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Verbot von LGBTI*-Schutzräumen „Diese Entscheidung nimmt LGBTI*-Schülern das letzte bisschen Sichtbarkeit, das sie noch haben."

Von ms - 28.04.2022 - 20:00 Uhr
Verbot von LGBTI*-Schutzräumen // © AndreyPopov
Foto: Verbot von LGBTI*-Schutzräumen // © AndreyPopov
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Immer mehr US-Bundesstaaten verbannen Themen rund um LGBTI* aus dem Unterricht und versuchen zudem, queere Lebensweisen auch im alltäglichen Umgang an den Bildungseinrichtungen immer mehr einzuschränken. Während mancherorts bereits ein privates Gespräch oder eine geführte Diskussion innerhalb einer Klasse unter Strafe stehen soll, gehen Bundesstaaten wie derzeit Missouri andere, extrem gefährliche Wege für queere Jugendliche.

Der Schulbezirk in Missouri hat die Lehrkräfte nun angewiesen, die Klassenzimmer nicht mehr länger zu „Safe Space“-Plätzen für LGBTI* zu machen. Vor und in vielen Klassenzimmern hängen bisher Aufkleber, die die Schüler daran erinnern, dass das Klassenzimmer ein geschützter Raum, eben ein Safe Space ist, wo queere Jugendliche ohne Anfeindungen lernen und existieren dürfen. Oftmals, gerade in eher ländlichen Regionen, sind diese Rückzugsorte die einzigen Möglichkeiten gerade für noch verunsicherte Jugendliche, angstfrei zu agieren. Der Schulbezirk will dem nun ebenso ein Ende machen – alle Aufkleber und Informationen zu LGBTI* müssen verschwinden und die Lehrer bekommen einen Maulkorb aufgesetzt.

In der offiziellen Begründung für diesen radikalen Schritt heißt es, dass diese Safe Spaces und Hinweise wie Aufkleber nicht mehr „angemessen“ seien. In einem Gemeinde-Newsletter der Grain Valley-Schulen, einem Bezirk südlich von Kansas City, steht zudem: „Die Schilder signalisieren, dass Schüler sich sicher fühlen können, wenn sie sich mit persönlichen LGBTI*-Fragen an die Lehrer wenden." Genau das – also diese Fragen – sollen künftig aber unterbunden werden. Anschließend findet die klassische Opfer-Täter-Umkehr statt, indem der Schulbezirk weiter feststellt: "Unser Ziel ist es, dass jedes Klassenzimmer ein sicherer Ort für alle Schüler ist, nicht nur in Klassenzimmern, in denen die Lehrer ein bestimmtes Zeichen anbringen wollen.“ Die Logik ist faszinierend: Alle Klassenzimmer sollen immer und für alle ein Safe Space sein, also braucht man verunsicherten Jugendlichen gar nicht mehr sagen oder aufzeigen, dass sie sich sicher fühlen können, wenn sie möglicherweise queer sind. Mit der gelebten Wirklichkeit an Schulen hat diese Einschätzung herzlich wenig gemein.

Die Schilder waren von der LGBTI*-Studentenorganisation GLSEN zur Verfügung gestellt worden, gerade um nach den Erfahrungen von Mobbing einen sicheren Raum für LGBTI* zu schaffen und Schülern zudem die Existenz von Lehrern zu signalisieren, die bereit sind, Jugendliche aller sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten zu unterstützen. Die Hinweisschilder sind also nicht viel mehr als ein Angebot, es entsteht kein Zwang.

Der Schulbezirk folgt dabei einer queerfeindlichen Direktive, die erst vor kurzem im US-Bundestaat noch weiter bestärkt wurde, seitdem bekannt wurde, dass die Regierung trans-Menschen die Teilnahme an Sportveranstaltungen sowie auch eine geschlechtsangleichende, medizinische Versorgung bis zum Alter von 25 Jahren verbieten möchte.

Immer wieder belegen zahlreiche Studien, dass die Suizidraten und psychischen Erkrankungen unter queeren Jugendlichen massiv ansteigen, wenn sie von gesetzlicher Seite immer wieder angegriffen und ihr Leben selbst als minderwertig eingestuft wird. Das bestätigte auch ein ehemaliger Schüler und heutige Kandidat für die Legislative von Missouri, Justice Horn. Via Twitter schrieb er: „2011 habe ich versucht, mir das Leben zu nehmen, weil ich wegen meines Schwulseins gemobbt wurde, während ich die Grain Valley South Middle School besuchte. Meine Eltern nahmen mich schlussendlich aus dem Schulbezirk raus. Diese Entscheidung des Bezirks nimmt LGBTI*-Schülern das letzte bisschen Sichtbarkeit, das sie noch haben. Dies mag für einige wie eine Banalität erscheinen, aber für queere Schüler, die das Gefühl haben, dass sie keinen Platz haben, bedeutet dies die Welt. Es kann ein Kind davor bewahren, eine ähnliche Entscheidung zu treffen, wie ich es getan habe, weil wir so etwas damals noch nicht hatten."

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