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Sexverzicht gegen Affenpocken „Männer, die Sex mit Männern haben, sollten die Zahl ihrer Sexualpartner reduzieren und den Sex mit neuen Partnern überdenken.“

Von ms - 28.07.2022 - 10:00 Uhr
WHO-Generaldirektor bittet Schwule um Umdenken
Foto: IMAGO / Eventpress
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Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, hat jetzt überraschend klar und eindeutig schwulen und bisexuellen Männer geraten, die Zahl ihrer Sexualpartner im Kampf gegen die Verbreitung von Affenpocken vorerst deutlich zu reduzieren, anderenfalls könnten die weltweiten Ausbrüche von MPX immer schwerer in den Griff zu bekommen sein. Erst am vergangenen Wochenende hatte die WHO als Reaktion auf die MPX-Situation die Internationale Notlage ausgerufen.  

Herrschte anfangs immer wieder die Angst auch innerhalb der Gay-Community vor, dass die Virusinfektion zu einer Stigmatisierung von Homosexuellen führen könnte, findet auch bei den Fachleuten inzwischen immer mehr eine Neuausrichtung statt: Ohne das explizite Ansprechen der Hauptrisikogruppe bestehe die akute Gefahr, dass die Affenpocken zu einem langfristigen Problem in Europa werden – und das gerade in der Gay-Community. Die jüngsten Studienergebnisse, veröffentlicht im "New England Journal of Medicine", zeigten sehr deutlich auf, dass bei der aktuellen Affenpocken-Ausbreitung das Virus beinahe ausschließlich (95 Prozent) durch sexuelle Kontakte weitergegeben wird – und dass es sich dabei zu 98 Prozent um homo- und bisexuelle Männer handelt. Kurzum abseits aller Diskussionen um eine mögliche Stigmatisierung: Auch wenn grundsätzlich jeder Mensch sich mit dem Virus infizieren kann, aktuell sind davon beinahe ausschließlich Homosexuelle betroffen, die sich beim Sex mit dem Virus infizieren. Die WHO trägt dieser eindeutigen Datenlage nun mit ihrer Forderung nach Sexverzicht Rechnung.

"Dies ist ein Ausbruch, der gestoppt werden kann, wenn Länder, Gemeinschaften und Einzelpersonen sich informieren, die Risiken ernst nehmen und die notwendigen Schritte unternehmen, um die Übertragung zu stoppen und gefährdete Gruppen zu schützen. Für Männer, die Sex mit Männern haben, bedeutet dies, dass sie die Zahl ihrer Sexualpartner reduzieren, den Sex mit neuen Partnern überdenken und ihre Kontaktdaten mit neuen Partnern austauschen sollten, um bei Bedarf eine Weiterbehandlung zu ermöglichen", so Generaldirektor Dr. Ghebreyesus weiter. Zudem betonte er: "Neben der Übertragung durch Sexualkontakte können die Affenpocken auch in Haushalten durch engen Kontakt zwischen Menschen, zum Beispiel durch Umarmen und Küssen, sowie über kontaminierte Handtücher oder Bettwäsche übertragen werden." Auch auf Sexspielzeug könne der Virus teilweise wochenlang überleben. Ghebreyesus empfahl den MPV Erkrankten, sich zu isolieren und engen Körperkontakt mit anderen zu vermeiden.

Die britische Gesundheitsbehörde (UKHSA) riet Infizierten zudem, auch nach einer Genesung für mindestens drei Monate nur Sex mit Kondom zu haben, denn der Virus wurde inzwischen auch eindeutig in Körperflüssigkeiten wie Speichel und Sperma nachgewiesen. Unklar ist noch, wie lange das Affenpockenvirus in Sperma vorhanden bleibt. In ersten Studien konnte MPX allerdings auch Wochen nach der eigentlichen Infektion noch nachgewiesen werden, weswegen die britische Gesundheitsbehörde eindringlich jetzt für Kondome wirbt. Mit Stand von gestern Abend gibt es aktuell in ganz Deutschland fast 2.500 Fälle von MPX, über 1.300 davon allein Berlin. Inzwischen hat sich das Virus in mehr als 70 Ländern außerhalb des Ursprungslandes Afrika ausgebreitet, die bisher höchsten Fallzahlen gemessen an der Gesamtbevölkerung wurden in Großbritannien, Spanien und Deutschland festgehalten.

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