Eine neue Dokumentation über den verstorbenen republikanischen US-Senator Lindsey Graham (1955-2026) sorgt in den Vereinigten Staaten aktuell für viel Aufsehen. Drei männliche schwule Sexarbeiter behaupten darin, von dem langjährigen Politiker aus South Carolina für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein. Einer der Männer erklärte, er sei zum Zeitpunkt einer angeblichen Begegnung erst 17 Jahre alt gewesen.
Das Wichtigste im Überblick
- Das US-Nachrichtenformat „The Young Turks“ hat eine Dokumentation mit Aussagen von drei männlichen Sexarbeitern veröffentlicht.
- Die Männer behaupten, vom früheren republikanischen Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
- Einer der Männer gibt an, bei einer Begegnung mit Graham erst 17 Jahre alt gewesen zu sein.
- Frühere Gerüchte: Graham hatte während seiner politischen Karriere wiederholt bestritten, homosexuell zu sein. Schon zuvor hatten mehrere Sexarbeiter behauptet, von ihm engagiert worden zu sein.
- Graham setzte sich jahrzehntelang gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und verschiedene Antidiskriminierungsgesetze für LGBTIQ+-Menschen ein.
- Der prominente Politiker starb am 11. Juli 2026 im Alter von 71 Jahren.
Sexarbeiter berichten
Der rund 30-minütige Film mit dem Titel „The CLOSETocracy“ wurde gestern vom US-Nachrichtenformat „The Young Turks“ veröffentlicht. Darin schildern die drei Männer ausführlich ihre mutmaßlichen Erlebnisse mit Graham. Besonders schwer wiegt die Aussage eines Mannes, der behauptet, bei einem sexuellen Kontakt mit Graham minderjährig gewesen zu sein. Nach seiner Darstellung war er damals 17 Jahre alt. Der Vorwurf betrifft damit nicht nur mögliche bezahlte sexuelle Dienstleistungen, sondern wirft auch Fragen nach dem Umgang mit einem Minderjährigen auf. Die Dokumentation lässt die Männer ihre Begegnungen detailliert schildern.
Gerüchte über Graham
Lindsey Graham gehörte über Jahrzehnte zu den bekanntesten republikanischen Politikern im US-Kongress. Während seiner politischen Laufbahn wurde wiederholt über seine sexuelle Orientierung spekuliert. Graham selbst bestritt stets, homosexuell zu sein. Dennoch hielten sich die Gerüchte hartnäckig. In Washington wurde seine angebliche Homosexualität von manchen sogar als „offenes Geheimnis“ bezeichnet. Bereits vor der Veröffentlichung der neuen Dokumentation hatten sich mehrere Sexarbeiter zu Wort gemeldet und behauptet, von Graham für sexuelle Kontakte engagiert worden zu sein.
Kampf gegen LGBTIQ+
Besondere Aufmerksamkeit erhalten die neuen Anschuldigungen wegen Grahams langjähriger politischer Haltung zu LGBTIQ+-Rechten. Der Republikaner gehörte zu den entschiedenen Gegnern einer umfassenden gesetzlichen Gleichstellung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten. Im März 2021 kündigte er an, er werde „reden, bis ich umfalle“, um die Verabschiedung des sogenannten Equality Act zu verhindern. Mit diesem Gesetzentwurf sollten Schutzbestimmungen gegen die Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen im US-Bundesrecht verankert werden. Graham begründete seinen Widerstand unter anderem mit der Behauptung, das Gesetz würde „den Unterschied zwischen Männern und Frauen zerstören“.
Nein zur Ehe für alle
Auch bei weiteren politischen Entscheidungen vertrat Graham Positionen, die von LGBTIQ+-Organisationen scharf kritisiert wurden. Er unterstützte einen Vorschlag zur Änderung der US-Verfassung, mit dem die gleichgeschlechtliche Ehe verboten werden sollte. Später stellte er sich gegen den „Respect for Marriage Act“, ein Bundesgesetz zur Absicherung der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen. Darüber hinaus lehnte Graham das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare ab. Unter anderem stimmte er gegen einen Gesetzentwurf, der homosexuellen Paaren in Washington, D.C., Adoptionen ermöglichen sollte.
In der Debatte über die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verglich Graham die Ehe zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts mit Polygamie. Der Senator wandte sich außerdem gegen die Teilnahme von trans* Schülern am Schulsport entsprechend ihrer Geschlechtsidentität. Wiederholt unterstützte er zudem republikanische Kandidaten für Regierungsämter, deren Positionen von LGBTIQ+-Organisationen als diskriminierend bewertet wurden. Graham hatte South Carolina seit Januar 2003 im US-Senat vertreten und zuvor dem Repräsentantenhaus angehört. Er starb am 11. Juli 2026 im Alter von 71 Jahren in Washington - bei seinem Begräbnis waren die Spitzen der US-Politik anwesend, darunter auch US-Präsident Donald Trump.