Direkt zum Inhalt

Pastor vor Gericht Sind Hass-Kommentare gegen Homosexuelle von der Religionsfreiheit gedeckt?

Von ms - 30.01.2023 - 11:00 Uhr
Pastor vor Gericht
Foto: IMAGO / Eckhard Stengel
ANZEIGE
Loading audio player...

Der Prozess gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung geht in die nächste Runde. Die Staatsanwaltschaft hatte Revision gegen den Freispruch des konservativen evangelischen Geistlichen eingelegt, der Homosexuelle als Verbrecher bezeichnet haben soll. Ende Februar wird der Fall nun erneut verhandelt, dieses Mal vor dem Oberlandesgericht in Bremen. Zum dritten Mal wird sich damit ein Gericht mit der Sachlage befassen, zuvor hatte ein Amtsgericht Latzel für schuldig befunden; dass daraufhin eingesetzte Landgericht allerdings in zweiter Instanz den Pastor der Bremer St. Martinikirche freigesprochen.

Wie schwer wiegt Religionsfreiheit?

Beim jetzt angesetzten Termin am 23. Februar wird keine erneute Beweisaufnahme stattfinden, sondern grundsätzlich noch einmal erörtert werden, ob die Äußerungen des Geistlichen den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen oder eben nicht. Dabei steht auch die spannende Frage im Raum, ob solche Äußerungen von der Religionsfreiheit gedeckt sind. Das Landgericht hatte sich im vergangenen Jahr in seinem Freispruch darauf berufen.  

Homosexuelle seien todeswürdig

Der Vorfall selbst liegt bereits mehr als drei Jahre zurück: Bei einem Eheseminar im Jahr 2019 soll Latzel vor rund 60 Seminarteilnehmern von den „Verbrechern vom Christopher Street Day“ erzählt haben, die überall herumlaufen und Gottes Schöpfungsordnung angreifen würden. Dies soll der Pastor als „teuflisch und satanisch“ definiert und zudem erklärt haben, dass Homosexualität eine „Degenerationsform der Gesellschaft“ und damit „todeswürdig“ sei. Das Seminar selbst hatte Latzel via YouTube auch online gestellt.

Ist ein Ende des Rechtsstreits in Sicht?

Das Oberlandesgericht kann nun den Freispruch des Landgerichts bestätigen, womit der Fall endgültig beendet wäre, selbst ein neues Urteil sprechen oder das Verfahren zurück ans Landgericht verweisen, sodass hier der Fall neu verhandelt werden müsste.  

Latzel selbst soll sich in der Vergangenheit auch bereits negativ über Katholiken, Buddhisten oder auch Muslime geäußert haben, zu einer Anklage ist es allerdings nie gekommen. Seine Pfarrgemeinde St. Martini in der Bremer Innenstadt hat rund 1.200 Mitglieder und gehört zu den streng konservativen Gruppen innerhalb der insgesamt 61 Kirchengemeinden der evangelischen Kirche in Bremen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Berliner MorgenpostHakenkreuze an Berliner Uni entdeckt: „Widerspricht allem, wofür die FU steht“Berliner MorgenpostNach Razzia im queeren Zentrum „Casa Kuà“: Hunderte demonstrieren in Kreuzbergrbb24Zwei Verletzte bei Messerangriff vor queerfreundlicher BarBerliner MorgenpostFU Berlin: Immer wieder Hakenkreuze und queerfeindliche AttackenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung