Direkt zum Inhalt
Jubel in Brasilien

Jubel in Brasilien LGBTI*-Community feiert Niederlage des homophoben Präsidenten

ms - 31.10.2022 - 08:26 Uhr
Loading audio player...

Es war bis zuletzt ein Wahlkrimi am gestrigen Abend in Brasilien, am Ende siegte mit hauchdünner Mehrheit der linksgerichtete Luiz Inácio Lula da Silva bei der Stichwahl zum neuen Präsidenten mit 50,9 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Jair Bolsonaro kam auf 49,1 Prozent.

Obwohl der homophobe Präsident noch bis kurz vor der Wahl mehrfach ankündigt hatte, eine Niederlage nicht zu akzeptieren und notfalls auch zu einem Bürgerkrieg oder einem Militärputsch aufzurufen, blieb die Lage soweit bis jetzt gewaltfrei. Brasilien-Kenner schätzen die Situation bisher als gesichert ein und glauben nicht, dass Bolsonaro ausreichend Unterstützer hat, die dazu jetzt bereit wären.  

Die LGBTI*-Community feiert Lulas Sieg!

Jubelschreie auf den Straßen Brasiliens

Laut wurde es vor allem in den LGBTI*-Vierteln der großen Städte Brasiliens, noch in der Nacht gingen tausende Schwule, Lesben, Bisexuelle und queere Menschen auf die Straße, um die Niederlage von Bolsonaro zu feiern. Der baldige Ex-Präsident hatte seit 2018 alles unternommen, um die Situation von LGBTI*-Menschen im Land zu verschlimmern und immer wieder auch indirekt zu Gewalt gegenüber Homosexuellen aufgerufen. Einmal hatte er sogar erklärt, er hätte lieber einen toten als einen schwulen Sohn. Die Hoffnung der Community ist nun, dass sich die aufgeheizte, in Teilen des Landes sehr homophobe Stimmung wieder beruhigen wird im Laufe der Zeit. In seiner ersten Rede nach der Wahl kündigte so auch Lula an, dass er die verfeindeten Lager in dem südamerikanischen Land miteinander versöhnen wolle. "Ich werde für 215 Millionen Brasilianer regieren. Es gibt keine zwei Brasilien, nur ein Volk."

Schwule hoffen auf eine Zeitenwende in Brasilien

Bolsonaro schweigt

Bolsonaro schweigt indes über seine Niederlage bis jetzt. Glückwünsche für Lula kamen indes unter anderem vom amerikanischen Präsidenten Joe Biden, der ausdrücklich betonte, dass die Wahl “frei, fair und glaubwürdig“ abgelaufen sei – ein Seitenhieb auf Bolsonaro, der vorab ebenso erklärt hatte, dass es sich bei einer Niederlage seinerseits nur um eine Wahlfälschung handeln könne. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron freute sich über den Sieg von Lula und erklärte via Twitter: "Es wird ein neues Kapitel in der Geschichte Brasiliens aufgeschlagen. Wir werden unsere Kräfte bündeln, um die vielen gemeinsamen Herausforderungen zu bewältigen und das Band der Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern zu erneuern."

Bolsonaro hatte mit seiner homophoben Gesinnung sowie seiner restriktiven Weigerung zur Umweltpolitik bei vielen internationalen Partnern für Unverständnis gesorgt. Mit Lula hoffen die Brasilianer darauf, dass sich auch die wirtschaftliche Situation im Land wieder deutlich verbessern wird. Lula war bereits einmal von 2003 bis 2010 Präsident des Landes und hatte während seiner Amtszeit durch diverse politische Aufbauprogramme den Wohlstand in Brasilien massiv vorangetrieben und vielen Menschen ermöglicht, von der Armut in die Mittelschicht aufzusteigen. Abgewählt worden war Lula schlussendlich aufgrund von Korruptionsvorwürfen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Historisches Urteil in Italien

Kind mit drei Eltern bestätigt

In Italien sorgt ein historisches Urteil für Schlagzeilen: Ein Gericht bestätigte die Elternschaft von zwei schwulen Vätern und der leiblichen Mutter.
Iran fordert Flaggen-Verbot

Keine Pride-Fahnen bei der WM

Der Iran hat von der FIFA jetzt gefordert, ein Verbot von Pride-Flaggen während der Fußball-Weltmeisterschaft auszusprechen.
Jason Collins ist tot

NBA-Star verliert Kampf gegen Krebs

Er kämpfte wie ein Löwe und unterlag jetzt zuletzt trotzdem dem Krebs: Der erste offen schwule NBA-Star Jason Collins starb mit 47 Jahren.
Viel Gewalt in Berlin

Rekordniveau der Attacken

Die Attacken gegenüber queeren Menschen bleiben in Berlin auf Rekordniveau, für 2025 meldete die Beratungsstelle Maneo über 700 gemeldete Fälle.
Zwangsarbeit wegen Gay-Story

Urteil wegen schwuler Fan-Fiction

Eine junge Autorin wurde in Russland zu 18 Monaten Zwangsarbeit verurteilt, weil sie schwule Fan-Fiction der K-Pop-Gruppe Stray Kids geschrieben hatte
EuGH stärkt Minderheitenrechte

24 Stunden Programm geplant

Der ungarische Fernsehsender Szivárvány TV, das erste LGBTQ‑Programm des Landes, steht unmittelbar vor dem Start.
Keine heile Welt?

Queere Kanadier in Not

Kanada war lange Zeit das Sinnbild für LGBTIQ+-Akzeptanz, ein neuer Bericht zeigt nun, dass viele queere Jugendliche massive Probleme haben.
Landesweite Signalwirkung

Religionsfreiheit vor Aufklärung

Eltern im Montgomery County, Maryland können laut Gerichtsurteil ihre Kinder künftig vom Schulunterricht zu LGBTIQ+-Themen abmelden.
Streit am Gartenzaun

Regenbogen vor US-Gericht

Ein lesbisches Paar verklagte jetzt ihre Heimatstadt Key West, deren Bürokraten ihnen verboten, den eigenen Gartenzaun in Regenbogenfarben zu bemalen.