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Hautinfektion breitet sich aus
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Hautinfektion breitet sich aus Verbreitung größtenteils in der schwulen Community

ms - 10.09.2026 - 08:30 Uhr
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Ein Bakterium, das in erster Linie aus der Tiermedizin bekannt ist, beschäftigt derzeit Gesundheitsbehörden in Deutschland und Europa. In Berlin und Brandenburg wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bisher 17 Menschen mit Dermatophilus congolensis infiziert. Der Erreger befällt normalerweise vor allem Pferde, Rinder und andere Wiederkäuer. Betroffen sind vor allem schwule und bisexuelle, sexpositive Männer. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat 17 Fälle einer seltenen bakteriellen Hautinfektion in Berlin und Brandenburg registriert.
  • Verursacht wird die Erkrankung durch das Bakterium Dermatophilus congolensis, das vor allem bei Pferden, Rindern und anderen Wiederkäuern vorkommt.
  • Die Infektionen wurden zwischen Dezember 2025 und Juni 2026 festgestellt; betroffen waren ausschließlich Männer.
  • Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich größtenteils um schwule und bisexuelle Männer aus Berlin und dem angrenzenden Brandenburg.
  • Erstmals gibt es Hinweise, dass der Erreger in größerem Umfang auch von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte.
  • Europaweit haben sich die Fallzahlen laut dem ECDC binnen eines Monats zuletzt fast verdoppelt. 

Seltene Erkrankung in Community 

Die durch das Bakterium ausgelöste Erkrankung wird in der Tiermedizin als Regenfäule bezeichnet, medizinisch heißt sie Dermatophilose. Zwar sind Infektionen beim Menschen seit mehr als hundert Jahren bekannt. Bislang hatten sich jedoch einzelne Menschen vor allem unmittelbar bei Tieren angesteckt. Die aktuelle Entwicklung unterscheidet sich davon: Es gibt Hinweise darauf, dass sich der Erreger nun auch von Mensch zu Mensch verbreiten könnte. Nach Angaben des RKI wurden in Deutschland zwischen Ende 2025 und Mitte 2026 ungewöhnlich viele Infektionen festgestellt. 

Die bislang bekannten Nachweise stammen aus einem Berliner Labor. Sie wurden im Zeitraum von Dezember 2025 bis Juni 2026 erbracht, erste Fälle waren bereits im Mai letzten Jahres bekannt geworden. Im Interview mit SCHWULISSIMO hatte Stephanie Reisinger vom Landesamt für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin erklärte gegenüber SCHWULISSIMO: „Bei Vorliegen von Krankheitssymptomen wie Hautausschlägen und Hautläsionen sollten diese ärztlich abgeklärt werden und enge körperliche Kontakte zu anderen Personen sollten vermieden werden. Sexuelle oder andere engere körperliche Kontakte zu Personen mit sichtbaren Hautläsionen oder Hautausschlägen sollten vermieden werden.“ 

Betroffen sind durchwegs Männer

Unter den bisher erfassten Betroffenen waren ausschließlich Männer. Das Durchschnittsalter lag bei 45 Jahren. Nach den bisherigen Erkenntnissen handelt es sich größtenteils soweit bekannt um schwule und bisexuelle Männer. Alle Betroffenen leben in Berlin oder im angrenzenden Brandenburg. Wie die Infektionen zustande kamen, ist noch nicht abschließend geklärt. RKI und Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gehen allerdings davon aus, dass enger Haut- und Körperkontakt eine wichtige Rolle spielen könnte.

Das Bundesgesundheitsministerium erklärte im letzten Jahr zur aktuellen Lage: „Wahrscheinliche Übertragungswege der Infektionen sind direkter Haut-zu-Haut-Kontakt innerhalb sexueller Kontaktnetzwerke, zum Beispiel durch Besuche Sex-positiver Saunen, sowie eine mögliche indirekte Übertragung über kontaminierte Oberflächen.“ Auch nach aktuellem Standen werden die Mehrheit der Fälle demnach mit sexpositiven Saunen für schwule und bisexuelle Männer in Verbindung gebracht. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Erkrankung ausschließlich durch sexuelle Kontakte weitergegeben wird.

Hautveränderungen und Juckreiz

Beim Menschen kann Dermatophilus congolensis Entzündungen der Haut auslösen. Das Erscheinungsbild kann dabei unterschiedlich sein. Beschrieben werden unter anderem pockenähnliche Veränderungen, kleine Knötchen und Pusteln, teilweise mit Eiter, sowie schuppige oder verkrustete Hautstellen. Auch Juckreiz gehört zu den möglichen Beschwerden. Betroffen sein können beispielsweise das Gesicht, die Leiste, die Oberschenkel oder der Genitalbereich.

Nach dem bisherigen Kenntnisstand verlaufen die Infektionen meist mild. Schwere Komplikationen sind bislang nicht bekannt geworden. Wird die Erkrankung ärztlich behandelt, kommen Antibiotika zum Einsatz. Die Hautveränderungen heilen nach den bisherigen Erkenntnissen in der Regel vollständig ab. In manchen Fällen verschwinden die Beschwerden auch ohne Behandlung. Ärzte empfehlen dennoch, ungewöhnliche Hautveränderungen mit Juckreiz oder Krusten medizinisch untersuchen zu lassen. Das gilt unabhängig davon, welche Ursache letztlich dahintersteckt. Bis eine solche Veränderung abgeklärt ist, kann es sinnvoll sein, engen Hautkontakt zu vermeiden. Das gilt insbesondere dann, wenn die betroffenen Stellen nässen oder offen sind oder sich rasch ausbreiten.

Ursache für Auftreten unklar

Neben dem Übertragungsweg ist auch eine andere Frage offen: Wie gelangte das Bakterium überhaupt in die Umgebung, in der sich die aktuellen Fälle entwickelt haben? Als eine mögliche Erklärung gilt, dass sich einzelne Menschen zunächst bei erkrankten Tieren angesteckt haben könnten. Da die Beschwerden häufig mild sind, könnte eine solche Infektion unbemerkt geblieben sein. Eine spätere Weitergabe von Mensch zu Mensch wäre dann möglicherweise der Ausgangspunkt für die aktuelle Häufung gewesen. Das Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ECDC bewertet die Gefahr unterschiedlich. Für die Allgemeinbevölkerung wird das Risiko als sehr niedrig eingestuft. Für Menschen, die sexpositive Saunen besuchen, bewertet die Behörde das Risiko dagegen als mäßig. 

Mehr als 120 Fälle in Europa

Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf Deutschland. Auch in anderen europäischen Ländern werden zunehmend Infektionen mit der seltenen bakteriellen Hauterkrankung bekannt. Bei den bislang registrierten Erkrankungen waren ebenfalls häufig Männer betroffen, die Sex mit anderen Männern hatten. Nach Angaben des ECDC verdoppelte sich die Zahl der bekannten Fälle europaweit fast von 70 im Juni auf mehr als 120 im August 2026. Neben Deutschland wurden unter anderem Frankreich, Spanien, Norwegen und das Vereinigte Königreich als betroffene Länder genannt.

Die europäischen Gesundheitsbehörden verfolgen die weitere Entwicklung. Besonders ungewöhnlich ist dabei, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei dieser Erkrankung bislang nicht in einem vergleichbaren Ausmaß dokumentiert worden war. Die 17 Fälle aus Berlin und Brandenburg stehen damit im Zusammenhang mit einer Entwicklung, die derzeit auch über Deutschland hinaus beobachtet wird. Wie genau der Erreger weitergegeben wird und woher die aktuelle Häufung stammt, ist weiterhin Gegenstand der Untersuchungen.

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