US-Präsident Donald Trump (80) hat bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Alabama über homosexuelle und queere Unterstützer der Palästinenser gespottet. Trump schlug vor Publikum vor, Mitglieder einer als „Gays for Palestine“ bezeichneten Bewegung zum Verhandeln in die Region zu schicken. Anschließend deutete er an, dass sie nicht zurückkehren würden.
Das Wichtigste im Überblick
- US-Präsident Donald Trump hat bei einer Wahlkampfveranstaltung in Alabama über die Bewegung „Gays for Palestine“ gespottet.
- Trump schlug vor, die Aktivisten zum Verhandeln in die Region zu schicken, und sagte: „Ihr werdet sie nie wiedersehen.“
- Queere Aktivisten werteten die Äußerungen als Beispiel für „Homonationalismus“.
- Der Wissenschaftler Sa'ed Atshan warnt davor, Homophobie in der palästinensischen Gesellschaft auszublenden.
- Er betonte aber auch, dass die palästinensische Gesellschaft nicht pauschal homophob sei.
- Menschenrechtsverbände dokumentierten in den letzten Jahren immer wieder außergerichtliche Hinrchtungen von Schwulen.
- Den schwulen Männern wurden dabei „Moralverstöße“ vorgeworfen.
„Ihr werdet sie nie wiedersehen“
Die Äußerungen fielen bei einer Veranstaltung in Mobile. Trump sagte über pro-palästinensische queere Aktivisten: „Sie sind da draußen und machen Politik: ‚Gays for Palestine!‘ Wie findet ihr das?“ Im Publikum war daraufhin Gelächter zu hören. Trump fuhr fort: „Ich sagte: ‚Moment mal. Gays for Palestine? Wisst ihr, was sie mit schwulen Menschen in diesem Teil der Welt machen?‘“ Trump griff die Bewegung anschließend erneut auf und machte einen Vorschlag, den er mit der Situation homosexueller Menschen in der Region verband. „Schicken wir sie doch eines Tages dorthin, um zu verhandeln. Mal sehen. Ihr werdet sie nie wiedersehen. Ich möchte euch nicht erzählen, was sie tun, aber sie tun Dinge, die ihr nicht glauben würdet.“ Queere Aktivisten verurteilten Trumps Äußerungen daraufhin als ein Beispiel für sogenannten „Homonationalismus“.
Queers for Palestine
Pro-palästinensische LGBTIQ+-Aktivisten, bekannt vor allem als „Queers for Palestine“, konzentrieren ihre Kritik insbesondere auf das Vorgehen Israels gegenüber den Palästinensern und auf die Unterstützung Israels durch die USA und andere Verbündete. Der Wissenschaftler Sa'ed Atshan, Professor für Anthropologie sowie Friedens- und Konfliktforschung am Swarthmore College, hat sich mit diesem Spannungsverhältnis auseinandergesetzt. Es sei nicht sinnvoll, „die Realität der Homophobie innerhalb der palästinensischen Gesellschaft zu leugnen oder auszublenden“, erklärte Atshan. Zugleich seien „der Kampf für queere Befreiung und der palästinensische Befreiungskampf untrennbar miteinander verbunden und grundsätzlich verknüpft“. Atshan warnte zugleich davor, die palästinensische Gesellschaft pauschal als besonders homophob darzustellen.
Die Situation von LGBTIQ+-Menschen in den palästinensischen Gebieten ist seit langem auch innerhalb queerer Communitys Gegenstand kontroverser Diskussionen. Israel gilt dabei als das einzige LGBTIQ+-freundliche Land im Nahen Osten. Kritiker werfen der israelischen Regierung indes vor, diese Positionierung für „Pinkwashing“ zu nutzen. Fakt ist, homosexuelle Handlungen stehen in Palästina unter Strafe und werden mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Human Rights Watch dokumentierte zudem immer wieder massive Foltervorwürfe und Hinweise auf außergerichtliche Hinrichtungen von Schwulen aufgrund ihrer „Moralverstöße“ in Verbindung mit „homosexuellem Verhalten“. Unabhängig davon sind zahlreiche weitere Hinrichtungen und außergerichtliche Tötungen durch Hamas-Behörden und Hamas-nahe Kräfte laut Amnesty International dokumentiert.