Soll Österreich gezielt um queere Urlauber werben oder nicht? Über diese Frage ist im Tourismusausschuss des Nationalrats eine politische Debatte entbrannt. Die FPÖ verlangt eine Neuausrichtung der Österreich-Werbung und will gesellschaftspolitische Inhalte rund um Pride und LGBTIQ+ aus deren Marketing zurückdrängen. Ein entsprechender Entschließungsantrag wurde jetzt im Ausschuss vertagt.
Das Wichtigste im Überblick
- Die FPÖ fordert eine Neuausrichtung der staatlichen Österreich-Werbung und keine Inhalte zu Pride und LGBTIQ+.
- Der entsprechende Entschließungsantrag wurde am 1. Oktober im Tourismusausschuss des Nationalrats vertagt.
- Statt aus FPÖ-Sicht „ideologisch aufgeladener Kampagnen“ sollen unter anderem Natur, Berge, Sicherheit, Kulinarik, Kultur und regionale Vielfalt stärker im Mittelpunkt stehen.
- Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) verwies dagegen auf eine Studie, wonach die queere Community im Durchschnitt 33 Prozent mehr für Reisen ausgibt als andere Gäste.
FPÖ fordert andere Schwerpunkte
Eingebracht wurde der Antrag vom FPÖ-Abgeordneten Christoph Steiner und weiteren Abgeordneten. Offiziell trägt er den Titel „Klare Ausrichtung der Österreich Werbung auf wirksames Tourismusmarketing und internationale Positionierung Österreichs“. Er war bereits im Juli im Nationalrat eingebracht und anschließend dem Tourismusausschuss zugewiesen worden. Die Partei kritisiert die, aus ihrer Sicht „ideologisch aufgeladenen Kampagnen“. Als Beispiele nennt die FPÖ Pride- und trans* Themen. Nach ihren Vorstellungen soll sich die Tourismuswerbung stattdessen stärker auf klassische Urlaubsthemen konzentrieren. Genannt werden Natur und Berge, Sicherheit, Kulinarik, Kultur sowie die regionale Vielfalt Österreichs.
Steiner verlangt damit eine „klare Ausrichtung“ der Österreich-Werbung. Neben den inhaltlichen Schwerpunkten fordert der Antrag eine stärkere Konzentration auf wirtschaftlich relevante Zielmärkte, einen effizienten Einsatz finanzieller Mittel sowie die Einbindung relevanter Interessengruppen. Hinter der Initiative steht eine grundsätzliche Kritik der FPÖ an der bisherigen Kommunikation der Österreich-Werbung. Bereits in einer parlamentarischen Anfrage hatte Steiner der Organisation vorgeworfen, ihre Kommunikationskanäle für „ideologische Botschaften“ und identitätspolitische Inhalte zu nutzen. Inhalte rund um Pride, Drag und Transgeschlechtlichkeit bezeichnete die Partei als „gesellschaftspolitische Erziehung“.
LGBTIQ+ wirtschaftliche Zielgruppe
Dieser Argumentation hielt Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) im Ausschuss wirtschaftliche Daten entgegen. Sie verwies auf eine Studie, der zufolge die queere Community im Durchschnitt 33 Prozent mehr für Reisen ausgibt als andere Gäste. Damit steht neben der gesellschaftspolitischen Debatte auch die wirtschaftliche Bedeutung dieser Zielgruppe im Raum. Die gezielte Ansprache von LGBTIQ+-Urlaubern und die Vermarktung Österreichs als Ziel für Familien, Natur-, Kultur- oder Genussurlaub schließen sich dabei demnach nicht gegenseitig aus. Touristische Marketingkampagnen können unterschiedliche Zielgruppen und Reisemotive parallel ansprechen, so Zehetner weiter. Kritik kommt auch von anderen Parteien wie den NEOS. Die ÖVP-Abgeordnete Daniela Gmeinbauer sprach sich für eine Vertagung aus. Damit ist die parlamentarische Auseinandersetzung zunächst nicht entschieden. Der FPÖ-Entschließungsantrag befindet sich nach der Ausschussberatung weiterhin im parlamentarischen Verfahren.