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Tom Ford zeigt Haut Schwule Ästhetik als Provokation auf dem Laufsteg

Von ms - 02.10.2026 - 14:00 Uhr
Tom Ford zeigt Haut
Foto: YouTube Screenshot / Tom Ford
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Der Tanga soll raus aus der Unterwäscheschublade und hinein in die Luxusgarderobe des Mannes: Tom Ford hat bei der Paris Fashion Week jetzt die neue Frühjahr-/Sommerkollektion 2027 präsentiert, in der ausgesprochen knappe Herrenunterwäsche zum sichtbaren Bestandteil kompletter Outfits wird.

Das Wichtigste im Überblick

  • Tom Ford hat bei der Paris Fashion Week seine Frühjahr-/Sommerkollektion 2027 unter Kreativdirektor Haider Ackermann präsentiert.
  • Im Mittelpunkt steht das Spiel zwischen sichtbarer Sexualität und Andeutung: „Sexualität muss nicht laut sein. Sie kann still und kraftvoll sein: ein Zittern unter der Haut.“
  • Ackermann verbindet messerscharfe Schnitte und luxuriöse Materialien mit tiefen Ausschnitten, transparenten Stoffen, Netzmaterial und extrem kurzen Jeansshorts.
  • Besonders auffällig sind Männer-Tangas, die nicht versteckt, sondern als sichtbarer Bestandteil kompletter Looks eingesetzt werden.
  • Kombiniert werden die Tangas unter anderem mit feinen Rollkragenpullovern, transparenten Socken und polierten Loafern.
  • Die Kollektion greift Elemente schwuler Ästhetik auf. Einige Looks erinnern mit Schnurrbärten und knappen Jeansshorts an frühere schwule Erotikmagazine. 
  • Ackermann ist seit 2024 Kreativdirektor von Tom Ford und führt damit die für das Modehaus charakteristische Verbindung von Luxus und Sexualität fort.

Sexualität als „Zittern unter der Haut“

Verantwortlich dafür ist Kreativdirektor Haider Ackermann. Der in Kolumbien geborene französische Designer setzt bei seiner neuen Kollektion auf das Spannungsverhältnis zwischen dem, was offen gezeigt wird, und dem, was der Fantasie überlassen bleibt. Dabei bleibt Ackermann einer Tradition des Hauses treu. Tom Ford steht seit Jahrzehnten für Mode, die Luxus mit Verführung und offensivem Sexappeal verbindet. Daran änderte sich auch nichts, als Ackermann 2024 die kreative Leitung übernahm. Wie der Designer das Thema seiner neuen Kollektion versteht, formulieren die Anmerkungen zur Show ausdrücklich. „Sexualität muss nicht laut sein. Sie kann still und kraftvoll sein: ein Zittern unter der Haut“, hieß es dort.

Auf dem Laufsteg wurde dieser Ansatz mit einer Mischung aus klassischer Eleganz und bewusster Provokation umgesetzt. Messerscharf geschnittene Kleidung, seidige Oberbekleidung und zurückgekämmte Haare erinnerten an die elegante, zugleich verruchte Herrenmode der 1970er-Jahre. Unter Jacken kamen tief ausgeschnittene Oberteile zum Vorschein, die immer wieder Haut freilegten. Transparente Stoffe und Netzmaterial verstärkten diesen Effekt. Andere Looks gingen noch einen Schritt weiter: Models mit Schnurrbart trugen extrem kurze Jeansshorts, die bis an die Oberschenkel reichten. Die Inszenierung erinnerte dabei an alte Ausgaben des schwulen Erotikmagazins Honcho.

Der schwule Tanga als Outfit

Besonders deutlich wird Ackermanns Konzept allerdings beim Männer-Tanga. Das Kleidungsstück wird in der Kollektion nicht lediglich als Unterwäsche eingesetzt, die unter einer Hose verschwindet. Stattdessen wird es selbst zum sichtbaren Bestandteil des Looks – und teilweise zum entscheidenden Kleidungsstück. Ackermann kombiniert die Tangas dabei bewusst mit Elementen klassischer und luxuriöser Herrenmode. Zu sehen sind Kombinationen mit feinen Rollkragenpullovern, transparenten Socken und auf Hochglanz polierten Loafern. 

Eine Hommage insbesondere an die schwule Kultur, in der dem engen Kleidungsstück seit längerem eine besondere Bedeutung zugutekommt. Bei Tom Ford entsteht dadurch ein Kontrast: Der ausgesprochen knappe und sexuell konnotierte Tanga trifft auf Kleidungsstücke, die ansonsten eher für elegante Zurückhaltung stehen. Das Ergebnis ist kinky und provokant, zugleich wird die Unterwäsche mit derselben modischen Präzision behandelt wie die aufwendig geschnittenen übrigen Stücke der Kollektion.

Schwule Ästhetik als Inspiration

Der Bezug zu schwuler Kultur kommt dabei nicht zufällig zustande. Ackermann greift schon seit längerem Elemente aus deren visueller Sprache auf. Bei der neuen Tom-Ford-Kollektion verbindet er diese Einflüsse mit einer ausgeprägt luxuriösen Ästhetik. Selbst bewusst freizügige oder rauere Elemente werden in eine elegante Inszenierung eingebettet. Der Männer-Tanga wird damit zu einem besonders sichtbaren Ausdruck dieses Konzepts: Er ist provokant und unverkennbar sexuell, wird von Ackermann jedoch mit derselben Präzision inszeniert wie ein perfekt geschnittener Anzug. Gerade darin liegt eine der zentralen Ideen der Frühjahr-/Sommerkollektion 2027. Sexualität wird nicht als Gegenpol zu klassischer Eleganz behandelt. Beides soll nebeneinander bestehen und miteinander verschmelzen.

Sexappeal gehört dazu

Grundsätzlich ist diese Verbindung für Tom Ford nichts Neues. Das Modehaus setzt bereits seit Jahrzehnten auf eine Bildsprache, bei der Kleidung, Körper und schwule Sexualität eng miteinander verbunden werden. Und auch in den mehrfach ausgezeichneten Kinofilmen von Tom Ford ist eine gewisse Homoerotik immer präsent. Ackermann erfindet diese Vorliebe für Provokation deshalb nicht neu. Vielmehr erweitert er die Möglichkeiten, mit denen sie auf dem Laufsteg ausgedrückt wird. Der Männer-Tanga wird dabei vom Stück Unterwäsche zum Styling-Element. In Kombination mit Rollkragenpullover, transparenten Socken und Loafern soll er nicht wie ein zufälliger Blick auf Unterwäsche erscheinen, sondern wie ein bewusst zusammengestelltes Luxus-Outfit. Damit stellt Tom Ford für Frühjahr und Sommer 2027 auch eine klassische Vorstellung von Herrenmode infrage: Wie viel Stoff ein Kleidungsstück besitzt, entscheidet bei Ackermann nicht darüber, ob es als Luxusmode gelten kann. Selbst ein Männer-Tanga bekommt bei Tom Ford deshalb seinen großen Auftritt auf dem Pariser Laufsteg.

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