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Wales wagt LGBTI*-Alleingang Wales will zum LGBTI*-freundlichsten Land Europas werden

Von ms - 02.05.2022 - 09:30 Uhr
Wales wagt LGBTI*-Alleingang // © jax10289
Foto: Wales wagt LGBTI*-Alleingang // © jax10289
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Es gleicht einem Drama in mehreren Akten und wäre inzwischen würdig, in einem Theaterstück von William Shakespeare verewigt zu werden – und wer weiß, vielleicht liegt dem britischen Premierminister Boris Johnson die Liebe für Drama und Komödie sogar im Blut? Wie sagt man so schön: Das Timing ist alles bei einer guten Komödie.

Verfolgt man diesen Gedanken weiter, ist Johnson ein Meister seines Fachs – wäre er ein Dramaturg. Dummerweise ist er allerdings Premierminister und so steht er abermals in dieser Woche sehr isoliert da. Zunächst sorgte sein politisches, vierjähriges Possenspiel um die Frage nach einem möglichen Verbot von Konversionstherapien für Aufsehen, dann revidierte er mehrfach seine eigene Meinung binnen 24 Stunden um 180 Grad um schlussendlich vorerst final – wir wissen, in einer guten Story gibt es am Ende zumeist noch einen überraschenden Twist – zu erklären: Das Verbot von Konversionstherapien kommt, allerdings vorerst nicht für trans-Menschen.

Die Absichten dabei mögen durchaus eine gewisse Logik innehaben, denn Johnson wollte juristisch abklären lassen, wie sich ein mögliches Verbot dieser unseriösen “Heilungs-Angebote“ für queere Menschen auf die tatsächlichen Therapiemöglichkeiten von Ärzten und Psychologen auswirken könnten, wenn diese trans-Jugendliche behandeln und vorerst klären müssen, ob tatsächlich eine Geschlechtsdysphorie vorliegt. Johnson ist aber ganz im shakespeareischen Sinne leider kein Feingeist, sondern der Mann mit dem Holzhammer (passend zu seiner Frisur) und ähnlich beleidigend kam seine Idee auch dann größtenteils in der trans- und LGBTI*-Community an. So platzte deswegen auch die geplante, weltweit größte Zusammenkunft queerer Organisationen im Juni in London.

Schottland ließ daraufhin nun verlautbaren, nicht länger warten zu wollen und ein eigenes Verbot der Konversionstherapien auf den Weg zu bringen, das trans-Personen inkludiert. Aktuell hat nun auch Wales bekanntgegeben, mit Schottland gleichziehen zu wollen. Das Vereinigte Königreich zeigt sich in diesen Tagen gar nicht mehr so vereinigt. Wales lässt dabei auch keine Zeit mehr verstreichen und hat Ende dieser Woche bereits damit begonnen,  eine Arbeitsgruppe zu bilden, die Vertreter der staatlichen Gesundheitsorganisationen sowie Mitglieder von Eltern-Gruppen und LGBTI*-Organisationen an einen Tisch holt, um ein neues Gesetz allumfassend sinnvoll auszugestalten.

Die stellvertretende Ministerin für Sozialpartnerschaften in Wales, Hannah Blythyn, erklärte zudem, man wolle durch eine breite Informationskampagne allen in der Bevölkerung klarmachen, wie gefährlich und menschenentwürdigend solche Konversionstherapien für queere Menschen sind. Ihr erklärtes Ziel: Die Politikerin will Wales zum LGBTI*-freundlichsten Land in Europa machen. Wohlgemerkt Wales, nicht das Vereinigte Königreich. Sein oder Nichtsein – diese Frage stellt sich vielleicht dann bald auch für den britischen Premierminister.

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