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Flucht vor Todesdrohungen Von einer Razzia in Sierra Leone nach Europa

Von ms - 06.10.2026 - 12:00 Uhr
Flucht vor Todesdrohungen
Foto: Verein 76crimes
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Zwei schwule LGBTIQ+-Aktivisten aus Sierra Leone sind vor Todesdrohungen und drohender Festnahme aus ihrer Heimat geflohen und haben jetzt Spanien erreicht. George Reginald Freeman Browne und sein Partner Edwin Bolaji Deen berichten von einer zunehmenden Bedrohung durch Polizei, Unbekannte und ihr persönliches Umfeld. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die schwulen LGBTIQ+-Aktivisten George Reginald Freeman Browne und Edwin Bolaji Deen haben Sierra Leone verlassen und sind in Spanien angekommen.
  • Beide berichten von Todesdrohungen und davon, seit einer Polizeirazzia Ende August von den Behörden gesucht zu werden.
  • Deen erhielt mit Unterstützung des französischen LGBTIQ+-Botschafters Jean-Marc Berthon ein Visum für Spanien. 
  • Freeman besitzt die spanische Staatsbürgerschaft.
  • Freeman berichtet außerdem von massiven Polizeidruck auf Deens Familie.
  • Die Vermieterin des Paares soll die Männer als „verdammte Homosexuelle“ beschimpft, den Mietvertrag beendet und mit der Polizei gedroht haben.
  • Vor Ort gibt es Streitigkeiten darüber, wie sich der Sachverhalt tatsächlich ereignet hat, die Polizei nennt ebenso keine Details. 

Flucht von Schwulen-Party

Freeman ist Geschäftsführer der LGBTIQ+-Menschenrechtsorganisation Pride Equality, Deen engagiert sich ebenfalls als Aktivist. Beide sollen seit dem 30. August von der Polizei Sierra Leones gesucht worden sein. An diesem Tag durchsuchte die Polizei eine private Party schwuler Männer, an der auch die beiden Aktivisten teilgenommen hatten. Bis zu 60 Männer sollen bei der Razzia verhaftet worden sein, das schwule Paar konnte fliehen. Was sich konkret vor Ort ereignet hat, ist umstritten, die Polizei hat dazu bis heute nicht offiziell Stellung genommen. Die Vorwürfe lauteten allerdings auf „schwule Homosexualität und soziale Aktivitäten von LGBTIQ+“, die nach Darstellung der Polizei „geeignet waren, den öffentlichen Frieden zu stören“.

Unterstützung aus Frankreich 

Deen konnte schließlich mit internationaler Unterstützung nach Spanien reisen. Jean-Marc Berthon, der französische Botschafter für die Rechte von LGBTIQ+-Menschen, setzte sich für ihn ein. Deen erhielt daraufhin ein Visum für die Reise nach Barcelona. Freeman besitzt die spanische Staatsbürgerschaft und benötigte kein Visum. Nach der erfolgreichen Ausreise wandte sich Freeman an Berthon: „Edwin und ich sind beide überwältigt von Erleichterung und Dankbarkeit. Worte können nicht vollständig ausdrücken, wie viel uns Ihre Beratung, Ihr Einsatz und Ihre unerschütterliche Unterstützung während dieser furchterregenden Krise bedeutet haben. Als wir uns völlig gestrandet, gestresst und hoffnungslos fühlten, gab uns Ihre Hilfe die Orientierung und den Schutz, die wir so dringend brauchten.“

Haftbefehle wegen Homosexualität

Im Internet tauchten inzwischen zudem Dokumente auf, die als Haftbefehle der Behörden Sierra Leones bezeichnet wurden, bestätigt wurde dies offiziell noch nicht. Dem schwulen Paar wird „Homosexualität“ vorgeworfen. Für Informationen, die zu ihrer Festnahme führen, sei zudem eine „großzügige“ Belohnung angeboten worden. Ein Bürgerrechtsverein indes behauptet inzwischen, die Dokumente seien gefälscht worden. Unabhängig davon verließen Freeman und Deen Sierra Leone. Sie erklärten, massive Todesdrohungen erhalten zu haben. Nach ihrer Ausreise seien außerdem Schreiben der Polizei an ihrer Wohnung eingetroffen. Familienangehörige und Freunde hätten sie außerdem eindringlich davor gewarnt, nach Sierra Leone zurückzukehren. „Wir erhalten weiterhin ständig Anrufe von Familie und Freunden, die uns davor warnen, jemals nach Sierra Leone zurückzukehren. Noch beunruhigender ist, dass wir fortwährend Todesdrohungen und Warnanrufe über WhatsApp von unbekannten Telefonnummern erhalten.“

Zusätzlich verschärfte der Tod von Deens Vater die persönliche Situation des Aktivisten. Nach Angaben Freemans macht Deens Familie ihn für den Tod verantwortlich. „Edwins Mutter und seine gesamte Familie geben ihm inzwischen die Schuld am Tod seines Vaters und werfen ihm vor, diesen verursacht zu haben.“ Auch ihre Wohnung in Sierra Leone haben die beiden Männer verloren, berichtete Freeman. Die Vermieterin habe sie über WhatsApp kontaktiert und massiv beschimpft. „Sie nannte uns ‚verdammte Homosexuelle‘, sagte uns, wir sollten niemals in die Wohnung zurückkehren, und erklärte, dass sie sofort die Polizei rufen werde, um uns festnehmen zu lassen, falls wir es doch tun.“ Zudem habe die Vermieterin den Mietvertrag einseitig beendet.

Kritik von Bürgerrechtsverein 

Der Darstellung von Freeman und Deen steht ein Bericht des Human Rights Defenders Network-SL entgegen. Dessen Exekutivsekretär Alphonsus B.M. Gbanie erklärte, die Polizei Sierra Leones habe „jegliche Festnahme von Mitgliedern der schwulen Bevölkerung bestritten“. Die Polizei bestreite außerdem, „zwei Personen zur Fahndung ausgeschrieben“ zu haben. Die Organisation habe auch das Hill Valley Hotel überprüft, in dem die angebliche Razzia stattgefunden haben soll. „Die Geschäftsführung bestätigte, dass sich an diesem Tag kein solcher Vorfall im Hotel ereignet habe und dass das Hotel darüber hinaus nicht in Betrieb sei.“ Darüber hinaus habe sich das Netzwerk an die Dignity Association gewandt, eine zivilgesellschaftliche Organisation, die mit schwulen Menschen arbeitet. „Auch diese Organisation weiß nichts von einem solchen Vorfall“, erklärte Gbanie weiter. Freeman widersprach diesen Angaben jetzt in einem Interview in Spanien und erklärte, dass er die Feier nicht organisiert habe. Er sei lediglich eingeladen gewesen. Ob das Hill Valley Hotel zu diesem Zeitpunkt regulär als Hotel in Betrieb gewesen sei, habe er nicht gewusst. Zudem gab der Aktivist eine Schriftprobe ab, um zu belegen, dass er keine Dokumente gefälscht habe. 

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