Direkt zum Inhalt
2.500 Geistliche für Konversionstherapien
ANZEIGE

„Schwule missbrauchen ihren Körper!“ 2.500 Geistliche für Konversionstherapien

ms - 17.02.2022 - 16:30 Uhr
Loading audio player...

Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis ähnlich einer Wellenbewegung eine Gegenreaktion auf all die positiven Signale in puncto Konversionstherapien in den letzten Wochen einsetzen würde. Nachdem zuletzt Frankreich, die Niederlande und Israel sich klar für ein Verbot der „Homo-Heilungen“ ausgesprochen hatten, wollen nun rund 2.500 Pfarrer aus Großbritannien ein ähnliches Gesetz im Vereinigten Königreich verhindern. Bisher wurde auf der Insel zwar seit Jahren eifrig darüber diskutiert, zu einem Beschluss kam es aber auch dank der Hinhalte- und Verzögerungs-Politik der Johnson-Regierung bisher nicht.

In einem öffentlichen Statement bezeichnen die geistlichen Vergeistigten jene menschenverachtenden Umpolungs-Mechanismen nun als „human und barmherzig“. Der Brief der christlichen Herren richtet sich an die Ministerin für Frauen und Gleichstellung, Liz Truss, in dem sie auch freiherzig schreiben, dass der Versuch, die eigene sexuelle Orientierung zu ändern, Teil ihrer Religion sei. Sie würden LGBTI*-Personen zwar respektieren, aber seien der Auffassung, dass Jesus sie einer Konversionstherapie unterziehen wolle. Des Weiteren sind sich die Pfarrer auch nicht zu schade dafür, selbst in die Opfer-Rolle zu schlüpfen: "Wir sehen in diesen Vorschlägen eine klare Möglichkeit, dass unsere Pflicht als Geistliche, die Herrschaft Jesu Christi zu verkünden und die Menschen aufzurufen, das Leben in ihm zu finden, was ein Leben nach seinen Gesetzen einschließt, kriminalisiert wird." Ebenso würden durch ein Verbot von Konversionstherapien auch christliche Eltern kriminalisiert, die die Homosexualität ihrer Kinder ablehnen. In der Gesetzesvorlage ist dies nicht niedergeschrieben, aber es besteht die Möglichkeit, dass der Heilige Geist die Pfarrer mit dieser Einsicht erleuchtet hat. 

© MEDITERRANEAN
© MEDITERRANEAN

Ein Leben als LGBTI*-Mensch habe zudem "tiefe und tragische Konsequenzen für den Einzelnen, die Familien und die Gesellschaft“, zudem würden vor allem schwule Männer und trans-Menschen "ihren gesunden Körper missbrauchen und schädigen." Abschließend bekräftigten die Glaubensbrüder, dass sie sich auch dann nicht von Konversionstherapien abbringen lassen werden, wenn diese künftig verboten seien. Bleibt zu hoffen, dass in Großbritannien die Vernunft siegt und die britische Regierung versteht, was die Trennung zwischen Staat und Religion wirklich bedeutet.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Sexpositive Städte weltweit

Vancouver holt deutlich auf

Die sexpositivste Stadt weltweit bleibt auch 2026 Amsterdam, doch Vancouver auf Platz 2 holt stark auf. Die erste deutsche Stadt: Köln auf Platz 4.
Kirchen im LGBTIQ+-Check

Zwischen Akzeptanz und Ablehnung

Eine neue US-Rangliste zeigt: Während einige Kirchen LGBTIQ+-Menschen vollständig gleichstellen, halten andere an einer strikten Ablehnung fest.
Australiens Volkszählung

Erstmals wird LGBTIQ+ mitgedacht

Australiens neue Volkszählung 2026 erfasst erstmals LGBTIQ+-Daten. Aktivisten sehen darin einen wichtigen Schritt für mehr Sichtbarkeit.
Lehrer kämpfen für Schutz

Ohio verschärft LGBTIQ+-Regeln

Eine Lehrerin hat in Ohio eine Kampagne angestoßen und schult Pädagogen zu LGBTIQ+-feindlichen Gesetzen gegen Schüler.
Burnhams Kabinett im Fokus

Zwischen Gleichheit und Streit

Das neue britische Labour-Kabinett unter Andy Burnham steht wegen seiner Positionen zu LGBTIQ+-Rechten derzeit verstärkt im Fokus.
HIV-Hilfe unter Druck

US-Kürzungen mit massiven Folgen

Eine neue Studie sieht massive Folgen von US-Hilfskürzungen für HIV-Programme, über 1.700 Einrichtungen weltweit mussten bereits schließen.
World Pride in Amsterdam

Königlicher Auftakt für Vielfalt

Mit Besuch von Königin Máxima ist der World Pride in Amsterdam gestartet. Veranstalter und Politik warnen vor wachsendem Druck auf LGBTIQ+-Rechte.
Ermittlung gegen Bürgermeister

Streit um beleidigende E-Mails

Nach dem Streit um die Rettung des gestrandeten Buckelwals "Timmy" ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Timmendorfer Strands schwulen Bürgermeister.
Grindr-Fallen vor Gericht

Urteilsspruch in Frankreich

Sechs Männer sind nach Grindr-Fallen in Frankreich verurteilt worden. Trotz gezielter Angriffe erkannte das Gericht kein homophobes Tatmotiv an.