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Leserumfrage // © blackCAT
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Leserumfrage - „Stay Home!“ wie hast du die Zeit verbracht?

vvg - 06.06.2020 - 09:00 Uhr

Als am 15.3. alle Geschäfte schliessen mussten, war ich in Thailand und habe dies durch Nachrichten und Telefonate mitbekommen. Auch in Thailand kam kurzfristig der Lock-down, ohne vorherige Informationen. Es war beängstigend, nicht zu wissen, was noch erlaubt ist und was nicht. Im Hotel waren wir nur drei Gäste und machten uns Sorgen, dass auch das Hotel kurzfristig schliessen könnte. Mein geplanter Rückflug war am 28.3., eine Umbuchung war nicht möglich, da alle Flüge restlos überfüllt waren. Glücklicherweise bekam ich einen anderen Rückflug - natürlich neu gebucht, aber ich war froh nach Hause zu kommen. Am Flughafen Bangkok war es die einzige Maschine am Abend. Die Atmosphäre war dem entsprechend gespenstisch.

Glücklich wieder in Köln bei meinem Mann zu sein und über Sorgen und Ängste sprechen zu können, hat uns beiden sehr gutgetan. Ungewohnt war es, so viel gemeinsame wertvolle Zeit zu haben. Wir sind Wandern gegangen oder haben am Rhein oder anderen Plätzen gelegen und gelesen. Leider haben die geschäftlichen Sorgen die schönen Stunden deutlich überschattet. Zukunftsängste, die auch jetzt noch bestehen, Sorgen um die Existenz unserer Betriebe und auch unserer Mitarbeiter, die mit Kurzarbeit kaum über die Runden kommen und natürlich die Frage, wie lange halten wir finanziell durch? Wann und ob können wir wieder öffnen? Die finanziellen Hilfen der Regierung sind bei weitem nicht ausreichend - vor allem für Betriebe wie unsere Phoenix Sauna, die auch weiterhin nicht öffnen kann, aber auch für die Gastronomie, die nur sehr eingeschränkt öffnen darf.

Es ist aber sehr hilfreich, einen so großartigen Ehemann zu haben, der mir viel Kraft gibt und ich hoffe sehr, alles wird gut.

Bernt Ide, Köln

Bernt Ide // © VVG

Die letzten Wochen habe ich hauptsächlich damit verbracht, in meinem Beruf als Lehrer, meine Schülerinnen und Schüler optimal zu versorgen. Ich habe Aufgaben gestellt, Videochats und Webinare durchgeführt und sehr viel technischen Support geleistet bei Eltern und Schülern. Man war irgendwie gefühlt rund um die Uhr im Einsatz, denn die Fragen der Eltern und Schüler kamen auch abends oder am Wochenende.

Leider blieb bei dieser ganzen beruflichen Aktivität wenig Zeit für die Arbeit in der Community. Okay, die Absage der Veranstaltungen war das eine, aber eine Planung für alternative Veranstaltungen oder einen Umstieg auf Online-Varianten sind dabei leider komplett liegen geblieben. Wir haben uns natürlich im CSD-Team ausgetauscht, aber jeder stellt fest, dass er mit seiner persönlichen Situation doch mehr beschäftigt ist als gedacht.

Wir sind aber optimistisch, dass wir in diesem Jahr noch Alternativen entwickeln können. Persönlich habe ich jedoch wieder mehr für mich getan. Ich habe angefangen mit dem Joggen. Direkt an meiner Wohnung liegt ein sehr schöner Wald und so jogge ich meistens alle zwei, drei Tage meine Runde. Und auch den Weg zur Arbeit nehme ich nun jeden Morgen mit dem Rad anstatt mit dem Auto. Ich stelle fest, dass ich Dinge wieder ganz anders genieße und wahrnehme. Ich lasse mir mehr Zeit, weil es durch Hektik und Stress auch nicht besser oder schneller geht. Aus der „Corona-Zeit“ habe ich auf jeden Fall für mich mehr Ruhe und Gelassenheit mitgenommen. Und so bleibt auch mehr Zeit für meinen Mann und unsere Partnerschaft.

Christian Karus, Lehrer, Duisburg

Christian Karus // © vvg

Die Corona-Situation hat alle hart getroffen. Seit Mitte März arbeite ich im Homeoffice und stelle fest, wie gut es mir im Gegensatz zu anderen geht. In der Gesellschaft bricht das komplette Leben zusammen, viele sind allein und kommen psychisch damit schlecht zurecht. Auch Existenzängste machen den Menschen zu schaffen. Gemeinsam mit dem KluST-Vorstand habe ich die Zeit dazu genutzt, den diesjährigen IDAHOBIT am 17. Mai zu einem besonderen werden zu lassen. Auch wenn die Kontaktsperre unsere Sichtbarkeit einschränkt, werden wir über eine zweistündige Webshow am 17. Mai ab 17 Uhr uns jetzt erst recht zeigen und auf die weltweit schwierigen Situationen aufmerksam machen.

Ich persönlich habe das Gefühl, daß in der Gesellschaft das Miteinander und füreinander mehr Anerkennung gewonnen hat - Hilfeleisten ist selbstverständlicher geworden. Leider hat diese derzeitige Situation aber auch Platz für Verschwörungstheoretiker geschaffen, was von Menschen mit rechtem Gedankengut schamlos ausgenutzt wird. Hier müssen wir aufpassen, daß solche Gruppierungen nicht noch größeren Zuspruch erhalten. Das wäre gefährlich für die Community, aber auch für alle anderen offen denkenden Menschen in unserer Gesellschaft.

Umso wichtiger wäre gerade jetzt der ColognePride im Juli. Leider ist eine Durchführung nicht möglich! Der KluST-Vorstand hat sich deshalb bewusst für einen Alternativtermin am 9. bis 11. Oktober 2020 entschieden. Wie genau dieser aussehen wird, kann erst in Zukunft entschieden werden, da die weitere Entwicklung der Pandemie eine große Rolle spielen wird. Es ist geplant, verschiedene Institutionen zur Durchführung von Veranstaltungen aufzurufen. Derzeitig können aber leider keine Aussagen zur Demonstration und dem Straßenfest getroffen werden. Wir wünschten uns, wir wüßten schon mehr!

Die Pride Saison im Jahr 2020 wird sicherlich weltweit anders sein, wir werden trotzdem gemeinsam Flagge zeigen.

Hugo Winkels, Pressesprecher des KluST, Köln

Hugo Winkels // © vvg

Gerade auch für uns Künstler ist die Dauer dieser Corona-Pandemie eine schreckliche Zeit. Die Theater sind geschlossen, Dreharbeiten liegen auf Eis, bzw. wurden verschoben, Inszenierungen abgesagt … Mir sind sämtliche Verträge bis November weggebrochen. Verträge für das Kleine Theater Berlin, wo ich den Chauffeur in "Miss Daisy und ihr Chauffeur" spiele, Verträge für die Kammerspiele Hamburg, wo ich im Musical "Addams Family" spiele und auch die Wiederaufnahme von "Ich bin nicht Rappaport", einer Inszenierung der Hamburger Kammerspiele, mit mir in einer Hauptrolle, wackelt. Gastspiele wurden abgesagt. Und auch Gastspielvertragsverhandlungen mit Kreuzfahrtschiffen mussten gestoppt werden. Mir brechen knapp 60 Vorstellungen weg und keiner kann sagen, wie es weitergeht. Man fühlt sich als Künstler plötzlich sehr wenig "systemrelevant", obwohl die Menschen (inkl. Politiker) den ganzen Tag Kunst und Kultur genießen. Wenn sie Radio hören oder den Fernseher einschalten, überall sind Künstler für sie da, die diese Zeit erträglicher machen.  

Normalerweise gibt es in diesem Land 20 Millionen Theaterbesuche jährlich (die Bundesliga hat 13 Millionen Besucher), Menschen stehen vor Galerien Schlange oder reisen meilenweit um kulturelle Höhepunkte, wie Rockfestivals und dergleichen zu erleben.

Natürlich kann man zuhause kleine Filmchen für das Internet drehen. Mein Kurzfilm heißt "Papierkram" und man findet ihn auf YouTube. (Für Online: https://www.youtube.com/watch?v=djYyLz7qvNA&t=7s)

Viele Künstler bemühen sich wirklich, die Menschen in den sozialen Netzwerken zu unterhalten. Ich befürchte aber, dass das nur wieder eine neue Runde dieser um sich greifenden Gratismentalität fördert. Es wird von uns nicht jeder gleich vom Bühnenkünstler zum profitablen Influencer. Geiz ist nicht geil. Ich drücke allen meinen Kollegen die Daumen, dass sie diese Scheißzeit irgendwie über die Runden bringen. Kunst hat auch mit Berufung zu tun. Insofern trifft uns dieses momentane Berufsverbot doppelt hart.

Pierre Sanoussi Bliss, Schauspieler, Berlin

Pierre Sanoussi Bliss // © vvg

Ich komme aus Recife/Brasilien und lebe seit 14 Jahren in Köln. Ich besuchte meine Schwester, die in Düsseldorf lebt und bin der Liebe wegen geblieben. Ich habe als Tänzer gearbeitet, heute bin ich Kostüm- und Maskenbildner. Eine andere Schwester lebt in der Schweiz, unsere Mutter immer noch in Brasilien sowie meine weiteren Geschwister. Die ersten beiden Wochen der Einschränkungen habe ich es gemacht wie fast jeder: geputzt, gekocht, gewaschen, renoviert und Netflix geschaut. Nach zwei Wochen war ich ziemlich deprimiert, wegen der Sorge um meine Existenz und meine kranke Mutter.

Meine Schwestern aus der Schweiz und aus Düsseldorf sind nach Brasilien geflogen, um Sie zu unterstützen. Ich wollte auch nach Brasilien fliegen, hatte jedoch andere Verpflichtungen und bin deshalb in Deutschland geblieben. Meine Schwester aus Düsseldorf ist in einem Hotel gestrandet, welches sie nicht verlassen darf und somit auch unserer Mutter nicht sehen kann. Meine Schwester aus der Schweiz hat ihre eigene Familie und ihre Kinder schon drei Monate nicht gesehen. Wenn ich beobachte, wie unverantwortlich und menschenverachtend der brasilianische Präsident in der Pandemie regiert, könnte ich einfach nur Kot***. Er ist noch schlimmer als Trump.

Nach zwei Wochen kam zum Glück ein Freund, der im Krankenhaus arbeitet, auf mich zu und fragte, ob ich Schutz-Masken nähen kann, weil es zu wenig für alle gibt. So hatte ich eine neue Aufgabe, nachdem zuvor alles weggebrochen war und die Möglichkeit, meine Zeit zum Nutzen für Alle sinnvoll zu verbringen. Das war die Rettung für mich und ich bin abgelenkt, um mich nicht ständig zu sorgen. Ich weiß nicht, ob ich meine Familie jemals wiedersehe...

Es wird alles weitergehen, aber wann und wie?

Plinio Doublet, Kostüm- und Maskenbildner, Köln

Plinio Doublet // © vvg

Ich bin Gastronom in Köln und führe die Station 2B. Anfangs habe ich alle Möglichkeiten ausgelotet, welche existenzrettenden Maßnahmen ich ergreifen kann. Was verlangt die aktuelle Situation, welche Auflagen habe ich städtisch, landes- oder bundesweit zu erfüllen? Welche Unterstützungen und Hilfen kann ich beantragen, wie meinem Personal helfen? Da ich in meiner GmbH angestellter Geschäftsführer bin, fiel mein Lohn weg und ich habe Grundsicherung beantragt, welches bis heute in den Mühlen der Bürokratie bearbeitet wird. Ich habe also derzeit kein Einkommen.

Anfang März bin ich noch umgezogen. Zuerst hatten keine Geschäfte geöffnet, um meine Wohnung einzurichten, heute möchte ich nicht unnötig Geld ausgeben, weil ich nicht weiß, wie es weitergeht. So lebe ich derzeit in meiner unfertigen Wohnung zwischen den Umzugskartons. Ich bin froh einen Partner zu haben und dadurch genügend Abwechslung. Bei dem schönen Wetter konnten wir unter Beachtung aller Corona-Regeln mit unserem Hund Ausflüge in die nähere Umgebung machen.

Ich bin auch Mitglied im Vorstand der Kölner Aidshilfe, wobei wir aber nicht organisatorisch in den Tagesablauf eingebunden sind. Wir haben uns im Vorstand mit der Geschäftsleitung getroffen und gemeinsam einen Plan für diese Corona-Situation besprochen. Der Betrieb der AH selbst ruhte nicht, aber das Besuchs- und Testangebot gab es vorübergehend nicht. Es gab telefonische Betreuung und ein Community-Telefon. Neben der Bedrohung durch die Pandemie, gibt es ja aufgrund der getroffenen Maßnahmen auch Folgeerscheinungen wie Depressionen. Es gibt offene Fragen zu Wechselwirkungen von Corona und HI-Viren oder zu Sex in dieser Zeit. Sex wird auch in Corona-Pandemie-Zeiten stattfinden, da ist es gut sich über die bekannten Ansteckungswege zu informieren.

Übrigens wäre ich jetzt gerade ohne die Pandemie eine Woche auf Gran Canaria im Urlaub.

Stephan Claasen

Stephan Claasen // © vvg

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