Direkt zum Inhalt
„Skandalöse“ Politik der Ampel

„Skandalöse“ Politik der Ampel LGBTI*-Flüchtlinge sollen laut LSVD als besonders schützenswürdig anerkannt werden.

ms - 09.06.2023 - 12:30 Uhr
Loading audio player...

Der gestern geschlossene Kompromiss in der europäischen Asylpolitik sorgt in Deutschland für kontroverse Debatten – der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) lehnt die Einigung der EU-Innenminister komplett ab.

Neue Pläne für die Asylpolitik

Die Pläne sehen einen restriktiveren Umgang mit Migranten ohne Bleibeperspektive vor. Angedacht sind dabei deutlich schnellere Asylverfahren an den Außengrenzen Europas, dazu soll es in Grenznähe sogenannte Asylzentren geben – von dort aus können Migranten ohne Asyl dann direkt abgeschoben werden.

Davon betroffen sind nur Menschen, die eine sehr geringe Anerkennungsquote haben, beispielsweise Personen aus der Türkei, Indien, Tunesien, Serbien oder Albanien. Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan erhalten weiterhin ein normales Asylverfahren. Abgelehnte Migranten sollen dann auch in sichere Drittstaaten abgeschoben werden können, wenn sie auf ihrer Reise nach Europa dort durchgereist sind (beispielsweise Tunesien oder Albanien). Das Vorhaben soll nun im EU-Gesetzgebungsprozess bis Anfang 2024 verhandelt werden.

Politik der Ampel sei „skandalös“

Der LSVD kritisiert scharf, dass sich die Ampel-Koalition bei den Verhandlungen „nicht einmal ansatzweise“ für Sonderregelungen für LGBTI*-Flüchtlinge eingesetzt habe. Philipp Braun aus dem Bundesvorstand dazu: „Wir sind entsetzt, dass die Ampelkoalition diesem Vorhaben trotz schwerwiegender Bedenken zugestimmt hat. Dass die Bundesregierung ihren eigenen queerpolitischen Aufbruch ignoriert und nicht einmal den Versuch unternommen hat, für besonders schutzbedürftige Asylsuchende, wie beispielsweise queere Geflüchtete, einen Schutzmechanismus zu etablieren, ist skandalös. Noch mehr verstört, dass Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) diese katastrophale Verschärfung des Asylrechts als historische Entscheidung begrüßt und Bundesaußenministerin Baerbock den Schritt als seit Jahren überfällig benennt.“

Grüne sind zerstritten

Die Grünen zeigen sich in der Tat heute besonders zerstritten zu diesem Thema; während Grünen-Vorsitzender Omid Nouripour erklärte, wichtig sei, dass es signifikante Verbesserungen für diejenigen gebe, die Schutz suchten, erklärte die zweite Vorsitzende Ricarda Lang, Deutschland hätte dem Kompromiss nicht zustimmen dürfen. Außenministerin Annalena Baerbock sowie Wirtschaftsminister Robert Habeck stellten sich zähneknirschend hinter den Asylkompromiss.

Abschiebung von LGBTI*-Flüchtlingen?

Braun vom LSVD dazu: „Anfang des Jahres hatte der Bundestag in einer Gedenkstunde der queeren Opfer des Nationalsozialismus gedacht und sich der daraus erwachsenden besonderen Verantwortung gestellt. Nicht einmal ein halbes Jahr später vergeht sich die Bundesregierung mit ihrer Zustimmung zur EU-Asylreform in nie da gewesener Härte an den an den Schutzrechten LSBTIQ* Geflüchteter. Nicht einmal ein halbes Jahr, nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz im Bundestag zuhörte, wie Klaus Schirdewahn ihm von seiner Verfolgung in der Bundesrepublik berichtete, stimmt die von ihm geführte Bundesregierung einer Asylrechtsverschärfung zu, die haftähnliche Zustände an den EU-Außengrenzen etabliert und queeren Geflüchtete jeglichen Schutz versagt. Asylsuchende könnten mit dem Gesetzesvorschlag auch in Staaten abgeschoben werden, in denen sie noch nie waren und in denen sie - davon ist auszugehen - auch nicht sicher sind.“

Besonderer Schutz für LGBTI*-Flüchtlinge?

Der LSVD fordert so die Mitglieder des EU-Parlaments sowie vor allem die drei Ampel-Parteien in Deutschland auf, sich an ihre Wahlkampfversprechen zu erinnern und dem „historischen Verrat“ nicht zuzustimmen. LGBTI*-Menschen müssten im Rahmen der Grenzverfahren als „besonders schutzbedürftige“ Gruppe anerkannt werden. Zudem sollten LGBTI*-Organisationen Zugang zu den Asylzentren bekommen, um die Sicherheit von LGBTI*-Flüchtlingen sicherzustellen.

Lob für den Asylkompromiss kommt heute seitens der Union sowie von der AfD. Der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber (CSU), erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass für jeden, der versuche, illegal nach Europa einzureisen, künftig an der Außengrenze Schluss sei.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Spin-Off von Heated Rivalry

Spekulationen über neue HR-Serie

Wird es ein Spin-Off der schwulen Hit-Serie "Heated Rivalry" geben, in der es um das schwule Paar Scott und Kip geht? Es gibt erste Anzeichen dafür...
US-Paralympionike Jake Adicoff

Zwei Goldmedaillen bei Olympia

US-Paralympionike Jake Adicoff hat bereits zwei Goldmedaillen bei Olympia gewonnen, am Wochenende will er zwei weitere gewinnen.
Präzedenzfall in den USA

Gefahr für alle trans* Menschen

Ein US-Bundesgericht hat nun ein Verbot von geschlechtsangleichender Medizin bei erwachsenen trans* Personen bekräftigt. Ein Präzedenzfall für die USA
Schuldspruch in Belgien

15 Jahre Haft für grausame Bluttat

Urteilsspruch: 15 Jahre Haft für drei junge Männer, die 2021 in Belgien einen schwulen 42-Jährigen mittels Grindr in eine Falle lockten und töteten.
Social-Media-Verbot

Bundespräsident Steinmeier dafür

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich jetzt nach Bundeskanzler Merz auch für ein Verbot von Social-Media für Jugendliche ausgesprochen.
Vorfreude auf den ESC 2026

Songs und Bühnenshow stehen fest

Kribbeln im Bauch dank ESC? Jetzt stehen die 35 Songs für 2026 fest und auch die Bühnenshow verspricht ein einmaliges Erlebnis in Wien zu werden.
Urteilsspruch in Augsburg

Haftstrafe für homophobe Schläger

Vier Männer wurden in Augsburg jetzt zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie brutal auf ein schwules Paar eingeschlagen hatten.
Missbrauch in der Kirche

93 Millionen Euro für die Opfer

Die katholische Kirche in Deutschland hat in den letzten fünf Jahren rund 93 Millionen Euro an die Opfer von sexuellem Missbrauch bezahlt.
"Homosexuelle oft Mutigste"

Starke Rede von Ex-Bundespräsident

Ex-Bundespräsident Christian Wulff ruft dazu auf, dass sich die Mehrheit der Gesellschaft aktiver für Rechte der queeren Community, engagieren müsse.