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Reform der Leihmutterschaft Britisches Parlament bremst Pläne aus

Von ms - 10.09.2026 - 10:30 Uhr
Reform des Leihmutterschaftsrechts
Foto: Instagram / fr15by
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Für Adam Frisby und Jamie Corbett sollte die Geburt ihrer Tochter Leven der Beginn eines gemeinsamen Familienlebens sein. Stattdessen mussten die beiden nach der Rückkehr aus den USA feststellen, dass sie nach britischem Recht nicht automatisch als rechtliche Eltern ihres Kindes anerkannt wurden. In Großbritannien setzt sich das schwule Paar seitdem für eine Änderung des Leihmutterschaftsgesetzes ein. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Adam Frisby und Jamie Corbett kämpfen für eine Änderung des britischen Leihmutterschaftsrechts.
  • Das Paar bekam seine Tochter Leven mithilfe einer Leihmutter in den USA.
  • Nach der Rückkehr nach Großbritannien wurden beide dort nicht automatisch als rechtliche Eltern ihrer Tochter anerkannt.
  • Eine von ihnen gestartete Petition für eine Anerkennung von Wunscheltern ab der Geburt erhielt innerhalb weniger Tage 100.000 Unterschriften.
  • In dieser Woche debattierte das britische Parlament über eine Reform des Leihmutterschaftsrechts.
  • Die zuständige Ministerin Diana Johnson kündigte keine sofortigen Änderungen an.
  • Frisby und Corbett kritisieren, dass sich die Debatte ihrer Ansicht nach zu stark darauf konzentrierte, ob Leihmutterschaft überhaupt zulässig sein sollte.
  • Das Paar betont, seine Forderungen zielten auf den Schutz von Leihmüttern, Kindern und Wunscheltern.

Regierung will keine Änderungen

Leven war mithilfe einer Leihmutter in den USA zur Welt gekommen. In Großbritannien folgte deshalb ein langwieriges Verfahren, um die rechtliche Elternschaft feststellen zu lassen. Dabei waren unter anderem Gerichte und Sozialarbeiter beteiligt. Frisby und Corbett machten ihre Erfahrungen öffentlich und starteten eine Petition. Ihr Ziel: Wunscheltern sollten künftig von der Geburt an als rechtliche Eltern anerkannt werden. Die Petition erhielt innerhalb weniger Tage 100.000 Unterschriften und führte damit zu einer Debatte im britischen Parlament. In dieser Woche nun befasste sich das britische Parlament mit einer möglichen Reform des Leihmutterschaftsrechts. Diana Johnson, Staatsministerin für öffentliche Gesundheit und Patientensicherheit, machte dabei allerdings deutlich, dass die Regierung keine unmittelbaren Änderungen plant.

Die Regierung wolle verschiedene Möglichkeiten für eine künftige Reform prüfen, erklärte Johnson weiter. Veränderungen müssten jedoch „das Wohlergehen der Kinder schützen und die Sicherheit aller an Leihmutterschaftsvereinbarungen Beteiligten gewährleisten sowie das Vertrauen der Öffentlichkeit aufrechterhalten“. Für Frisby und Corbett war die Entscheidung eine Enttäuschung. Nach der großen Resonanz auf ihre Petition waren sie nach eigenen Angaben mit Hoffnung ins Parlament gegangen.

Kritik an der Debatte

Nach der Parlamentsdebatte äußerten sich die beiden in den sozialen Medien. Sie machten deutlich, dass es ihnen bei ihrer Kampagne nicht darum gehe, Schutzvorschriften für Frauen abzubauen. Vielmehr forderten sie eine rechtliche Anerkennung von Wunscheltern ab der Geburt – verbunden mit angemessenen Schutzmaßnahmen für die Eltern, die Kinder und die Leihmütter. Nach Ansicht des Paares wurde dieser Kern ihrer Forderung in der Debatte jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. Stattdessen habe sich die Diskussion ihrer Wahrnehmung nach vielfach darum gedreht, ob Leihmutterschaft überhaupt existieren sollte. „Familien wie unsere wurden auf Aussagen wie ‚wohlhabende Männer, die Frauen ausbeuten‘ reduziert. Es wurden Behauptungen darüber aufgestellt, dass Leihmütter ihre Entscheidungen bereuen würden – und als diese Behauptungen hinterfragt wurden, gab es dafür nicht ein einziges Stück Forschung oder Beleg“, sagte Frisby.

Streit über Familienbild

Besonders irritiert zeigte sich der Modeunternehmer über die Äußerung eines Abgeordneten. Dieser habe ihm und Corbett Anfang der Woche gesagt, er glaube an „traditionelle, stabile Familienstrukturen“, zu denen biologische Mütter gehörten. „Ich war wirklich schockiert, das im Jahr 2026 von einem Abgeordneten zu hören – insbesondere nach dem heutigen Tag. Vielleicht hätte ich das nicht sein sollen“, sagte Frisby. Das Paar stellte zugleich klar, dass es seine Familie nicht zur Diskussion stellen wolle. Leven sei ihre Tochter, sie selbst seien ihre Väter. Niemanden hätten sie darum gebeten, die Art und Weise zu billigen, wie ihre Familie entstanden sei. Ihre zentrale Forderung fassten sie erneut in drei Punkten zusammen: „Leihmütter schützen. Kinder schützen. Wunscheltern schützen.“

Kampagne vorerst beendet

Die Auseinandersetzung mit dem britischen Recht und die politische Debatte haben das Paar nach eigenen Angaben emotional stark belastet. Trotz der Enttäuschung wollen Frisby und Corbett ihre Überzeugung nicht grundsätzlich aufgeben. Ihre bisherige Kampagne haben sie jedoch vorerst beendet. „Nicht, weil es uns egal ist. Mein Gott, ist es uns nicht egal“, sagte Frisby. „Wir haben alles gegeben.“ Das Thema Leihmutterschaft ist bis heute stark umstritten, auch innerhalb der Community. Zuletzt heizte die Leihmutterschaft des ehemaligen Unions-Fraktionschefs Jens Spahn die Debatte auch in Deutschland erneut an. 

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