Direkt zum Inhalt

Homosexuelle Partnerschaft Immer mehr Politiker unterstützen das Vorhaben

Von ms - 06.04.2023 - 14:00 Uhr
Homosexuelle Partnerschaft
Foto: IMAGO / Ukrinform
ANZEIGE
Loading audio player...

Erst vor wenigen Wochen Anfang März hatten ukrainische Abgeordnete um die Politikerin Inna Sovsun (siehe Bild) verkündet, die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften umsetzen zu wollen – die Stimmung im Land würde sich nach und nach ändern und immer mehr Ukrainer stehen den Rechten von Homosexuellen positiver gegenüber.

Inzwischen unterstützen immer mehr Politiker verschiedener Parteien im Land das Vorhaben, sodass die Chancen für eine tatsächliche Umsetzung realistischer werden. Bereits im vergangenen August hatten rund 28.000 Menschen in einer Petition die Einführung der gesetzlichen Partnerschaft für Schwule und Lesben eingefordert.

Keine Zeit zum Zögern!

Aktuell geht der Gesetzentwurf seinen Weg durch das Parlament. Dabei betont Sovsun, Mitglied in der kleinsten Oppositionspartei Holos, immer wieder, dass gerade auch die Tapferkeit von Schwulen und Lesben seit Kriegsbeginn zu einem Umdenken in der Bevölkerung geführt habe. Laut der Politikerin unterstützen inzwischen 56 Prozent der Ukrainer das Vorhaben.

Ein Aspekt dabei ist auch, dass Partner von verletzten homosexuellen Soldaten in der Ukraine bisher keinerlei Rechte haben, beispielsweise bei der medizinischen Behandlung. „Die Ukrainer können nicht länger auf die Gleichberechtigung warten. Wir müssen es sofort tun. LGBT-Ukrainer verdienen es, eine Familie zu haben. Jeder Tag kann ihr letzter sein. Genau wie für jeden anderen Ukrainer. Es gibt keine Zeit zum Zögern!“, so Sovsun weiter.

Eine Frage der Zeit

Inzwischen haben sich 17 weitere Abgeordnete als Mitverfasser dem Gesetzentwurf angeschlossen, darunter auch Mitglieder der regierenden Partei Diener des Volkes von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Dieser hatte bereits mehrfach grundsätzlich seine Bereitschaft für mehr Rechte für Homosexuelle bekundet, erklärte aber auch, dass es die Verfassung nicht zulassen würde, in Kriegszeiten Gesetze zu ändern.

Sovsun selbst zeigte sich trotzdem siegessicher: „Angesichts der Unterstützung der beiden Fraktionen ist die Verabschiedung des Gesetzentwurfs durchaus realistisch, aber es ist noch viel Lobbyarbeit und Arbeit mit den Abgeordneten von Holos und Diener des Volkes, die unentschlossen oder dagegen sind, nötig, um die notwendigen 226 Stimmen zu sammeln. Es wird definitiv geschehen. Es ist nur eine Frage der Zeit.“

Umdenken in der Bevölkerung

Bis vor wenigen Jahren galt die Ukraine noch als Brutstätte für Homophobie, erst in den letzten zehn Jahren änderte sich schrittweise langsam das Klima gegenüber LGBTI*-Menschen. Im Jahr 2012 wurde trotzdem die erste Kiewer Pride-Parade abgesagt, als etwa einhundert LGBTI*-Aktivisten von Tausenden gewalttätiger Gegendemonstranten bedroht wurden. Im Jahr 2021 kehrte sich die Dynamik um: Rund 7.000 LGBTI*-Menschen und Verbündete marschierten mit beim Pride und wurden nur von ein paar hundert Gegendemonstranten empfangen.

Dass es seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine einen bemerkenswerten Anstieg der Akzeptanz von LGBTI* gibt, bestätigt auch der Direktor von KyivPride, Lenny Emson. Vor allem die junge Generation richte sich mehr denn je Richtung Europa aus und wolle auch die europäischen Werte übernehmen. Ähnlich sieht das auch Olha Onipko, Organisatorin der KyivPride: „Die Meinung über LGBT-Menschen hat sich dramatisch verändert. Viele Menschen verstehen inzwischen, dass Dinge wie sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht sehr wichtig sind, wenn man von diesen Menschen gerettet wird. Ich finde das erstaunlich.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungNews-Überblick: Das sind die Nachrichten des TagesSüddeutsche Zeitung„Sextortion“ in München: Er wollte sich zum Sex treffen. Dann wurde er erpresstrbb24Queere Demo in Kreuzberg: Mehrere tausend Menschen fordern Schutz queeren LebensndQueeres Leben | Casa Kuá Demo in Berlin: »Hände weg von Trans Leben!«Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Taiwan Pride setzt ein Zeichen

Solidarität statt Ausgrenzung

Vor der Pride am 31. Oktober fordern die Organisatoren Respekt für queere Menschen mit Behinderung, HIV und unterschiedlichen sexuellen Lebensweisen.
Phuket übt den queeren Empfang

InterPride tagt erstmals in Asien

Vor der InterPride-Konferenz schult Phuket Personal im Umgang mit internationalen LGBTIQ+-Gästen. Der Kongress beginnt am 29. Oktober.
Iga lehnt Ehe-Anmeldung ab

Bürgermeister fordert Reform

Die japanische Stadt Iga wollte die Ehe-Anmeldung eines gleichgeschlechtlichen Paars prüfen. Die Justizbehörde bestand auf einer Ablehnung.
Ärger um den sexy Jesus

Film lief trotz Protest in Genf

Civitas wollte „Hunky Jesus“ aus dem Genfer Festivalprogramm drängen. Der Film lief trotzdem. Nun erwägt die Organisation eine Anzeige.
Schwuler Tory sagt Tschüss

Boff geht im Menschenrechtsstreit

Andrew Boff verlässt die Konservativen. Der Londoner Politiker will am Schutz durch die Europäische Menschenrechtskonvention festhalten.
Stars zeigen Solidarität

Berlin feiert für die Aids-Hilfe

Sven Ratzke, T-Seven und The Baseballs: Am 2. November steigt „Künstler gegen Aids“. Annabelle Mandeng führt durch die Berliner Gala.
Comeback für das Kurioos

Neustart am 29. Oktober

Das Kurioos öffnet am 29. Oktober um 18 Uhr wieder. Kevin Bauer übernimmt die queere Koblenzer Bar – und startet rauchfrei.
Urteil nach Schwulen-Hetze

Ex-AfD-Mann fehlt bei Verkündung

800 Euro Geldstrafe nach homophoben Beleidigungen in Hamburg: Ein früherer AfD-Kommunalpolitiker erschien nicht zur Urteilsverkündung.
Messerangriff vor Bussi Bar

Zwei Helfer schwer verletzt

Vor der queerfreundlichen Bussi Bar in Berlin wurden zwei Helfer mit einem Messer verletzt. Zuvor hatte ein Trio eine Mitarbeiterin angegriffen.