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Neue Infektionen in Berlin

Neue Infektionen in Berlin Schwule Männer betroffen, Übertragung durch sexuelle Kontakte

ms - 13.05.2026 - 13:00 Uhr
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In Berlin grassiert seit einigen Wochen verstärkt ein Bakterium in der sexpositiven schwulen Community, das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales spricht von einem „ungewöhnlichen“ Verlauf. Zudem scheinen sich auch in anderen Ländern Europas verstärkt schwule und bisexuelle Männer (MSM) angesteckt zu haben. Noch sind im Fall Berlin die genauen Übertragungswege unklar, mutmaßlich haben sich mehrere schwule und bisexuelle Männer in einer Schwulensauna infiziert. 

Das Wichtigste im Überblick

  • In Berlin wurden mehrere Infektionen mit dem seltenen Bakterium Dermatophilus congolensis registriert 
  • Besonders betroffen sind nach bisherigen Erkenntnissen schwule und bisexuelle Männer (MSM) 
  • Als möglicher Übertragungsort gelten unter anderem Schwulensaunen und anonyme sexuelle Kontakte 
  • Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales spricht von einem „ungewöhnlichen“ Verlauf 
  • Die Erkrankung verursacht entzündliche Hautveränderungen, verlief bislang aber meist mild 
  • Ähnliche Fälle wurden inzwischen auch aus anderen europäischen Ländern gemeldet

Übertragung von Tier zu Mensch

Bei dem Bakterium namens Dermatophilus congolensis handelt es sich um eine Zoonose, eine Infektionskrankheit, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden kann, zumeist sind Pferde, Schafe und Rinder der Ursprungsherd. Der Erreger wird durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder indirekt über kontaminierte Gegenstände übertragen und kann dann von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, insbesondere bei bereits verletzten Hautstellen oder durch sexuelle Kontakte. 

Es entwickelt sich bei den Betroffenen eine eitrige Entzündung der Haut, typisch sind schuppige, gerötete und oft kreisrunde Ausschläge. Wenn die Infektionen milde verlaufen, heilen sie oft ohne spezifische Behandlung aus, anderenfalls kommen medizinische Shampoos oder antiseptische Waschlösungen zum Einsatz. In schweren Krankheitsverläufen bedarf es einer Therapie mittels Antibiotika.

Verstärkte Fälle in schwuler Community 

Besonders am aktuellen Ausbruch ist, dass beinahe ausschließlich schwule und bisexuelle Männer (MSM) davon betroffen sind. Durch die lange, meist fünftägige Zeit zwischen Probenentnahme und Laborergebnis besteht die Gefahr, dass der Erreger in der Zeit unwissentlich in der sexpositiven schwulen Community erneut weitergegeben wird. Genaue tatsächliche Zahlen über die möglichen Krankheitsfälle gibt es bis dato nicht, da der Nachweis des Erregers oder der Erkrankung in Deutschland nicht meldepflichtig ist. Nach Informationen von Berliner Laboren sind derzeit mindestens zwanzig Personen betroffen, dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (Lageso) liegen aktuell Informationen zu fünfzehn erkrankten Personen in Berlin und Brandenburg vor. Bisher verlief der Krankheitsverlauf bei allen Betroffenen milde. SCHWULISSIMO fragte nach bei Stephanie Reisinger vom Lageso. 

Gibt es erste Erkenntnisse, warum vor allem MSM daran erkannt sind? 

Das Lageso befragt derzeit im Rahmen einer Ausbruchsuntersuchung die erkrankten Personen systematisch zu möglichen Expositionen im Vorfeld der Erkrankung, um Transmissionswege und Infektionsquellen nachvollziehen zu können. Die bisher vorliegenden noch unvollständigen Daten deuten darauf hin, dass es zu Übertragungen im Rahmen unter anderem anonymer sexueller Kontakte zwischen MSM gekommen ist, häufig auch im Zusammenhang mit Besuchen von Saunen.

Besteht für die sexpositive schwule Community in Berlin eine erhöhte Gefahrenlage bezüglich einer möglichen Ansteckung? 

Eine Risikoeinschätzung ist auf Basis der aktuell vorliegenden Informationen nicht abschließend möglich. Das Risiko einer Ansteckung entspricht dem generellen Risiko sexuell übertragbarer Infektionen bei wechselnden, anonymen Sexualkontakten. Bei Vorliegen von Krankheitssymptomen wie Hautausschlägen und Hautläsionen sollten diese ärztlich abgeklärt werden und enge körperliche Kontakte zu anderen Personen sollten vermieden werden. Sexuelle oder andere engere körperliche Kontakte zu Personen mit sichtbaren Hautläsionen oder Hautausschlägen sollten vermieden werden. Dies ist auch im Kontext anderer Infektionen, insbesondere Mpox, sinnvoll. 

Gibt es weitere Erkenntnisse zu den so plötzlich verstärkt auftretenden Fällen?

Es sind auch in anderen europäischen Ländern Infektionen mit Dermatophilus congolensis bei MSM aufgetreten. Dies legt Transmissionen in sexuellen Netzwerken von MSM nahe, wie sie auch bei anderen Erregern (Shigellose, Mpox) beobachtet werden. Die Infektionen in Berlin sind zwar ungewöhnlich, sie sind aber über einen Zeitraum von mehreren Monaten nachgewiesen worden.

Frau Reisinger, vielen Dank für die Informationen. 

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