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Eine viel diskutierte Szene Old school oder gute Idee? Bringt „Red, White and Royal Blue“ die Kondome zurück?

Von co - 22.08.2023 - 16:00 Uhr
Bringt „Red, White and Royal Blue“ die Kondome zurück?
Foto: IMAGO / Everett Collection
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Heutzutage scheinen viele schwule Männer kaum noch Kondome zu nutzen – kein Wunder, sind sie doch in den meisten Pornos und anderen Filmen nicht mehr anzutreffen. Und auch HIV ist mit heutigen (präventiven) Medikamenten oft kein Thema mehr. Dass die Protagonisten des neuen Films „Red, White and Royal Blue“ von Regisseur Matthew López trotzdem Gummis nutzen, heizt die Debatte darum gerade neu an.

Unrealistische Sex-Szene?

„Red, White and Royal Blue“ (auf Deutsch als „Royal Blue“ erschienen) basiert auf Casey McQuistons Bestseller von 2019. Der Roman begeisterte so viele, dass der Film wohl einer der am sehnsüchtigsten erwarteten Titel dieses Jahres war. Seit der Veröffentlichung Anfang August (SCHWULISSIMO berichtete) diskutieren die Fans eifrig darüber, welche Szene sie am liebsten mögen – vor allem die Sex-Szenen, bei denen die beiden Hauptdarsteller fast nackt zu sehen sind, sind hoch im Kurs.

Bei einer von ihnen liegen nach dem trauten Beisammensein auf dem Nachttisch zwei aufgerissene Kondom-Packungen. Einige Fans machten sich daraufhin über den Regisseur lustig, denn die Szene erschien ihnen völlig unrealistisch.

Erfüllendes Sexleben

Kürzlich erklärte Regisseur Matthew López in einem Interview allerdings, dass die Verbindung zwischen dem britischen Kronprinzen Henry (Nicholas Galitzine) und Alex Claremont-Diaz (Taylor Zakhar Perez), dem Sohn der US-Präsidentin, nicht nur romantischer Natur sein sollte: „Ich glaube nicht, dass man die Geschichte von Alex und Henry erzählen kann, ohne über ihr sehr genussvolles Sexleben zu sprechen. Wir müssen wirklich glauben, dass Alex und Henry wahrhaftig tollen Sex haben. Das war mir als queerem Mann echt wichtig zu zeigen.“

Noch immer wird schwuler Sex bei den meisten Produktionen nicht in einem romantischen Kontext gezeigt: Entweder schwenkt die Kamera weg wie in „Call Me by Your Name“ oder der Sex soll das Publikum schockieren oder zum Lachen bringen. Das bemängelte Intimitätskoordinator Robbie Taylor Hunt gegenüber The Hollywood Reporter. Das läge wohl daran, dass das für heterosexuelle Filmemacher und das Mainstream-Publikum interessanter sei. „Es ist fast so, als könnten sie nicht nachvollziehen, wie liebevoller Sex zwischen Männern aussieht.“ Daher wollte Hunt zeigen, dass es auch anders geht.

Ganz bewusst eingesetzt

Gegenüber Variety verriet López etwas mehr über die Gedanken hinter den Sex-Szenen und erklärte so auch, warum die beiden Kondomverpackungen ganz bewusst in dieser Szene platziert wurden. López habe lange mit Hunt darüber diskutiert und schließlich entschieden, dass Alex und Henry wohl auf Kondome zurückgreifen müssen: „Robbie und ich haben gemeinsam entschieden, dass der Prinz wahrscheinlich keine PrEP nimmt, weil es zu gefährlich für ihn wäre, sich das verschreiben zu lassen.“ Denn ein PrEP-Rezept würde unweigerlich Fragen aufwerfen und Henry schließlich outen.

Weil die PrEP-Frage sich aber nicht so ohne Weiteres in die Geschichte einfügen ließ, wollten die beiden anders zeigen, dass „der Prinz Safer-Sex-Praktiken anwendet und seine sexuelle Gesundheit ernst nimmt“. Doch damit nicht genug: Auch beim Gleitmittel wollten López und Hunt möglichst realistisch sein. An einem Punkt habe der Regisseur gesagt: „OK, lasst uns etwas von dem Gleitmittel ausleeren.“ Die beiden sahen sich das Häufchen an und versuchten auszurechnen, wie viel Alex und Henry verbrauchen würden.

Zu realistisch?

„Man kann es mit dem Worldbuilding auch übertreiben“, echauffierte sich ein Fan. Eine andere Person schrieb: „Ich versichere euch, dass sich niemand darüber Gedanken gemacht hat. Es kam mir nicht ein einziges Mal in den Sinn.“ Eine weitere Person witzelte: „Ah, ja. Das ist es, was jedes moderne, realitätsferne Märchen braucht: Eine detaillierte Aufschlüsselung darüber, wie sicher der Sex ist.“ Es gab aber auch gegenteilige Stimmen: „Ich weiß nicht, wer das hören muss“, schrieb ein Fan. „Aber ihr solltet auch Kondome benutzen, wenn ihr PrEP nehmt.“

Kondome im Trend

Zuletzt waren die Verkaufszahlen von Kondomen weltweit stark zurückgegangen. Dennoch rücken einige Shows und Prominente sie nun wieder in den Mittelpunkt. So zum Beispiel „Sex and the City“-Nachfolger „And Just Like That“, bei dem Charlotte (Kristin Davis) einen Schneesturm überwindet, um ihrer Tochter Kondome für ihr erstes Mal zu bringen.

Eine hochschwangere Rihanna veröffentlichte zudem ein Selfie, auf dem sie ein riesiges schwarzes Shirt mit der Aufschrift „Use a Condom“ („Benutz ein Kondom“) trägt. Um die Welt ging auch ein Foto von Julia Fox’ mit Kondomen verziertem halb-durchsichtigen Top. Daneben kommen auch immer mehr Designer-Kondome auf den Markt. So zum Beispiel in Goldfolie verpackte Gummis von Yves Saint Laurent oder Omar Apollos geplante Kondome mit „Tamagotchi“-Thema (SCHWULISSIMO berichtete).

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