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Der gläserne queere Schüler In puncto Sexualität sollen US-Schüler keine Geheimnisse haben

Von ms - 28.04.2022 - 17:00 Uhr
Der gläserne queere Schüler // © DustyPixel
Foto: Der gläserne queere Schüler // © DustyPixel
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Zunächst stand es „nur“ als eine Idee im Raum, nun nimmt der Plan der Republikaner in Oklahoma immer mehr Gestalt an und könnte so nach und nach zu einem wahren Monstrum für queere Jugendliche werden. Der aktuelle Gesetzentwurf sieht vor, dass künftig Schulberater, Vertrauenspersonen und Lehrer gezwungen werden sollen, alle Informationen, die sie über die Sexualität ihrer Schüler erfahren – ob zufällig oder bewusst – direkt an die Eltern weitergeben zu müssen. Das Zwangs-Outing wird damit zur Realität, sollte es dann noch ein verunsicherter Schüler wagen, mit einer Vertrauensperson über Fragen zur Sexualität oder Geschlechtsidentität zu reden.

Damit noch nicht genug, sieht der Gesetzestext auch vor, dass Lehrer alle geplanten Lehr-Materialien zum Thema Sexualkunde zuvor zur Absegnung ebenso an die Eltern weitergeben müssen. LGBTI*-Aktivisten sind vor allem über die Tatsache entsetzt, dass selbst vertrauliche Gespräche zwischen Lehrern und Schülern nicht mehr vertrauensvoll bleiben sollen, sondern ohne Ausnahme ebenso offengelegt werden müssen.

Verfasst wurde der queerfeindliche und schlicht menschenverachtende Gesetzestext von Senator David Bullard – wenig überraschend ein Mitglied der Republikanischen Partei. Ebenso wenig erstaunlich verabschiedete der Senat von Oklahoma tatsächlich auch die Gesetzesvorlage mit einer Mehrheit von 39-zu-7 Stimmen – alle Republikaner stimmten pflichtbewusst dafür. In diesen Tagen nun wird das Manuskript dem Repräsentantenhaus vorgelegt.

Je genauer man ins Detail blickt, desto erschreckender gestaltet sich die Verbotsliste im Entwurf aus – davon betroffen sind nicht nur Unterrichtsmaterialien, Info-Broschüren, Biologie-Bücher und diverse andere Dokumente, sondern tatsächlich auch geplante Diskussionen, insbesondere wenn Gespräche dazu dienen könnten, "Reaktionen auf sexuelles Verhalten oder sexuelle Einstellungen hervorzurufen." Ein schwieriges Unterfangen im alltäglichen Unterricht, da nicht sofort zu Beginn an klar sein dürfte, wohin sich Diskussionen in einer Klasse entwickeln können oder welche Fragen während des Unterrichts spontan aufkommen. Zudem ist die Auslegung, was ein solches Verhalten hervorrufen könnte, sehr vage. Trotzdem sollen Lehrer künftig verpflichtet werden, auch angedachte Diskussionen vorab mit allen (!) betroffenen Eltern zu besprechen und sämtliche Inhalte zuvor offenzulegen.

Therapeuten, Eltern, Lehrer und sogar Politiker zumeist aus dem demokratischen Lager schlagen Alarm, denn das neue Gesetz würde nicht nur de facto die Zensur einführen, sondern auch das Vertrauensverhältnis zwischen Jugendlichen und Beratern gänzlich untergraben – so würden verunsicherte Schüler mit ihren Problemen gänzlich allein gelassen. Darauf von einzelnen Parteikollegen aus den eigenen Reihen angesprochen, erwiderte Senator Bullard, dass er keine solchen Probleme erkennen könne. Wie so oft hat auch die Erklärungs-Schallplatte des Republikaners bereits einen Sprung: Dieser Gesetzentwurf sei kein Angriff auf LGBTI*-Personen, sondern es gehe um die Rechte der Eltern, so Bullard.

Zahlreiche Studien und Untersuchungen der letzten Jahre belegen eindeutig, dass sogenannte „No-Promo-Homo-Gesetze“ sich massiv negativ auf queere Schüler auswirken. Wie in einer Kettenreaktion schweigen zuerst die Lehrer, dann fallen weitere Beratungsdienste oder schulische Gesundheitsangebote weg. Queere Schüler werden darauf zurückgeworfen, sich alleine mit ihren Problemen auseinandersetzen zu müssen und dabei mit niemandem darüber sprechen zu können. Zudem zeigen die Studien auch, dass das Schweigen über LGBTI*-Themen einen queerfeindlichen Zustand an den Schulen fördert – homophobe Äußerungen und gewaltsame Übergriffe nehmen ebenso zu wie Mobbing und Belästigungen. Gerade in ländlichen Teilen der USA sind Vertrauenslehrer oftmals die einzigen Personen, an die sich ein queerer Schüler überhaupt wenden kann – bricht diese Möglichkeit weg, verbunden mit dem Anstieg eines Anti-LGBTI*-Klimas, hat das im Wesentlichen vor allem eine Auswirkung: Die Zahl der Suizidfälle unter queeren Jugendlichen wird weiter massiv ansteigen. Der Mythos indes hält sich trotzdem standhaft, dass LGBTI*-positiver Unterricht junge Menschen selbst queer machen könnte. Der Mythos der sozialen Ansteckung ist genau das - ein Mythos. Und wie so oft in diesen Fällen, spiegelt der Glaube daran die intellektuelle Messlatte der Gläubigen wider.

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