Direkt zum Inhalt

Gewalteruption in Frankfurt am Main Frankfurter Polizei will mehr Präsenz in der Szene zeigen

Von ms - 12.08.2022 - 16:00 Uhr
Frankfurter Polizei will mehr Präsenz in der Szene zeigen
Foto: iStock / no_limit_pictures
ANZEIGE
Loading audio player...

In den letzten Wochen und Monaten kam es vermehrt und ungewöhnlich oft zu Hassverbrechen und direkten Angriffen auf LGBTI*-Menschen in Frankfurt am Main. Der Lesben- und Schwulenverband Hessen (LSVD) schlägt jetzt Alarm, während die Polizei zuletzt ankündigte, ihre Präsenz im queeren Szeneviertel nahe der Konstablerwache zu erhöhen. Im Zentrum der Kritik von Seiten des hessischen LSVDs steht dabei gerade auch die Polizei – es fehle an ausreichenden Schulungen, gezielten Präventionsprojekten und einer Überarbeitung der Erfassungssysteme von Hasskriminalität. Zudem müssten die Polizisten mehr für Angriffe dieser Art sensibilisiert werden.

Die Kritik trifft nicht die Frankfurter Polizei allein, der landesweite LSVD hatte bereits mehrfach daraufhin hingewiesen, dass es vielerorts noch massive Lücken bei der Handhabung von LGBTI*-Hassverbrechen bei den Polizeistationen in den einzelnen Bundesländern gebe. Vorbildlich würde sich die Polizei in Berlin verhalten. Ein Problem, das anscheinend auch in Frankfurt am Main noch immer vorhanden ist: Oftmals werden Übergriffe auf queere Menschen gar nicht erst als LGBTI*-Hassverbrechen registriert und tauchen so auch nicht in der offiziellen Statistik auf. Das verschleiere nicht nur die Ursachen, sondern minimiere auch die eigentliche Grundproblematik, was infolgedessen dazu führen kann, dass Angriffe auf LGBTI*-Menschen bagatellisiert und kleingeredet werden würden.

Die Vorfälle der letzten Wochen gleichen sich dabei ein aufs andere Mal, zumeist handelte es sich um körperliche Angriffe, bei denen die Opfer brutal attackiert worden waren. In einem Fall wurde ein junger Homosexueller mit einer Glasflasche angegriffen, in einem anderen Fall erlitt das Opfer sogar einen Kieferbruch. Die genaue Anzahl der Fälle lässt sich aufgrund der hohen Dunkelziffer schwer festhalten. Ein Sprecher der Frankfurter Polizei bekräftigte allerdings: „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass sich Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, sexuellen Identität und ihrer äußeren Erscheinung in bestimmten Straßen nicht mehr sicher fühlen. Es ist traurig, dass die Gewalt dort stattfindet, wo sich die Community seit langem trifft, in einem Viertel, das sie als ´safe space‘ empfunden hat.“

Die Situation in der Frankfurter Innenstadt eskalierte immer mehr schrittweise in den letzten Monaten, bereits im März hatten LGBTI*-Aktivisten mit einem Protestmarsch durch die Innenstadt auf die Situation aufmerksam gemacht. Mehrfach war während des Protestmarsches auch von einer regelrechten “Gewalteruption“ die Rede, die die örtliche LGBTI*-Community aktuell erleben würde. Warum gerade rund um die Konstablerwache sich in letzter Zeit die Hassverbrechen so häufen, ist umstritten. Zum einen ist der Bereich ein verkehrstechnischer Knotenpunkt mit viel Publikum, zum anderen seien zuletzt aber auch mehrere LGBTI*-Clubs, Bars und Treffpunkte verschwunden – das Viertel sei multikultureller geworden und ziehe damit auch mitunter mehr homophobe Menschen an. Wieder andere erklärten, der Wandel des gesamten Viertels, die Gentrifizierung, würde mit dazu beitragen. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) bekräftigte dabei vehement: „Hessen ist ein tolerantes Land, in dem sich alle Menschen gleichermaßen sicher fühlen müssen!“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

rbb24Zwei Verletzte bei Messerangriff vor queerfreundlicher BarBerliner MorgenpostFU Berlin: Immer wieder Hakenkreuze und queerfeindliche AttackenDER STANDARDBirgit Minichmayr, die ergebene Zofe der "Blutgräfin"Berliner MorgenpostProfi-Volleyballer aus Japan outet sich: „Ich hatte seit meiner Kindheit Angst“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung