Eine Veröffentlichung alter BDSM-Fotos hat dem schwulen demokratischen US-Kongresskandidaten Chris Gallant einen außergewöhnlichen Spendenboom beschert. Innerhalb von nur zwei Wochen nach einem Bericht der konservativen Boulevardzeitung New York Post sammelte sein Wahlkampfteam mehr als 350.000 US-Dollar ein. Statt den Politiker politisch zu beschädigen, ging die Veröffentlichung mit einer Welle finanzieller Unterstützung einher.
Das Wichtigste im Überblick
- Spendenboom nach Fotoveröffentlichung: Der demokratische US-Kongresskandidat Chris Gallant sammelte innerhalb von zwei Wochen mehr als 350.000 US-Dollar, nachdem alte BDSM-Modelaufnahmen veröffentlicht worden waren.
- 930.000 Dollar in drei Monaten: Im dritten Quartal nahm Gallants Wahlkampfteam insgesamt rund 930.000 Dollar ein und übertraf damit die Spendeneinnahmen seines republikanischen Konkurrenten Nick LaLota.
- Die New York Post hatte Mitte September Fotos veröffentlicht, die Gallant als Model für das Leder- und Fetischunternehmen Mr S Leather zeigen.
- Unterstützung statt Empörung: Die Veröffentlichung führte offenbar nicht zur erhofften politischen Beschädigung, sondern fiel mit einer außergewöhnlich hohen Spendenbereitschaft zusammen.
- Gallant tritt in einem republikanisch geprägten Wahlbezirk in New York an. Politische Beobachter sehen seine Erfolgsaussichten weiterhin skeptisch.
Spendenboom statt Hetze
Die zusätzlichen Einnahmen machten nahezu 40 Prozent aller Spenden aus, die Gallants Wahlkampfteam zwischen Juli und September erhielt. Insgesamt kamen in dem Dreimonatszeitraum rund 930.000 Dollar zusammen. Damit übertraf Gallant bei den Spendeneinnahmen seinen republikanischen Konkurrenten Nick LaLota, der den umkämpften Kongresssitz derzeit innehat. Der bemerkenswerte Geldzufluss folgte auf einen Zeitungsbericht, der offenbar darauf abzielte, Gallants frühere Tätigkeit als Model in der schwulen Fetischszene öffentlich zum Thema zu machen.
Mitte September hatte die New York Post Fotos veröffentlicht, die Gallant bei einem früheren Modeljob für das Unternehmen Mr S Leather zeigen. Der in San Francisco ansässige Anbieter ist auf Lederbekleidung, Fetischmode und BDSM-Zubehör für die schwule Community spezialisiert. Die Veröffentlichung sollte offenbar Fragen über Gallants frühere Verbindung zur Fetischszene aufwerfen und seine politische Glaubwürdigkeit beeinträchtigen. Die erwartete öffentliche Empörung blieb jedoch aus. Stattdessen verzeichnete seine Wahlkampagne einen deutlichen Anstieg der Spendeneinnahmen. Wie viele der Spender ausdrücklich aus Solidarität mit Gallant oder aus Protest gegen die Berichterstattung Geld überwiesen, ist unklar. Der zeitliche Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung und dem Spendenanstieg ist jedoch deutlich.
Außenseiterchancen in New York
Besonders bemerkenswert ist das Ergebnis angesichts der politischen Ausgangslage. Gallant kandidiert für die Demokratische Partei in einem Wahlbezirk im Bundesstaat New York, der traditionell stark zu den Republikanern neigt. Sein Gegenkandidat ist der amtierende republikanische Kongressabgeordnete Nick LaLota. Das unabhängige Analyseinstitut Cook Political Report stuft den Wahlbezirk als deutlich republikanisch geprägt ein. Ein Wechsel des Kongresssitzes zu den Demokraten gilt deshalb trotz Gallants Spendenerfolg als wenig wahrscheinlich.
Die finanzielle Unterstützung zeigt allerdings, dass die Veröffentlichung der Fotos nicht zwangsläufig die von politischen Gegnern möglicherweise erhofften negativen Auswirkungen hatte. Vielmehr scheint ein Teil der Öffentlichkeit die frühere Modeltätigkeit des Kandidaten nicht als Hindernis für seine politische Eignung zu betrachten. Auch Gallant selbst nahm es gelassen und reagierte unter anderem mit einem besonderen Werbe-Slogan: „Make Politics Sexy Again“.
Umgang mit sexueller Vielfalt
Der Fall wirft auch Fragen über den gesellschaftlichen Umgang mit sexueller Selbstbestimmung und schwuler Fetischkultur auf. Politische Kampagnen und Boulevardmedien haben in der Vergangenheit wiederholt versucht, Kandidaten durch Enthüllungen über deren Privatleben, Sexualität oder frühere Tätigkeiten unter Druck zu setzen. Die Veröffentlichung von BDSM-Aufnahmen knüpft an solche Strategien an. Sie setzt voraus, dass eine Verbindung zur Fetischszene bei Wählern auf Ablehnung stößt und dem Ansehen eines Politikers schadet.