Spahn zurück in Deutschland Kritik an Leihmutterschaft reißt nicht ab
Jens Spahn ist wieder in Deutschland. Der 46 Jahre alte CDU-Politiker reiste gemeinsam mit seinem Ehemann Daniel Funke und dem gemeinsamen Sohn Georg aus den USA zurück. Für das Baby war es der erste Aufenthalt auf deutschem Boden. Derweil geht die Debatte über Leihmutterschaft weiter, auch ein schwuler Verein kritisiert den Unions-Politiker jetzt scharf.
Das Wichtigste im Überblick
- Jens Spahn ist mit seinem Ehemann Daniel Funke und dem in den USA geborenen Sohn Georg nach Deutschland zurückgekehrt.
- Das Kind kam mithilfe einer Leihmutter in den USA zur Welt – ein Vorgang, der in Deutschland eine heftige politische Debatte auslöste.
- Spahn hatte als CDU-Politiker die restriktive Haltung seiner Partei zur Leihmutterschaft mitgetragen und verteidigt.
- Kritiker warfen ihm deshalb Doppelmoral vor; schließlich legte er den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nieder.
- Der Schwulen-Verein Just Gay lehnt Leihmutterschaft grundsätzlich ab und fordert stattdessen, Adoption als Alternative zu betrachten.
Private Nachricht wird zum Politikum
Die Geburt des Kindes war zunächst als private Familienangelegenheit gedacht. Mitte Juli wurde bekannt, dass Spahn und Funke Eltern geworden waren. Doch schon kurz darauf entwickelte sich daraus eine politische Auseinandersetzung. Im Mittelpunkt steht die Tatsache, dass Georg mithilfe einer Leihmutter in den USA geboren wurde. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Spahn hatte als CDU-Politiker die ablehnende Position seiner Partei selbst mitgetragen und verteidigt.
Spahn musste sich den Vorwurf der Doppelmoral gefallen lassen, während der politische Druck auch innerhalb seiner Partei immer größer wurde. Schließlich zog Spahn Konsequenzen und trat als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück. Der Schritt erfolgte auch unter dem Druck von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Danach zog sich Spahn zunächst gemeinsam mit Funke aus dem politischen Geschehen zurück und verbrachte Zeit mit seiner Familie in den Hamptons. Dort feierte Funke seinen 45. Geburtstag im kleinen Kreis mit seinem Mann und engen Freunden.
Unklare rechtliche Situation
Neben der politischen Diskussion stellen sich nun auch rechtliche Fragen. Der genetische Vater des Kindes ist Daniel Funke. Welche konkrete rechtliche Stellung Spahn als Vater hat, ist öffentlich nicht bekannt. Für vergleichbare Fälle gibt es allerdings bereits Entscheidungen und Regelungen. Der Bundesgerichtshof hatte 2014 über einen Fall mit zwei deutschen Männern und einer Leihmutter in Kalifornien entschieden. Damals wurde eine entsprechende Entscheidung eines US-Gerichts zugunsten beider Väter anerkannt.
Auch in anderen US-Bundesstaaten gibt es rechtliche Verfahren, die die Elternschaft bereits vor der Geburt festlegen können. Dazu gehören sogenannte Pre-Birth-Orders, die unter anderem in New Jersey möglich sind. Georg wurde in den USA geboren. Dort gilt grundsätzlich das Geburtsortsprinzip. Danach erhält ein Kind, das auf US-amerikanischem Boden geboren wird, die US-Staatsbürgerschaft. Zusätzlich bekommt ein Kind mit mindestens einem deutschen Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit.
Schwulenverein lehnt Leihmutterschaft ab
Während die politische Debatte um Spahns Familiengründung anhält, kommt nun auch Kritik aus der schwulen Community. Florian Greller, Gründer der schwulen Organisation „Just Gay Germany“, spricht sich entschieden gegen Leihmutterschaft aus. „Es gibt kein Grundrecht auf ein Kind“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Es ist das Schicksal schwuler Männer, dass sie keine Kinder gebären können. Das ist zwar traurig, aber man muss es akzeptieren.“
Greller sieht Adoption als mögliche Alternative. Die Zugangshürden seien zwar hoch, nach seiner Einschätzung beträfen sie jedoch homosexuelle und heterosexuelle Paare gleichermaßen. Besonders problematisch findet der Aktivist die Belastungen, denen Leihmütter ausgesetzt sein können. Für ihn handelt es sich bei der Leihmutterschaft vor allem um „Ausbeutung von Frauen“. Schwangerschaft und Geburt würden aus seiner Sicht in der öffentlichen Diskussion häufig verharmlost. Die gesundheitlichen Risiken für die Frauen seien ein wesentlicher Punkt. Zugleich stellt Greller die psychischen Folgen einer Leihmutterschaft infrage: „Und was bedeutet es für die Psyche der Frau, wenn sie ein Kind austrägt und es dann hergeben muss?“
Fokus auf Vertragsbedingungen
Greller richtet seine Kritik außerdem auf die Verträge, die zwischen den Beteiligten geschlossen werden können. Dabei verweist er auf mögliche Vorgaben für die Schwangerschaft und die Geburt. „Es ist ein abstoßendes Geschäftsmodell. Wenn der jeweilige Vertrag nicht erfüllt wird, dann gibt es entsprechende Konsequenzen: So kann vereinbart werden, dass das Kind abgetrieben werden muss“, sagte er. Auch eine unentgeltliche Leihmutterschaft würde seine grundsätzliche Haltung nicht verändern. Selbst wenn eine Frau ohne Bezahlung als Leihmutter tätig werde, bleibe für ihn das zentrale Problem bestehen. „Für mich ist das Kinderhandel! Es wird ein Baby gekauft. Was bedeutet das für das Kind später?“, so Greller.