Burnhams Kabinett im Fokus Labour vor vielen offenen LGBTIQ+-Fragen
Nach dem Amtsantritt von Andy Burnham als britischem Premierminister richtet sich der Blick auf die Positionen seines Kabinetts zu LGBTIQ+-Themen. Während Burnham in seiner ersten Rede vor dem Regierungssitz in der Downing Street keine LGBTIQ+-Fragen erwähnte, verweist seine politische Laufbahn auf eine langjährige Unterstützung für Gleichstellung und den Schutz queerer Menschen. Gilt gleiches auch für sein neues Kabinett?
Das Wichtigste im Überblick
- Andy Burnham ist neuer britischer Premierminister und hat sein Kabinett vorgestellt.
- Viele Ministerinnen und Minister unterstützen LGBTIQ+-Rechte, ihre Positionen zu trans* Themen unterscheiden sich jedoch.
- Besonders die Folgen des Supreme-Court-Urteils zur Definition von Geschlecht sorgen für Debatten.
- Gesundheits-, Justiz- und Gleichstellungspolitik stehen im Mittelpunkt der Diskussionen.
- Mehrere Kabinettsmitglieder haben sich für Schutz vor Diskriminierung ausgesprochen.
Labour und LGBTIQ+-Rechte
Burnham hat sich wiederholt für LGBTIQ+-Communitys eingesetzt, Pride-Veranstaltungen unterstützt und sich gegen Diskriminierung ausgesprochen. Seine Haltung zu trans* Rechten hat jedoch auch Kritik ausgelöst. Nach dem Urteil des britischen Supreme Courts zur rechtlichen Definition von Geschlecht im April 2025 erklärte Burnham, die Entscheidung und die anschließenden Leitlinien der Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission müssten „auf die fairste und mitfühlendste Weise umgesetzt werden“. Zugleich betonte er, der Schutz geschlechtsspezifischer Räume müsse gewährleistet werden, ohne „bereits marginalisierte Gemeinschaften weiter auszugrenzen“. Das Urteil dürfe nicht als Sieg einer Seite über die andere verstanden werden. Die Richter hatten damals festgelegt, dass sich der Begriff „Geschlecht“ im Gleichstellungsgesetz von 2010 rechtlich auf das biologische Geschlecht bezieht. Damit gelten für bestimmte geschlechtsspezifische Schutzbereiche und Regelungen nicht die Geschlechtsidentität oder eine rechtliche Anerkennung des Geschlechts, sondern das bei der Geburt festgestellte Geschlecht als maßgebliche Grundlage.
Blick aufs Kabinett
Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Mitglieder seines Kabinetts. Als Schatzkanzler kontrolliert John Healey die öffentlichen Finanzen und damit auch Bereiche, die LGBTIQ+-Menschen betreffen – etwa Gesundheitsversorgung, HIV-Prävention und Gleichstellungsprogramme. Healey setzte sich insbesondere für LGBTIQ+-Veteranen ein, die unter dem früheren Verbot homosexueller Menschen im britischen Militär gelitten hatten. 2024 bezeichnete er dieses Verbot als „zutiefst falsch“. Während seiner Zeit als Verteidigungsminister initiierte er den LGBT Financial Recognition Scheme, einen Fonds über 75 Millionen Pfund zur Entschädigung betroffener Militärangehöriger. Bei trans* Themen vertritt Healey eine zurückhaltendere Linie. Er unterstützt den Schutz von trans* Menschen vor Diskriminierung, akzeptiert aber die Entscheidung des Supreme Courts zur Definition von Geschlecht im Equality Act 2010. Zudem begrüßte er das Vorhaben der Labour-Regierung, ein Verbot von Konversionstherapien mit Schutz für trans* Menschen einzuführen.
Außen- und Innenministerium
Der frühere Labour-Chef Ed Miliband wurde Außenminister. Damit kann er Einfluss auf den Schutz von LGBTIQ+-Menschen weltweit nehmen. Während seiner Zeit als Labour-Vorsitzender unterstützte Miliband die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, den Kampf gegen Diskriminierung und die Teilnahme an Pride-Veranstaltungen. Zu trans* Themen äußerte er sich bislang weniger ausführlich. In einem Interview mit Sky News sagte er: „Ich glaube nicht, dass wir ein pauschales Verbot für die Teilnahme von trans* Frauen im Frauensport haben sollten.“ Entscheidungen sollten aus seiner Sicht den jeweiligen Sportverbänden überlassen werden.
Innenministerin Shabana Mahmood ist unter anderem für Asylpolitik zuständig, die auch für LGBTIQ+-Menschen relevant ist, die vor Verfolgung und Gewalt in ihrer Heimat fliehen. Mahmood unterstützte in der Vergangenheit die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Kritik gab es jedoch 2019 nach Äußerungen zu LGBTIQ+-inklusivem Unterricht an Grundschulen. Sie forderte damals, den religiösen Hintergrund und die Altersangemessenheit von Unterrichtsinhalten zu berücksichtigen. Später stellte sie klar: „Nirgendwo habe ich gesagt, dass LGBT-Beziehungen nicht unterrichtet werden sollten – denn das ist nicht meine Position.“ Zudem erklärte sie: „Nirgendwo habe ich eine Rückkehr zu den Tagen von Section 28 gefordert – denn dieses Gesetz war ein entmenschlichender Makel, der zu Recht von einer Labour-Regierung abgeschafft wurde.“ Bei trans* Fragen sorgten Aussagen zugunsten sogenannter genderkritischer Positionen für Diskussionen. Gegenüber dem Telegraph sagte sie: „Sie sollten nicht ihre Jobs verlieren, weil sie Ansichten vertreten, die vollkommen legal sind und die sie vollkommen berechtigt sind auszudrücken.“
Gesundheits- und Bildungspolitik
Besondere Aufmerksamkeit gilt Wes Streeting und Yvette Cooper wegen ihrer Zuständigkeit für Gesundheitspolitik. Streeting, selbst offen schwul, war zuvor Gesundheitsminister. Während seiner Amtszeit wurden Einschränkungen beim Zugang zu Pubertätsblockern für unter 18-jährige trans* Personen eingeführt. Grundlage war unter anderem der Cass-Report. Zehn LGBTIQ+-Jugendorganisationen hatten Streeting erfolglos aufgefordert, diese Einschränkungen zurückzunehmen und „anzufangen, den trans* Jugendlichen zuzuhören, die von seinen Entscheidungen betroffen sind“.
Seine Nachfolgerin Yvette Cooper gilt als Unterstützerin gleichgeschlechtlicher Ehen und hatte sich zuvor für mögliche nicht-binäre Pässe ausgesprochen. 2022 lehnte sie es ab, eine Definition dafür zu geben, was eine Frau sei. Bildungsministerin Lucy Powell äußerte sich grundsätzlich unterstützend zu LGBTIQ+-Rechten. Sie sagte: „Ich bin eine Frau, ich bin Feministin und ich sehe überhaupt keinen Widerspruch darin, eine Frau zu sein und gleichzeitig die trans* Community dabei zu unterstützen, sich einbezogen zu fühlen und ihre Rechte zu haben.“ Powell begrüßte zudem ein geplantes Verbot von Konversionstherapien.
Gleichstellungspolitik bleibt umstritten
Gleichstellungsministerin Bridget Phillipson steht wegen der Umsetzung neuer Leitlinien zu geschlechtsspezifischen Räumen im Mittelpunkt der Debatte. Die Vorgaben der Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission sollen ab August 2026 gelten und sehen vor, dass bestimmte geschlechtsspezifische Angebote auf Grundlage des biologischen Geschlechts organisiert werden. Trans* Organisationen kritisieren die Regelung. Trans Actual erklärte: „Der neu veröffentlichte EHRC-Verhaltenskodex lässt trans* Menschen im Vereinigten Königreich heute mit weniger Rechten zurück als vor dem Urteil des Supreme Courts im vergangenen Jahr.“ Justizminister Alex Norris unterstützt LGBTIQ+-Gleichstellung, stärkere Maßnahmen gegen Hasskriminalität und den Schutz von trans* Menschen. Gleichzeitig befürwortet er eine Diagnose von Geschlechtsdysphorie als Teil des Verfahrens zur Anerkennung des Geschlechts.
Homosexuelle Mitglieder im Kabinett
Umweltministerin Angela Eagle ist eine von zwei offen homosexuellen Personen im Kabinett Burnhams. Sie schrieb 1997 Geschichte, als sie als erste Frau im britischen Unterhaus öffentlich als lesbisch auftrat. Eagle unterstützte unter anderem das Gesetz über eingetragene Lebenspartnerschaften, strengere Regeln gegen homosexuellenfeindliche Hasskriminalität und ein inklusives Verbot von Konversionstherapien. Auch Nordirland-Minister Sir Chris Bryant ist offen homosexuell. Er betonte zum Pride Monat 2026 die Bedeutung der Bewegung und warnte vor anhaltender Diskriminierung. „Wenn Menschen missbraucht werden, weil sie eine Transition anstreben, wenn trans* Menschen als weniger wert als andere Menschen behandelt werden“, müsse weiterhin gegen Ausgrenzung vorgegangen werden, sagte Bryant.