Direkt zum Inhalt

Lage der Nation „Die Sicherheit und die Würde von LGBTI*-Amerikanern werden im ganzen Land angegriffen!“

Von ms - 08.02.2023 - 12:00 Uhr
Lage der Nation
Foto: IMAGO / SNA
ANZEIGE
Loading audio player...

Erneut hat sich Präsident Joe Biden wie bei seiner letzten Rede zur Lage der Nation 2022 auch in diesem Jahr am gestrigen Dienstagabend abermals für das Gleichstellungsgesetz (Equality Act) stark gemacht, das vor allem LGBTI*-Amerikaner und ihre Rechte schützen soll. So erklärte er: "Lassen Sie uns das überparteiliche Gleichstellungsgesetz verabschieden, um sicherzustellen, dass LGBTI*-Amerikaner, insbesondere Transgender-Jugendliche, in Sicherheit und Würde leben können!"

Mehr Diskriminierungsschutz für LGBTI*

Das Gleichstellungsgesetz würde den gesetzlichen Schutz der Bürger vor Diskriminierung in Bereichen wie Wohnen und Beschäftigung auf LGBTI*-Amerikaner ausweiten. Bisher scheiterte das Vorhaben immer wieder seitens der Republikaner, die auch mit über 450 Anti-LGBTI*-Gesetzesvorhaben seit Januar 2022 versuchen, genau in die entgegengesetzte politische Richtung aufzubrechen. Das Gesetz bedarf der Zustimmung des Kongresses, eine der zwei Kammern wird dabei von einer Mehrheit der Republikaner gehalten. Es ist schwer vorstellbar, dass eine ausreichende Mehrheit der Republikaner mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr jetzt für das Gesetzesvorhaben votiert. Auch Ex-Präsident Donald Trump wettere erst vergangene Woche gegen LGBTI*- und explizit auch gegen Trans-Rechte.    

USA ist lädiert, aber nicht gebrochen

Zuletzt hatte Biden bei der Unterzeichnung des neuen Bundesgesetzes zum Schutz der gleichgeschlechtlichen Ehe bekräftigt, wie wichtig das Gleichstellungsgesetz für die amerikanische LGBTI*-Community ist: "Wenn eine Person morgens heiraten kann und nachmittags aus einem Restaurant geworfen wird, weil sie schwul ist, ist das immer noch falsch", so Biden im Dezember letzten Jahres. Mit Blick auf die gesamtgesellschaftliche Lage der Vereinigten Staaten von Amerika erklärte der Präsident am gestrigen Abend, dass Amerika aus der Corona-Krise gestärkt hervorgekommen sei und reichte den Republikanern symbolisch die Hand. Allerdings stellte Biden auch mit Blick auf den Kulturkampf in den USA fest: „Die US-Demokratie ist lädiert, aber nicht gebrochen!"

Es darf niemand zurückgelassen werden

Die Direktorin der größten LGBTI*-Organisation des Landes, GLAAD, Sarah Kate Ellis erklärte nach der Rede zur Lage der Nation: „Präsident Biden bezog LGBTI*-Personen in seine Vision für ein gleichberechtigteres, freieres und mitfühlenderes Land ein. Mit seiner erneuten Aufforderung an den Kongress, das Gleichstellungsgesetz zu verabschieden und Transgender-Jugendliche zu schützen, geht der Präsident mit gutem Beispiel voran, um die Freiheit zu erweitern, damit niemand zurückgelassen wird. Der Aufruf ist dringend. Die Sicherheit und die Würde von LGBTI*-Amerikanern werden von den Gesetzgebern der Bundesstaaten im ganzen Land angegriffen, und unser Schutz ist durch die feindselige Mehrheit am Obersten Gerichtshof der USA gefährdet. Jeder Gesetzgeber und jeder Wähler muss sich für LGBTI*-Menschen einsetzen und den Schutz vor Diskriminierung sicherstellen, damit wir alle eine größere Chance haben, dazuzugehören, sicher und erfolgreich zu sein.“

Die Rede zur Lage der Nation gilt üblicherweise ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen auch als inoffizieller Auftakt zum Wahlkampf. Der 80-jährige Biden überlegt derzeit noch, ob er 2024 für eine zweite Amtszeit kandidieren will – US-Beobachter halten dies für höchst wahrscheinlich. Allerdings sind offenbar viele Anhänger seiner eigenen Demokratischen Partei Umfragen zufolge der Auffassung, dass diese für 2024 einen anderen Kandidaten aufstellen sollte.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDHomophobe Hassdelikte: Fast jeden Tag ein FallBerliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-HirschgeweihAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung
„Glee“-Stars kehren zurück

Diese Stars sind wieder dabei

Die Musicalserie „Glee“ bekommt eine Neuauflage bei Disney+ und Hulu. Die ersten Stars der Originalbesetzung haben jetzt ihre Rückkehr bestätigt.
Warnung von Édouard Louis

Krawalle erschüttern Frankreich

Nach gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich kritisiert Schriftsteller Édouard Louis die Regierung und fordert ein Verbot rechtsextremer Parteien.
Pläne für ESC 2028

Vorentscheid mit mehreren Sendern

ARD, RTL und ProSiebenSat.1 denken über einen gemeinsamen deutschen ESC-Vorentscheid nach. Eine Umsetzung wäre ab 2028 denkbar.
Angriff auf queeres Zentrum

LGBTIQ+-Banner in Cottbus zerstört

Erneut sind Regenbogenbanner an einem queeren Kulturzentrum in Cottbus beschädigt worden. Die Betreiber sprechen von Einschüchterung.
Haftstrafen nach Angriff

Homophobe Attacken mit Folgen

Nach einem brutalen homophoben Überfall auf einen schwulen 31-Jährigen Syrer in Mainz müssen zwei Landsleute für mehrere Jahre ins Gefängnis.