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Flucht aus Sierra Leone
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Flucht aus Sierra Leone Familien und Vermieterin zweier schwuler Männer unter Druck

ms - 14.09.2026 - 11:30 Uhr
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Zwei schwule LGBTIQ+-Menschenrechtsaktivisten aus Sierra Leone haben das Land aus Angst um ihre Sicherheit verlassen. George Reginald Freeman Browne, Geschäftsführer der LGBTIQ+-Menschenrechtsorganisation Pride Equality, und sein Partner sowie Aktivist Edwin Bolaji Deen werden seit dem 30. August von der Polizei gesucht. Ausgangspunkt war eine großangelegte Razzia auf einer Privatparty, bei der rund sechzig schwule Männer verhaftet wurden.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die LGBTIQ+-Aktivisten George Reginald Freeman Browne und Edwin Bolaji Deen haben Sierra Leone aus Sicherheitsgründen verlassen.
  • Die Polizei fahndet seit dem 30. August nach den beiden.
  • Ihnen werden „Homosexualität und soziale LGBTIQ+-Aktivitäten“ vorgeworfen.
  • Die Polizei bezeichnete ihre Arbeit als „geeignet, eine Störung des öffentlichen Friedens zu verursachen“ und setzte eine „großzügige“ Belohnung für Hinweise aus.
  • Deens Familie macht ihn für den Tod seines Vaters verantwortlich.
  • Nach Angaben Freemans setzt die Polizei Deens Familie weiterhin mit Razzien und Befragungen unter Druck.
  • Eine Vermieterin kündigte den Mietvertrag der beiden und drohte mit einer Festnahme, sollten sie zurückkehren.
  • Freeman beschreibt die Lage als von Angst, Todesdrohungen und großem psychischem Druck geprägt.

Polizei fahndet nach Aktivisten

An diesem Tag hatten Sicherheitskräfte eine Feier durchsucht, an der Freeman und Deen teilgenommen hatten. Anschließend erließ die Polizei Haftbefehle gegen die beiden. Ihnen werden „Homosexualität und soziale LGBTIQ+-Aktivitäten“ vorgeworfen. Die Polizei erklärte zudem, die Arbeit der beiden sei „geeignet, eine Störung des öffentlichen Friedens zu verursachen“. Für Informationen, die zu ihrer Festnahme führen, wurde eine „großzügige“ Belohnung ausgesetzt. Freeman wandte sich aus dem Ausland an das Nachrichtenportal Erasing 76 Crimes und schilderte die weitere Entwicklung. Nach Freemans Angaben hat sich die Situation seit der Razzia immer weiter zugespitzt.

Freeman berichtete, dass er und Deen fortlaufend Anrufe von Familienangehörigen und Freunden erhielten. Sie würden darin davor gewarnt, nach Sierra Leone zurückzukehren. Hinzu kämen Todesdrohungen und Warnungen über WhatsApp von unbekannten Telefonnummern. In einer Nachricht schrieb Freeman: „Ich schreibe, um euch über unsere Situation zu informieren, die sich in den vergangenen Tagen dramatisch verschlechtert hat. Der Druck und die Gefahren, denen Edwin und ich ausgesetzt sind, nehmen rapide zu, und wir sind extrem gestresst und haben große Angst um unsere Sicherheit. Wir erhalten weiterhin ständig Anrufe von Familienangehörigen und Freunden, die uns warnen, niemals nach Sierra Leone zurückzukehren. Noch beunruhigender ist, dass wir fortlaufend Todesdrohungen und Warnanrufe über WhatsApp von unbekannten Telefonnummern erhalten.“

Familie erhöhte Druck

Besonders belastend ist für Deen nach den Angaben seines Partners der Tod seines Vaters. Deens Mutter und seine übrigen Familienangehörigen machten ihn dafür verantwortlich, schrieb Freeman. „Edwins Mutter und seine gesamte Familie beschuldigen ihn inzwischen und geben ihm die Schuld am Tod seines Vaters. Nach einem Anfang September von der Daybreak Newspaper veröffentlichten Artikel führt die Polizei ständig Razzien durch und setzt seine Familie unter Druck, um sie dazu zu zwingen, Edwin auszuliefern. Seine Mutter bestätigte, dass sein Vater vor seinem Tod einen enormen emotionalen Schock, große seelische Belastung und tiefe Enttäuschung erlitten habe. Trotz seines Todes haben die Polizeibesuche und der Druck auf die Familie nicht aufgehört.“

„Verdammte Homosexuelle“

Auch ihre frühere Vermieterin habe sich inzwischen gegen die beiden gewandt. Sie habe Freeman zufolge über WhatsApp Kontakt aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass sie nicht in die Wohnung zurückkehren dürften. „Sie bezeichnete uns als ‚verdammte Homosexuelle‘, forderte uns auf, niemals in die Wohnung zurückzukehren, und erklärte, dass sie sofort die Polizei rufen werde, um uns festnehmen zu lassen, falls wir zurückkämen.“ Die Vermieterin habe den Mietvertrag nach Freemans Darstellung für beendet erklärt. Damit sei auch die bereits im Voraus gezahlte Miete für zwei Jahre verloren.

Die Situation setzt insbesondere Deen nach den Angaben seines Partners psychisch stark zu. Neben dem Tod seines Vaters müsse er mit den Vorwürfen seiner Familie umgehen. „Wir fühlen uns im Moment völlig gefangen, ungeschützt und überfordert. Edwin steht sowohl wegen des Verlusts seines Vaters als auch wegen der Vorwürfe seiner Familie unter enormem psychischem Druck.“ Freeman und Deen befinden sich inzwischen außerhalb Sierra Leones. Eine Rückkehr sei angesichts der Fahndung, der Drohungen und des Drucks auf ihr Umfeld für sie derzeit keine Option. Zum Abschluss seiner Nachricht betonte Freeman: „Wir sind euch zutiefst dankbar für eure anhaltende Unterstützung während dieses Albtraums.“

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