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Pläne für ESC 2028 RTL und ProSieben zeigen Interesse an TV-Allianz mit ARD

Von ms - 23.10.2026 - 09:00 Uhr
Pläne für ESC 2028
Foto: AI GENERATED - FASH Medien
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Der deutsche Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) könnte künftig von mehreren großen Fernsehsendern gemeinsam veranstaltet werden. ARD-Programmdirektorin Christine Strobl hat sich für eine umfassendere Zusammenarbeit zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Anbietern ausgesprochen. Auch Vertreter von RTL und ProSiebenSat.1 zeigten sich grundsätzlich interessiert.

Das Wichtigste im Überblick

  • Neue Sender-Allianz: ARD-Programmdirektorin Christine Strobl möchte den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest künftig gemeinsam mit mehreren großen Fernsehsendern organisieren.
  • RTL signalisiert Zustimmung: RTL-Content-Chefin Inga Leschek bewertet die Zusammenarbeit von ARD und RTL beim ESC-Vorentscheid 2025 positiv und zeigt sich offen für eine Fortsetzung.
  • ProSiebenSat.1 gesprächsbereit: Auch Programmchef Henrik Pabst kann sich eine Beteiligung vorstellen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.
  • Frühestens 2028: Da die Planungen für den ESC 2027 unter Federführung des SWR bereits laufen, gilt eine Umsetzung des neuen Konzepts für 2028 als denkbar.
  • ZDF-Beteiligung offen: Ob sich auch das Zweite Deutsche Fernsehen anschließen könnte, ist bislang nicht bekannt. Konkrete Vereinbarungen gibt es noch nicht.

Kräfte bündeln für ESC

Die Überlegungen wurden beim TV-Gipfel der Medientage München öffentlich. Dort diskutierten führende Programmverantwortliche über Möglichkeiten einer engeren Kooperation innerhalb der deutschen Fernsehbranche. Strobl brachte den Eurovision Song Contest als Beispiel für ein gemeinsames Projekt ins Spiel. Ihre Vorstellung geht über die bisherige Zusammenarbeit zwischen der ARD und RTL hinaus. Künftig könnten mehrere Sendergruppen ihre Kräfte bündeln, um gemeinsam den deutschen Beitrag für den internationalen Musikwettbewerb auszuwählen. „Ich träume immer noch davon, sage ich ganz offen“, erklärte die ARD-Programmdirektorin. Die Erfahrungen mit RTL hätten gezeigt, dass eine solche Zusammenarbeit funktionieren könne. Nun wünsche sie sich, „dass wir diese Partnerschaft noch größer machen können, als sie heute ist“. Ihr Ziel sei es, die Verantwortung für die nationale ESC-Auswahl auf mehrere Beteiligte zu verteilen und „gemeinsam was ganz Großes draus zu machen“.

Erste Gespräche laufen

Bei den Überlegungen handelt es sich offenbar nicht ausschließlich um eine langfristige Wunschvorstellung. Strobl machte deutlich, dass sich die Beteiligten bereits mit einer möglichen Umsetzung beschäftigen. „Wir arbeiten dran und vielleicht klappt es ja“, sagte sie auf der Veranstaltung. Wie weit die Gespräche fortgeschritten sind, ließ die ARD-Programmdirektorin offen. Auch zu möglichen Vereinbarungen, einem konkreten Konzept oder einem verbindlichen Zeitplan machte sie keine Angaben.

Die Idee einer senderübergreifenden ESC-Auswahl würde eine ungewöhnliche Zusammenarbeit innerhalb der deutschen Fernsehlandschaft bedeuten. Öffentlich-rechtliche und private Anbieter, die ansonsten um Einschaltquoten und Zuschauer konkurrieren, könnten bei einem der bekanntesten internationalen Musikwettbewerbe gemeinsam auftreten. Dabei ginge es nicht nur um die Ausstrahlung einzelner Sendungen. Nach Strobls Vorstellungen könnten mehrere große Sendergruppen an der Organisation und Gestaltung des deutschen Vorentscheids beteiligt werden.

Erfolgreiche Kooperation 2025

Unterstützung erhielt Strobl von RTL-Content-Chefin Inga Leschek. Sie verwies auf die gemeinsame Produktion des deutschen ESC-Vorentscheids 2025, bei dem RTL und ARD bereits zusammengearbeitet hatten. Damals durfte der Privatsender in Kooperation mit der ARD die Auswahl des deutschen Beitrags ausrichten. Für RTL war dies eine besondere Gelegenheit, sich an einem etablierten internationalen Fernsehereignis zu beteiligen. Leschek bewertete die damalige Zusammenarbeit ausgesprochen positiv. „Das war die schönste Partnerschaft, die wir in den letzten zwei Jahren hatten“, sagte sie beim TV-Gipfel.

RTL sei dankbar gewesen, dass die ARD dem Sender die Marke Eurovision Song Contest anvertraut habe. Die Erfahrungen hätten offenbar den Wunsch verstärkt, künftig erneut gemeinsame Projekte umzusetzen. Leschek zeigte sich zuversichtlich, dass eine Fortsetzung der Kooperation möglich sein könnte. „Wir sind zuversichtlich, dass wir da anknüpfen können in Bälde. Sharing is caring. Wenn ProSieben da mitmachen möchte, sag ich natürlich nicht nein.“ Damit brachte die RTL-Managerin ausdrücklich eine Erweiterung des bisherigen Modells ins Gespräch. Neben ARD und RTL könnte demnach auch ProSiebenSat.1 Teil eines gemeinsamen ESC-Projekts werden.

ProSiebenSat.1 sind offen 

Die Einladung an ProSiebenSat.1 blieb bei der Veranstaltung nicht unbeantwortet. Henrik Pabst, Chief Content Officer des Fernsehkonzerns, saß während der Diskussion neben Leschek und reagierte grundsätzlich aufgeschlossen. Eine Zusammenarbeit mit den anderen Sendergruppen schloss er nicht aus. Voraussetzung seien allerdings konstruktive Verhandlungen und ein überzeugendes gemeinsames Ergebnis. „Wir werden uns dem nicht verschließen, wenn die Gespräche anständig sind und das Ergebnis am Ende ein gutes Zeichen ist. Dann freuen wir uns natürlich, wenn wir auch dabei sein können“, erklärte Pabst.

Zugleich machte er deutlich, dass mögliche Vereinbarungen zunächst in Ruhe besprochen werden müssten. „Lasst uns da mal in Ruhe reden“, ergänzte der Programmverantwortliche. Damit signalisierten beim TV-Gipfel gleich drei bedeutende Akteure der deutschen Fernsehbranche ihre grundsätzliche Bereitschaft, über einen gemeinsamen ESC-Vorentscheid zu sprechen. Eine verbindliche Zusage von ProSiebenSat.1 ist damit allerdings noch nicht verbunden. Ob und in welcher Form sich der Konzern beteiligen würde, hängt von weiteren Gesprächen ab.

Konzept frühestens 2028 

Für den Eurovision Song Contest 2027 erscheint eine umfassende Neuorganisation des deutschen Vorentscheids kaum noch realistisch. Die Vorbereitungen für die kommende Ausgabe sind innerhalb der ARD bereits angelaufen. Federführend ist dabei der Südwestrundfunk (SWR), der die Verantwortung für die deutsche ESC-Beteiligung innerhalb des Senderverbunds übernommen hat. Eine mögliche Zusammenarbeit mehrerer großer TV-Gruppen dürfte deshalb vor allem mit Blick auf den Eurovision Song Contest 2028 diskutiert werden. Ein offizieller Starttermin für das geplante Gemeinschaftsprojekt wurde beim TV-Gipfel allerdings nicht genannt. Auch die genaue Aufgabenverteilung zwischen den möglichen Partnern ist bislang ungeklärt. Die öffentlichen Äußerungen der Programmverantwortlichen lassen jedoch erkennen, dass eine Erweiterung der bisherigen Zusammenarbeit auf Interesse stößt.

Beteiligung des ZDF?

Offen ist bislang, ob sich neben ARD, RTL und ProSiebenSat.1 weitere Fernsehanbieter an einem gemeinsamen deutschen ESC-Vorentscheid beteiligen könnten. Insbesondere die Rolle des ZDF ist noch ungeklärt. Vertreter des Mainzer Senders nahmen an der betreffenden Diskussion beim TV-Gipfel nicht teil. Eine konkrete Position des ZDF zu den Überlegungen wurde deshalb nicht bekannt. Strobls grundsätzlich formulierte Einladung zu einer breiteren Zusammenarbeit könnte sich allerdings auch an das Zweite Deutsche Fernsehen richten. Ob dort Interesse an einer Beteiligung besteht, lässt sich aus den bisherigen Äußerungen nicht ableiten. Sollten sich mehrere öffentlich-rechtliche und private Sender auf ein gemeinsames Modell verständigen, wäre dies eine weitreichende Veränderung bei der Organisation des deutschen ESC-Vorentscheids.

Schon 2024 gab es Überlegungen 

Die Idee einer größeren Kooperation beim Eurovision Song Contest ist nicht neu. Bereits 2024 hatten mehrere mögliche Partner über ein senderübergreifendes Konzept für die Auswahl des deutschen ESC-Beitrags gesprochen. Der Austausch fand damals weitgehend außerhalb der Öffentlichkeit statt. Ziel war es, Möglichkeiten für eine gemeinsame Organisation des nationalen Vorentscheids auszuloten. Zu einer Umsetzung kam es jedoch nicht. Stattdessen entstand eine Zusammenarbeit zwischen der ARD und RTL, bei der Entertainer Stefan Raab eine zentrale Rolle übernahm. Unter dem Titel „Chefsache ESC“ wurde der deutsche Vorentscheid 2025 in dieser Zweierkonstellation organisiert. Eine darüber hinausgehende Beteiligung weiterer großer Sendergruppen erfolgte nicht. Die damalige Kooperation bildet nun einen wichtigen Bezugspunkt für die neuen Überlegungen. Sowohl Strobl als auch Leschek verwiesen auf die positiven Erfahrungen aus dem gemeinsamen Projekt.

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