Seltene Infektion in Berlin Stellungnahme des Bundesgesundheitsminsteriums
Seit Mitte Mai häufen sich in Berlin die Fälle von Infektionen mit dem seltenen Bakterium Dermatophilus congolensis. Zu den Infizierten gehören dabei aktuell offenbar ausnahmslos schwule und bisexuelle Männer (MSM). Auch in anderen europäischen Großstädten und Hotspots der schwulen Community kommt es derzeit verstärkt zu Infektionen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (Lageso) erklärte exklusiv gegenüber SCHWULISSIMO vor gut zwei Wochen, dass die Übertragungen nach aktuellem Stand mit großer Wahrscheinlichkeit durch sexuelle Kontakte in Schwulensaunen entstanden sind. SCHWULISSIMO berichtete im Mai zuerst über die seltsame Häufung der Fälle. Nun meldete sich auch das Bundesgesundheitsministerium zu Wort.
Das Wichtigste im Überblick
- Seit Mitte Mai wurden in Berlin mehrere Infektionen mit Dermatophilus congolensis registriert
- Betroffen sind bislang ausschließlich schwule und bisexuelle Männer
- Behörden vermuten sexuelle Kontakte in Schwulensaunen als Hauptübertragungsweg
- Das RKI stuft das Risiko derzeit als gering ein
- Die Infektion verursacht entzündliche Hautausschläge und ist behandelbar
- Experten raten bei Symptomen dazu, enge körperliche Kontakte zu vermeiden
RKI-Einschätzung zu den Gefahren
Auf Rückfrage des queerpolitischen Sprechers der Linksfraktion, Maik Brückner, bezüglich den bestehenden Risiken hinsichtlich der Erkrankung sowie einer Pilzinfektion durch den sogenannten Pilzstamm Trichophyton mentagrophytes Genotyp VII (TMVII) erklärte Dr. Georg Kippels, Parlamentarischer Staatssekretär und Mitglied des Deutschen Bundestages: „Wahrscheinliche Übertragungswege der Infektionen sind direkter Haut-zu-Haut-Kontakt innerhalb sexueller Kontaktnetzwerke, zum Beispiel durch Besuche Sex-positiver Saunen, sowie eine mögliche indirekte Übertragung über kontaminierte Oberflächen. Aufgrund der geringen Anzahl (16 aktuell bekannte Fälle, insbesondere aus dem Großraum Berlin), der guten Behandelbarkeit mit Standard-Antibiotika und dem eher leichten klinischen Verlauf schätzt das Robert Koch-Institut (RKI) die Risiken für die Bevölkerung inklusive für Männer, die Sex mit Männern haben, als gering ein. Zugleich werden Behandelnde sensibilisiert, um bei entsprechenden Symptomen eine Infektion mit Dermatophilus congolensis in Erwägung zu ziehen und eine Behandlung einleiten zu können.“
Zoonose beim Menschen
Das RKI stehe dabei in engem Austausch mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin sowie dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten. „Weitere Maßnahmen sind derzeit nicht vorgesehen“, so Kippels weiter. Bei dem Bakterium namens Dermatophilus congolensis handelt es sich um eine Zoonose, eine Infektionskrankheit, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden kann, zumeist sind Pferde, Schafe und Rinder der Ursprungsherd. Der Erreger wird durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder indirekt über kontaminierte Gegenstände übertragen und kann dann von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, insbesondere bei verletzten oder offenen Hautstellen sowie durch sexuelle Kontakte.
Sexuelle Kontakte meiden
Bei den Betroffenen entwickelt sich eine eitrige Entzündung der Haut, typisch sind dabei schuppige, gerötete und oft kreisrunde Ausschläge. Die Infektion wird mit medizinischen Shampoos, antiseptischen Waschlösungen und Antibiotika behandelt. Stephanie Reisinger vom Lageso erklärte gegenüber SCHWULISSIMO: „Bei Vorliegen von Krankheitssymptomen wie Hautausschlägen und Hautläsionen sollten diese ärztlich abgeklärt werden und enge körperliche Kontakte zu anderen Personen sollten vermieden werden. Sexuelle oder andere engere körperliche Kontakte zu Personen mit sichtbaren Hautläsionen oder Hautausschlägen sollten vermieden werden.“