Direkt zum Inhalt

Trump verspottet Aktivisten Lage in Palästina bleibt Streitfall in der Community

Von ms - 06.10.2026 - 11:30 Uhr
Trump verspottet Aktivisten
Foto: IMAGO / Newscom / AdMedia
ANZEIGE
Loading audio player...

US-Präsident Donald Trump (80) hat bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Alabama über homosexuelle und queere Unterstützer der Palästinenser gespottet. Trump schlug vor Publikum vor, Mitglieder einer als „Gays for Palestine“ bezeichneten Bewegung zum Verhandeln in die Region zu schicken. Anschließend deutete er an, dass sie nicht zurückkehren würden.

Das Wichtigste im Überblick

  • US-Präsident Donald Trump hat bei einer Wahlkampfveranstaltung in Alabama über die Bewegung „Gays for Palestine“ gespottet. 
  • Trump schlug vor, die Aktivisten zum Verhandeln in die Region zu schicken, und sagte: „Ihr werdet sie nie wiedersehen.“
  • Queere Aktivisten werteten die Äußerungen als Beispiel für „Homonationalismus“. 
  • Der Wissenschaftler Sa'ed Atshan warnt davor, Homophobie in der palästinensischen Gesellschaft auszublenden. 
  • Er betonte aber auch, dass die palästinensische Gesellschaft nicht pauschal homophob sei. 
  • Menschenrechtsverbände dokumentierten in den letzten Jahren immer wieder außergerichtliche Hinrchtungen von Schwulen. 
  • Den schwulen Männern wurden dabei „Moralverstöße“ vorgeworfen. 

„Ihr werdet sie nie wiedersehen“

Die Äußerungen fielen bei einer Veranstaltung in Mobile. Trump sagte über pro-palästinensische queere Aktivisten: „Sie sind da draußen und machen Politik: ‚Gays for Palestine!‘ Wie findet ihr das?“ Im Publikum war daraufhin Gelächter zu hören. Trump fuhr fort: „Ich sagte: ‚Moment mal. Gays for Palestine? Wisst ihr, was sie mit schwulen Menschen in diesem Teil der Welt machen?‘“ Trump griff die Bewegung anschließend erneut auf und machte einen Vorschlag, den er mit der Situation homosexueller Menschen in der Region verband. „Schicken wir sie doch eines Tages dorthin, um zu verhandeln. Mal sehen. Ihr werdet sie nie wiedersehen. Ich möchte euch nicht erzählen, was sie tun, aber sie tun Dinge, die ihr nicht glauben würdet.“ Queere Aktivisten verurteilten Trumps Äußerungen daraufhin als ein Beispiel für sogenannten „Homonationalismus“. 

Queers for Palestine

Pro-palästinensische LGBTIQ+-Aktivisten, bekannt vor allem als „Queers for Palestine“, konzentrieren ihre Kritik insbesondere auf das Vorgehen Israels gegenüber den Palästinensern und auf die Unterstützung Israels durch die USA und andere Verbündete. Der Wissenschaftler Sa'ed Atshan, Professor für Anthropologie sowie Friedens- und Konfliktforschung am Swarthmore College, hat sich mit diesem Spannungsverhältnis auseinandergesetzt. Es sei nicht sinnvoll, „die Realität der Homophobie innerhalb der palästinensischen Gesellschaft zu leugnen oder auszublenden“, erklärte Atshan. Zugleich seien „der Kampf für queere Befreiung und der palästinensische Befreiungskampf untrennbar miteinander verbunden und grundsätzlich verknüpft“. Atshan warnte zugleich davor, die palästinensische Gesellschaft pauschal als besonders homophob darzustellen.

Die Situation von LGBTIQ+-Menschen in den palästinensischen Gebieten ist seit langem auch innerhalb queerer Communitys Gegenstand kontroverser Diskussionen. Israel gilt dabei als das einzige LGBTIQ+-freundliche Land im Nahen Osten. Kritiker werfen der israelischen Regierung indes vor, diese Positionierung für „Pinkwashing“ zu nutzen. Fakt ist, homosexuelle Handlungen stehen in Palästina unter Strafe und werden mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Human Rights Watch dokumentierte zudem immer wieder massive Foltervorwürfe und Hinweise auf außergerichtliche Hinrichtungen von Schwulen aufgrund ihrer „Moralverstöße“ in Verbindung mit „homosexuellem Verhalten“. Unabhängig davon sind zahlreiche weitere Hinrichtungen und außergerichtliche Tötungen durch Hamas-Behörden und Hamas-nahe Kräfte laut Amnesty International dokumentiert. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

BR24Wasserzeichen in ChatGPT-Texten: Das sollten Sie beachtenDER STANDARDMareike Fallwickl: "Ein Frauenleben ist auch ohne Männer sehr erfüllt"DER SPIEGELFitness: Queere Körperideale - »Jetzt werde ich auch einer von denen«Süddeutsche ZeitungUnderdox-Festival in München: Die letzten Filme vor dem TodAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Flucht vor Todesdrohungen

Aktivisten erreichen Spanien

Zwei schwule LGBTIQ+-Aktivisten aus Sierra Leone sind nach ihrer Flucht in Spanien angekommen. Sie berichten von massiven Todesdrohungen.
Trauer um Hélène Hazera

Ein Leben voller Kämpfe

Die französische Journalistin, trans* Aktivistin und Vorkämpferin der Community Hélène Hazera ist am Montag mit 74 Jahren gestorben.
Basler warnt vor Coming-Out

Homosexualität bleibt Tabuthema

Mario Basler hält ein Coming-Out im Profifußball weiterhin für kaum möglich und warnt vor massiven Anfeindungen gegen schwule Spieler.
Trauer um Mad Sandhu

Influencer in Indien erschossen

Der schwule Influencer Mad Sandhu ist in Indien auf offener Straße erschossen worden. Ermittler prüfen jetzt, ob der Angriff gezielt geplant war.
Kritik an Russland

LGBTIQ+-Betroffene ohne Urteil

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat fast 900 Beschwerden gegen Russland gestrichen, viele davon von LGBTIQ+-Personen.
Forderung nach Sexkaufverbot

Streit um das Nordische Modell

Bayerns Sozialministerin Scharf will Freier bestrafen – Fachverbände warnen dagegen vor mehr Illegalität und Gefahren für Sexarbeiter.
Warnung vor CSD-Angriffen

Verfassungsschutz betont Gefahren

Queerfeindliche Gewalt von rechts und Russlands Vorgehen alarmieren die deutschen Nachrichtendienste, so Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen.
Mehr Schutz für Gewaltopfer

Neues Gesetz erleichtert Trennung

Opfer häuslicher Gewalt sollen sich leichter aus gemeinsamen Mietverträgen lösen können – davon profitieren auch schwule Männer.
Zwischenwahlen in den USA

Queere Gen Z setzt auf Werte

Für die LGBTIQ+-Generation Z in den USA zählen bei Kandidaten vor allem gemeinsame Werte – deutlich mehr als eine gemeinsame Identität.