Die französische Journalistin und trans* Aktivistin Hélène Hazera ist am gestrigen Montag im Alter von 74 Jahren gestorben. Hazera gehörte zu den frühen öffentlich sichtbaren trans* Journalistinnen Frankreichs und engagierte sich über Jahrzehnte für die Rechte von LGBTIQ+-Menschen und Sexarbeitern sowie während der Aids-Krise bei Act Up-Paris.
Das Wichtigste im Überblick
- Die französische Journalistin und Aktivistin Hélène Hazera ist am gestrigen Montag im Alter von 74 Jahren gestorben.
- Hazera vollzog 1973 ihre Transition und wurde später bei „Libération“ zur ersten offen trans* lebenden Person, die für eine Zeitung schrieb.
- Bereits als Jugendliche engagierte sie sich im Front homosexuel d'action révolutionnaire (FHAR).
- Während der Aids-Krise verlor Hazera zahlreiche Freunde, infizierte sich selbst und engagierte sich bei Act Up-Paris.
- Sie setzte sich besonders für die Rechte von trans* Menschen und Sexarbeitern sowie für eine bessere HIV- und Aids-Prävention ein.
- Hazera hatte vor ihrer journalistischen Karriere selbst als Sexarbeiterin gearbeitet: „Ich werde Prostituierte immer verteidigen“, sagte sie später.
Beziehung zu den Eltern
Ihr Leben als Aktivistin betrachtete Hazera selbst vor dem Hintergrund ihrer Familiengeschichte. Ihre Eltern hatten während des Zweiten Weltkriegs der Résistance angehört. „Ich wurde mit der Vorstellung erzogen, dass ich es niemals besser machen könnte als meine Eltern, die während des Zweiten Weltkriegs im Widerstand waren. Ich habe einige Kämpfe geführt, aber das ist nichts im Vergleich zu den Gefahren, denen sie sich ausgesetzt haben.“ Trotz eines jahrzehntelangen Lebens als Journalistin und Aktivistin blieb für Hazera damit das Gefühl bestehen, dem Vermächtnis ihrer Eltern nur schwer gerecht werden zu können. Hazera war eine sehr gute Schülerin am Lycée Janson-de-Sailly in einem wohlhabenden Viertel von Paris. Früh beschäftigte sie sich mit der umfangreichen Bibliothek ihrer Eltern. Ihr Vater arbeitete als Organisationsingenieur, ihre Mutter als Verwaltungsangestellte. Das familiäre Verhältnis war zugleich schwierig.
Als Jugendliche nahm Hazera heimlich Halstücher und Lippenstifte ihrer Mutter. Sie erinnerte sich später auch daran, geweint zu haben, weil ihr die hochhackigen Schuhe ihrer Mutter in Größe 38 nicht passten. Mit Humor beschrieb sie diese Zeit später so: „Junge Homosexuelle kommen aus dem Schrank, junge trans* Menschen gehen in den Kleiderschrank ihrer Mutter.“ Als Hazera zunehmend als Frau lebte, verschärften sich die Spannungen innerhalb der Familie. Ihre Eltern hätten sie zwar nicht aus dem Haus geworfen, ihre fehlende Akzeptanz habe sie jedoch stark belastet. Besonders der Blick ihres Vaters habe sie verletzt. „Ihre Blicke, besonders der meines Vaters, taten mir zu sehr weh. Das hat mich dazu gebracht, auf den Strich zu gehen“, erinnerte sich Hazera. Noch bevor sie volljährig war, fand sie schließlich in der damaligen homosexuellen Emanzipationsbewegung neue Freiräume.
Frühes Engagement
Hazera schloss sich einer Gruppe innerhalb des Front homosexuel d'action révolutionnaire (FHAR) an. Später beteiligte sie sich an der 1972 gegründeten queeren Bewegung Gazolines. Humor und Provokation wurden dabei zu politischen Mitteln. Hazera erfand einen der bekanntesten Slogans des FHAR: „Proletarier aller Länder, streichelt euch“. Auch der Satz „Linke, entspannt eure Hintern“ stammte von ihr. Auf diese provokanten Aktionen wollte Hazera ihr Leben allerdings nicht reduziert wissen. 1973 vollzog Hazera ihre Transition. Als Frau gelang ihr anschließend der Einstieg in den Journalismus. Durch Michel Cressole kam sie zur französischen Tageszeitung „Libération“. Cressole setzte sich damals dafür ein, dass die Zeitung LGBTIQ+-Personen beschäftigte. Hazera wurde dort zur ersten offen trans* lebenden Person, die für eine Zeitung schrieb. Später bekam Hazera bei France Culture eine eigene Sendung über populäre Musik, die zu ihren großen Leidenschaften gehörte.
Aids-Krise prägte Generation
Mitte der 1980er-Jahre veränderte die Aids-Epidemie das Leben Hazeras und vieler Menschen in ihrem Umfeld grundlegend. Freunde aus der Zeit des FHAR starben nacheinander. Für Hazera wurde damit der Zusammenhalt innerhalb einer sehr unterschiedlichen Community immer wichtiger. „Es war dringend notwendig, dass die Community, die aus völlig gegensätzlichen Menschen bestand, zusammenhielt“, sagte sie. Hazera infizierte sich selbst und schloss sich schließlich Act Up-Paris an. Dort wurde Hazera erneut zur Aktivistin. Sie griff regelmäßig zum Megafon, um das Fehlen einer ausreichenden Präventionspolitik anzuprangern. Zugleich kämpfte sie für die Rechte von trans* Menschen und Sexarbeitern. Dabei verband sich ihr politisches Engagement unmittelbar mit ihrer eigenen Biografie. Bevor sie Journalistin geworden war, hatte Hazera selbst als Sexarbeiterin auf der Straße gearbeitet. „Ich bin vom Beruf der Straßenprostituierten zu dem der Journalistin gewechselt. Ich werde Prostituierte immer verteidigen“, erklärte sie später in einem Dokumentarfilm.