Spahn bittet um Entschuldigung „Ich war zu feige“, betont der CDU-Politiker
Der frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hat seinen Umgang mit der Debatte um seine Vaterschaft durch eine Leihmutterschaft in den USA als Fehler bezeichnet. In einem Brief an die CDU-Mitglieder seines nordrhein-westfälischen Wahlkreises bittet der CDU-Politiker um Entschuldigung.
Das Wichtigste im Überblick
- Jens Spahn hat sich in einem Brief an CDU-Mitglieder seines Wahlkreises für seinen Umgang mit dem Thema Leihmutterschaft entschuldigt.
- Der frühere CDU/CSU-Fraktionschef schreibt: „Ich war zu feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen.“
- Er habe eine schwierige Debatte vermeiden wollen, auch zum Schutz seiner werdenden Familie.
- Stattdessen habe er damit eine „sehr viel schwierigere Debatte“ ausgelöst.
- Spahn und sein Mann Daniel Funke wurden durch eine Leihmutter in den USA Eltern eines Sohnes.
- Innerhalb der CDU wurde Spahn vorgeworfen, früher eine andere Haltung zur Leihmutterschaft vertreten zu haben.
- Zudem wurde ihm vorgehalten, das in Deutschland geltende Verbot durch die Inanspruchnahme einer Leihmutterschaft in den USA umgangen zu haben.
- Im Juli hatte Spahn seine politischen Ämter in Fraktion und Partei zur Verfügung gestellt.
- Heute arbeitet er für die Unionsfraktion im Haushaltsausschuss des Bundestages.
- In seinem Brief erklärt Spahn auch, unter welchen Voraussetzungen er die Leihmutterschaft in den USA für vertretbar hielt.
Spahn räumt Fehler ein
„Ich war zu feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen“, schreibt Spahn in dem Brief, der heute versandt wurde und der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Er habe versucht, eine schwierige öffentliche Auseinandersetzung zu verhindern. „Ich wollte eine schwierige Debatte vermeiden, auch zum Schutz meiner werdenden Familie – und habe damit am Ende eine sehr viel schwierigere Debatte ausgelöst.“ Das sei falsch gewesen, schreibt Spahn. Er bedauere sein Verhalten zutiefst.
Der 46-Jährige war im Juli im Zusammenhang mit der Debatte um seine Vaterschaft durch eine Leihmutter von seinen politischen Funktionen zurückgetreten. Die Konsequenzen habe er gezogen, schreibt er nun. „Die Konsequenzen habe ich gezogen und meine politischen Ämter in Fraktion und Partei zur Verfügung gestellt.“ Spahn ist inzwischen für die Unionsfraktion Mitglied des Haushaltsausschusses des Bundestages. Nach seinem Rückzug vom Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion übernahm der frühere Kanzleramtschef Thorsten Frei die Führung der Fraktion.
„Vertrauen enttäuscht“
In seinem Schreiben an die rund 2.500 CDU-Mitglieder des Wahlkreises Steinfurt I/Borken I geht Spahn auch auf den persönlichen Hintergrund der Entscheidung ein. Er und sein Mann Daniel Funke hätten sich schon lange eine eigene Familie gewünscht. Das Paar nutzte schließlich eine in den USA erlaubte Leihmutterschaft, um Eltern zu werden. Gerade der Widerspruch zwischen seiner früheren politischen Position und seiner persönlichen Entscheidung habe jedoch Vertrauen beschädigt, räumt Spahn ein.
„Vor allem aber habe ich durch den Widerspruch zwischen meiner früher öffentlich vertretenen Haltung und meiner persönlichen Entscheidung Vertrauen enttäuscht. Dafür möchte ich Sie um Entschuldigung bitten.“ Spahn war innerhalb der CDU vorgeworfen worden, dass er bei der Frage der Leihmutterschaft früher eine andere Position vertreten habe. Zugleich wurde kritisiert, dass er für die eigene Familiengründung auf eine Möglichkeit in den USA zurückgegriffen habe, obwohl die Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und sich auch die CDU für dieses Verbot einsetzt.
Entscheidung für Leihmutterschaft
In seinem Brief erläutert Spahn ausführlicher, welche Überlegungen für ihn und seinen Mann bei der Entscheidung eine Rolle gespielt hätten. Der Wunsch, eine Familie zu gründen, habe bei beiden schon immer bestanden. Bei der Entscheidung für eine in den USA erlaubte Leihmutterschaft seien für ihn mehrere Bedingungen ausschlaggebend gewesen. Entscheidend sei so gewesen, dass die Leihmutter bereits eine eigene Familie habe und in finanziell stabilen Verhältnissen lebe. Außerdem sei sie rechtlich und medizinisch professionell begleitet worden. Ein weiterer Punkt sei für ihn gewesen, dass zwischen der Leihmutter und dem Kind keine genetische Verwandtschaft bestehe. Mit seinen Erläuterungen versuchte Spahn nach der heftigen Debatte um seine persönliche Familiengründung, seine damaligen Beweggründe gegenüber den Mitgliedern seines Wahlkreises offenzulegen.