnahm, ein Jahr zuvor debütierte er in der australischen U-21-Mannschaft beim Junior Oceania Cup in Canberra und spielt inzwischen für den Verein der Kookaburras. Zudem studiert er an der Universität von Canberra. Auf Social Media setzt sich der 23-Jährige zudem für LGBTIQ+-Akzeptanz ein.
Purchas gründete nach seiner Spielerkarriere 2004 den ersten schwulen Rugby-Club namens Sydney Convicts und feierte damit nicht nur viele Erfolge und Siege bei Wettkämpfen, sondern veränderte so auch maßgeblich das Bild von schwulen Männern im australischen Profisport. Zudem rief er zusammen mit der australischen Sportkommission den „Pride in Sport Index“ ins Leben, um Homosexuelle besser in den Sport zu integrieren. Im Jahr 2017 wurde ihm deswegen der Order of Australia Orden verliehen.
Eine Reise durch die Zeit
In der hoch emotionalen TV-Sendung wurden den beiden Sportlern nun die Anfänge der Kämpfe für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben seit den 1970er Jahren gezeigt – die zwei Männer reagierten mal erstaunt interessiert und ein anderes Mal direkt geschockt, beispielsweise, als ein Reporter im Jahr 1972 ein schwules Paar befragte, wer denn in ihrer Beziehung der dominante Part und wer die Hausfrau in der Küche sei. „Ich hatte das Gefühl, eine David-Attenborough-Dokumentation zu sehen, in der Affen gefilmt werden und man ihnen erklärt, was sie tun oder nicht tun sollten“, so Purchas mit einem Augenzwinkern.
Auch aus den 1990er Jahren gab es ähnlich verstörende Aufnahmen zu sehen, zum Beispiel über den schwulen Rugby-Pionier Ian Roberts, der im Kraftraum einer aufdringlichen Interviewerin erklärte, dass er sich niemals in seinem Leben zu einem Mädchen oder einer Frau hingezogen gefühlt habe. Die Reaktion der Reporterin? Sie umarmte Roberts innig und küsste ihn.
„Ich wünschte, ich wäre damals so mutig wie Ian Roberts gewesen, denn ich weiß noch, wie ich während meines Studiums allein in Schwulen-Pubs ging und wenn mich dann Leute ansprachen, sagte ich sofort: 'Ich bin nicht schwul, ich bin nur hier, um für einen Roman zu recherchieren, den ich gerade schreibe',“ so Purchas.
Das Coming-Out von Tom Daley
Der emotionalste Moment der Show war allerdings, als das YouTube-Coming-Out-Video des britischen Olympioniken Tom Daley aus dem Jahr 2013 noch einmal eingespielt wurde. „Ich erinnere mich, dass ich mir die Augen aus dem Kopf geheult habe, als ich das sah. Ich glaube, ich habe mir Daleys Video drei- oder viermal angesehen, weil ich einfach nicht fassen konnte, wie angespannt ich war. Ich war ein bisschen verwirrt, warum es so lange dauerte, bis ich verstand, was er sagte und warum es bei mir Klick machte.“
Daley erzählte in dem Video unter anderem, dass er glücklich sei und derzeit jemanden date… einen Mann, wie er schlussendlich nachschob. „Er war wahrscheinlich die erste Person, von der ich sagen würde, dass sie mir geholfen hat, herauszufinden, wer ich bin, in gewisser Weise. Und ich denke, weil er ein Sportler war, konnte ich mich gut mit ihm identifizieren. Und als ich dann das Video von Josh Cavallo sah, waren das die beiden Menschen, die mich am meisten inspiriert haben“, so Atkin. Der australische Fußballspieler Cavallo outete sich 2021 als homosexuell und war damit damals der einzige offen schwul lebende aktive Profikicker.